Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 23 (1923)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- None (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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OSTm ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEOWINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft m März-April 1923 XXIH. Jahrg. PHILOSOPHIE DES POGROMS. Von Bin ja min Segel. Schon lange vermißte ich schmerzlich eine Philosophie des Pogroms. Nicht ohne ein Gefühl des Neides sagte ich mir: Avir haben schon eine Philosophie des. Fahrrades, eine Philosophie des Automobils, eine Philosophie des Kinos, eine Philosophie des Turfs, eine Philosophie der Damenkleidermode, eine Philosophie.. der Reitkunst, .- - jede Errungenschaft des modernen Geistes hat ihre Philosophie, ihre anständige, geachtete, in schönen Folianten vorgetragene Philosophie. Nur der Pogrom hatte noch keine, obwohl er in der Praxis uralt, und sogar unter diesem modernen. Namen bereits seit fast einem halben Jahrhundert allgemein europäisch anerkannt ist und längst der Regierungsmaschinerie großer und kleiner Staaten angegliedert wurde; in der letzten Zeit gewann es. auch den Anschein, daß er einer glorreichen Zukunft entgegengehe. Es war ärgerlich, daß sich keine Denkerseele fand, die sich seiner Blöße erbarmte und ihm ein gutsitzendes philosophisches Gewand zurechtschneiderte. Endlich kam Hans B lü Ii er —. und seither kann der Pogrom in einer prächtig ausstaffierten philosophischen Hülle umherstolzieren. Blüher hat tatsächlich eine Philosophie des Pogroms geschaffen, hat den Pogrom nach althergebrachter Philosophenart auf die dreifache metaphysische Basis des Wahren, Guten, Schönen gestellt, hat das Warum, das Woher und das Wozu so tief und.allseitig, erörtert und begründet, daß wir nun glücklicherweise eine Metaphysik, eine Logik, eine Ästhetik und eine Ethik ,des Pogroms besitzen. Es ist kein Wunder, daß dieser ragende Bau die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. auf sich gelenkt hat Einem yon ihnen hat die Blühersche Pogromphilospphie so gewaltig imponiert, daß er in seinem "Innersten tief erschüttert wurde -undsichdie . bange Frage vorlegte^ ob es unä Juden denn fürder noch erlaubt sein wird, „an der Kultur unserer Wirtsvölker mitzuarbeiten?" Wird es Einstein erlaubt sein, *die Ästronomjfe durch gewaltige Entdeckuti,gen zu bereichern? Ltebermanu, hervorragende Bilder zu malen, Wassermann, die medizinische Wissenschaft zu erweitern und Ehrlich und Haber, auf dem Gebiete der Chemie nach Schätzen; zu graben?' Oder wird jeder :von diesen Leuten künftighinverpflichtet sein, vorerst bei Hans Blüher um .eine Sondererlaubnis nachzusuchen? Unser Zeitgenosse hat diese Frage noch unentschieden gelassen, aber vor der Hand hat er nun: seinerseits eine Philosophie, zu Blühers Philosophie des Pogroms verfertigt — 'und so haben wir jetzt auch: schon eine Überphilosophie des Pogroms. Eine so merkwürdige zeitgenössische Erscheinung; verdient gewiß, daß wir ihr einige Betrachtungen widmen. HANS BLÜHERS ENTDECKTES JUDENTUM. Das Judentum ist wieder einmal entdeckt tums und der antisemitischen Bewegung." Nun worden. „Jehuda patet, d. h. Juda ist offenbar wissen wirs. Juda ist offenbar, „lind, (las in einer und kann nicht mehr verkannt werden." Mit diesen Weise, die weder den Juden, noch den Antisemiten Worten beginnt die neueste Schrift von Hans alten Schlages lieb ist". Der gute alte Eisenmenger B 1 ü h e r: „S e d e s s i o J u d a i c a, Philosophische kann sich verstecken. Auf seine Entdeckung be- Grundlegung-der historischen Situation des Judenigründet Blüher den neuen, den .,,echten" Anti-