Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 23 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1923)
- Article
- Talmudische Spruchweisheit
- Date
- 1923-03-01
- Page
- Seite 101 - 102 (sequence 2)
- Language
- German
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TOI Aus der philosophischen. Literatur 102 Wer etwas weiß u,nd weiß auch, daß er weiß, Von dem laß' dich belehren,- Wer nichts weiß, nicht weiß, daß er nichts weiß, Den such' zu bekehren. Wer etwas weiß, nicht weiß, daß -er was weiß, Den such' zu wecken, Wer nichts weiß und sich wissend wähnt, Laß' in der Dummheit stecken.. Gott hat seinem Volk drei Geschenke gegeben: Die Lehre, sein Land und das ewige Leben. Doch keines davon kannst du erben, Du mußt sie dir selber erwerben. Nicht um äußern Ruhmes willen. Sollst idu das Gesetz erfüllen, Nicht, daß sie dich Meister heißen, Dich des Studiums befleißen: Nur zu eig'nem Nutz, und .Frommen, Ehrung wird von selber kommen. Vom Topf, der bis zium Rand gefüllt, Der nächste Tropfen überquillt, Doch niemals wird ein Kopf zu klein, Will Weisheit noch in ihn hinein. Des echten Weisen Erkennungszeichen: Wenn Wort und Tat bei ihm sich gleichen. Mehr als wir dem Armen geben, 0ibt: er .unserm Innenleben. Gut wird nur, was du schaffst mit Lust, Wo inn'rer Drang dir sagt: du muM. Tatst einen Blick hinein, ich aber zwei, Das, Freund, ist doch nicht einerlei? * * Was gilt ein Bekenntnis, Dem' fehlt das Verständnis? ' * * War' das Himmelsgewölbe ein Pergament, Und alle die Bäume als Sprachrohr verwend't, Und alle Meere mit Tinte gefüllt, Sie gäben dir doch noch kein vollwertig Bild, Des, was mich mein großer Meister gelehrt, ' Und wie er mein Wissen und Können gemehrt, Und doch all' mein Wissen nicht tiefer dringt, Als wenn aus dem Meer eine Fliege trinkt. (Ausspruch R. Jochanan ben Sackai, Schülers von Hillel.) Eh' der Hunger gestillt, Ist das Herz geteilt, Ist der Magen gefüllt, Ist der Riß geheilt. * * * Geh' freundlich um mit Magd und Knecht, Sie haben wie du auch iMenschenrecht, Du darfst sie bei ihrer Arbeit lenken, Doch nicht durch schlechte Behandlung kränken. * * * Einer, den man. zu Grab' geleitet, Der sich auf den Tod nicht. vorbereitet, Gleicht Einem, der ohne Mundvorrat, Eine Reise ins weite Meer antrat AUS DER PHILOSOPHISCHEN LITERATUR (Fortsetzung) In seiner Metaphysik*).:hat: Jerusalem, immer den Materialismus •bekämpft und die Selbständigkeit des Geistigen verteidigt, die Soziologie lieferte' ihm. für seine Auffassung ein* neues , sehr originelles , und wirksames/ Argument,' auf' das . hier' näher einzugehen wir (uns leider versagen müssen/■ 'Allein "auchden Monismus in jeglichef . Form lehnt er ab. „Ich werde '. weder . jemals . begreifen,.;. daß . die •. Materie denken, .noch daß der Geist ausgedehnt werden kann'V.sagt er sarkastisch, und ^bekennt sich frank und frei zum Dualismus, von Geist und Materie, Leib -und ^See'le, Gott'- und Welt. .Aüf eint;'hier. riich,t näher zu charakterisierende originelle üncl. tiefsinnige Weise leitet er aus dem unm'ittel- *) „Philosophie ' der ' "Gegenwart" in Selbstdarstellungen." (Verlag Felix Meiner, Leipzig.) baren U r e r 1 e b n i s .der W e c h s e 1 w-i r k u n g zwischen psychisch e n und physischen Vorgängen den Begriff der Kausalität ab. „Aus dieser Urerfahrung läßt sich unser Weltbild ableiten." Leider erlaubt es der -Raum -nicht, hier auf den. von" ihm geschaffenen. Zentralbegfiff der „fundamentalen : Apperzep tion"; einzugehen, laus-dem ihm sein Gottesbegriff erwächst. . Gott , ist für ihn . der. schöpf er.i sehe Wille. „Erst wenn wir das gesamte kosmische Geschehen auf einen schöpferischen Willen zurückführen ... erst dann bekommt unser Weltbild den so heiß ersehnten-Abschluß'.und wird'.erst dadurch zu einem einheitlichen und in sich geschlossenen Gedanken. Wir können. uns diesen schöpferischen Willen niemals anders als a n t h r ö p ö Im o r p h i s c h denken. Wir können ihn uns aber vorstellen als den Urheber der Naturgesetze, die er ein für alle-