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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Date
1922-07-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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ÜSTmij ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 7/9 Juli-September 1922 XXII. Jahrg. DIE SPRÜCHE SALOMOS Von Rabbiner Dr. Max EscheI-bacher (Düsseldorf).: Als beim Auszug aus Ägypten die jüdischen Stämme am Schilfmeer standen, vor sich die Flut und hinter sich die Ägypter, überhäuften sie im Angesicht des Todes ihren Führer Mose mit schweren Vorwürfen. „Hast du uns wohl deshalb, weil es keine Gräber in Ägypten gibt, geholt, daß wir in der Wüste sterben?" In diesen Worten und in dieser Situation hat der Jude der ältesten Zeit einen Zug seines innersten Wesens offenbart. Denn Samson Raphael Hirsch meint, diese spitze Ironie selbst im Augenblick höchster Angst und Verzweiflung kennzeichne ganz die witzige Ader, die dem hellen Jakobsstamm ureigen angestammt sei. Und in der Tat prägt sich hier, an der Wiege der jüdischen Geschichte, bereits eine besondere Gabe des jüdischen Geistes aus, die Freude an der scharf geschliffenen Form, an dem eindringlichen und ergreifenden Ausdruck des Gedankens. Die Alten schon waren sich ihrer wohl bewußt. Werden doch am Ende des biblischen Buches Koheleth mit einem freilich schwer deutbaren Ausdruck die Worte der Weisen als „Stacheln und Nägel" bezeichnet. Die Freude an dem geflügelten Wort, an dem schlagenden Ausdruck hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten und war zu allen Zeiten lebendig. Wir haben immer den „Mosch ol" geliebt, das Bild und das Gleichnis, und uns an geistreichen und treffenden Wendungen ebenso gefreut als an der exakten und sach^- lichen Schilderung. Als in der uralten Richterzeit die Männer von Sichern den schlechtesten Sohn des großen Gideon zum König gewählt hatten, verzichtete, wie das Buch der Richter uns erzählt, Jotham auf politische Argumentationen und erzählte ihnen lieber die Geschichte von den Bäumen, die sich einen König wählen wollten, vom Ölbaum, vom Feigenbaum und vom Weinstock abgewiesen wurden und schließlich an den Dornenstrauch.^.gerieten. ...Und er verkündete seinen Mitbürgern ihr Schicksal in den - Worten des Dornenstrauchs: „Wenn, ihr Bäume mich in - Wahrheit zum' König salben wollt, dann kommet .und berget:"euch in meinem Schatten. -Wenn aber nicht, dann gehe Feuer aus vom' Dornstrauch und verzehre die Zedern des Libanon." Wie König David den Uriah in den Tod geschickt und das' verführte Weib des unglücklichen Mannes ' heimgeführt hat, erzählt ihm der Prophet Nathan die Geschichte von dem Schäflein des armen Mannes. Als nach dem Zusammenbruch des jüdischen Staates die Verbannten in Babylon glaubten, sie büßten schuldlos für die Sünden der. vergangenen Geschlechter, da faßten' sie ihre Überzeugung von der Ungerechtigkeit der Weltgeschichte in die Klage zusammen, die Väter hätten sauere Trauben gegessen, und den Kindern würden die Zähne stumpf davon. Die Bäume, von der Zeder auf dem Libanon bis zum Ysop, der aus der Wand herauswächst, das Vieh und die Vögel, was auf der Erde kriecht, und 'die Fische im Meere: Alles wurde im Munde unserer Väter ein Symbol für das menschliche Leben, ein Gleichnis für sein Geschehen und eine Hülle für die Forderungen des göttlichen Gesetzes. In solchen Bildern dichtete das Volk seit den ältesten Zeiten, und immer sind auch, bis auf den heutigen Tag, diese Zeugnisse seiner Weisheit gesammelt worden. Die Bücher, die so entstanden sind, sind nicht, wie etwa die Reden von Jesaja oder Jeremia, das Werk eines einzigen Mannes, sondern die Schöpfung vieler namenloser, unbekannter Menschen und darum erst recht eine Urkunde des jüdischen Geistes und ein Spiegel seiner Seele. In der alten biblischen Zeit galten Könige als die Meister dieser schlagenden und kräftigen Bilder. Auf den weisen Salome wurden

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