Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 23 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1923)
- Article
- Aus der philosophischen Literatur [Rezension]
- Date
- 1923-03-01
- Page
- Seite 103 - 104 (sequence 2)
- Language
- German
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103 Aus der philosophischen Literatur 104 mal gegeben hat und die er nach dem tiefsinnigen Worte des Psalmisten („chok nathan welö jaabor") selber nicht übertritt. Er hat aber auch, wie es beim Propheten Micha heißt, dem Menschen gesagt, was das Gute sei, und darf in diesem Sinne als die Quelle des Sittengesetzes, als die höchste Sanktion für die Forderungen der Menschenpflicht und der Menschenwürde gelten. So bildet also der ethische Monotheismus der altisraelitischen Propheten für mich die Grundlage für eine Verstand und Gemüt in gleicher Weise befriedigende Weltanschauung, die noch dazu mit keinem Ergebnis der Forschung jemals in Widerspruch geraten kann." Auf dem Gebiete der Ethik lehnt Jerusalem den Apriorismus Kants womöglich noch schärfer ab, als auf dem der Erkenntnistheorie, für ihn „ist die Gesellschaft die Geburtsstätte des sittlichen Bewußtseins". Die Pflichten sind nach ihm soziale Imperative, und der „erhabene Ursprung" der Pflicht liegt nicht, wie Kant meint, in der Persönlichkeit, sondern in der über dem Individuum stehenden Macht und Autorität der zur organischen Einheit zusammengeschlossenen Gesellschaft. Hiermit begründet Jerusalem die soziologische Ethik, die sich in ein reichgegliedertes, alle Funktionen des Individuums und der Gesellschaft umfassendes System verzweigt. Auf der Soziologie, also der empirischen Gesellschaftslehre, basiert die Moralphilosophie dieses Denkers, gleichwie seine Erkenntnistheorie sich auf Physik und Biologie aufbaut. Sein Gedankenbau ruht auf der festen Grundlage des Realismus und türmt sich empor bis in die höchsten Kegionen des Idealismus. — Das ausgezeichnete Werk „Ergebnisse und Probleme der Naturwissenschaft, eine Einführung in die moderne Naturphilosophie" von Bernhard Bavink, liegt in zweiter, vo lständig neu bearbeiteter und erweiterter Auflage vor3). Während die an die Namen Sendlings und Hegels sich knüpfende Naturphilosophie of old im leeren Raum der Phantasie Gedankenkonstruktionen ausführte und so die „wirkliche Welt aus der Natur der Vernunft neu zu schaffen" behauptete, behandelt die moderne Naturphilosophie die allgemeinen Probleme im engen Anschluß an die Naturforschung und deren Ergebnisse. Sie sucht vor allem den" Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung festzustellen und zu erforschen, in welchem Verhältnis das Naturerkennen zu anderen Gebieten der Kultur steht, insbesondere zu Kunst, Religion und Sittlichkeit. Das stattliche, lebhaft und klar geschriebene (und sehr schön ausgestattete) Buch führt dem Leser die Ergebnisse der modernen Physik, Chemie, Biologie, Astronomie und Erdgeschichte vor und geleitet ihn bis zu den Problemen, die gegenwärtig die Forscher beschäftigen. Wir gewinnen derart ein zusammenfassendes, aber alle Einzelheiten klar hervorhebendes Bild der gegenwärtigen Naturerkenntnis und der Fortschritte, die sie in den letzten hundert Jahren gemacht hat. Überall wird die Beziehung dieser Erkenntnisse zu den letzten Fragen des Menschengeistes eingehend erwähnt. Lange vor dem Weltkrieg hat sich unter den wirklich schöpferischen Geistern der Naturforschung eine allgemeine Abkehr vom Materialismus vollzogen. Der Weltkrieg, der die Gemüter aufs tiefste erschütterte, hat diese Bewegung auch in die Reihen der breiten Schichten der Gebildeten getragen und sie in das entgegengesetzte Extrem getrieben. Zahlreiche Scharen, die vorhin zu Haeckel schworen, laufen jetzt Steiner nach. „Auf monistische Sonntagsf)redigten folgen spiritistische Sitzungen und telepathische :>0 Verlag von S. Hirzd in Leipzig 1921 ^rferf^f% <ri& '%M> /t t ST ^r/ , ^^;^^^d^>:^:i 2)erX>ü€t.der dunkelroten Tlose in wunderbarster TZatürlichkeii Ts \ ' IWW '"' M~£?r;Zh' JS^L^±^xi:-\Äi- J«E 5\:HWÄ&7JÄ)§£-mhJN-£ ' 3£tRlSN Uetanverkauf: Marrprafensir. 26 * Fabrik": Dreysestr-5 Partum, Seife. Puder, Haarwasser, Hautcreme '. erhältlich in allen einschlägigen Geschäften Parfümierte Karten von .Rosa centifolia" und anderen Spezlalparfüms stehen gratis und franko zur Verfügung