Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Purim-Maskenball bei den portugiesischen Juden in Holland im siebzehnten Jahrhundert [Illustration]
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 171 - 172 (sequence 1)
- Language
- German
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171 172 Purim-Maskenball bei den portugiesischen Juden in Holland im siebzehnten Jahrhundert. . (Nach einem alten Stich.) DIE PURIMFEIER IN HISTORISCHER BELEUCHTUNO. Von Dr. M< Auch Feste haben ihre Schicksale. Während Chanuka, das schon vermöge des Ortes seiner Entstehung und seiner allumfassenden Bedeutung für die Gesamtjudenheit das Recht für sich hätte beanspruchen dürfen, zu einem grossen National- und Freudenfeste zu werden, im Laufe der Zeit zu einer schlichten, stillen und geräuschlosen Erinnerungsfeier herabgesunken ist, bei der die angezündeten armseligen Lichtlein in einem gar grellen Gegensatze zu den einstigen, heroischen Grosstaten der Makkabäerzeit stehen, hat sich unser Purim schon frühzeitig, und je weiter um so mehr zu einem echten und rechten Fest der Freude par excellence herausgebildet. Mag nun hierzu nicht zum wenigsten der Umstand beigetragen haben, dass das Esther-Buch, dem überdies durch Aufnahme in den Kanon der heiligen Schriften eine besondere Weihe verliehen worden, uns all jene damaligen Geschehnisse in ungleich dramatisch bewegterer Form näher zu bringen weiss, als die apokryph gebliebenen, die historischen Tatsachen ihrer Zeit nur trocken re- IX Steif. Nachdruck verboten. gistrierenden Makkabäerbücher es vermögen, so ist, dem Prinzipe des Kontrastes zufolge, auch die jeweilige triste Lage des jüdischen Volkes mit veranlassende Ursache gewesen, dass die Erinnerung an jene Tage mit solch einem Ueberschwang ungebunden fröhlicher Stimmung begangen wurde. Je niederdrückender und entmutigender die Verhältnisse waren, in die man sich nur allzu oft versetzt sah, um so tröstlicher und herzerhebender musste es sein, sich in eine Zeit zurückversetzen zu können, in der alle feindlichen Anschläge so urplötzlich zuschanden gemacht, den unschuldig Unterdrückten und Verfolgten eine solch glänzende Genugtuung unvermutet zuteil geworden. Man schwelgte förmlich in dieser einen Erinnerung, und die jährliche Wiederkehr derselben warf ihre frohen Lichter schon auf den Beginn des Monats Adar, von dem der Grundsatz sogar als gesetzliche Norm aufgestellt wurde: Mit dem Eintritt dieses Monats soll jeder einer erhöhten Freude sich befleissigen. Es war, als ob man sich an diesem einen Purim