Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Morgengang
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 141 - 142 (sequence 1)
- Language
- German
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141 Johannes Giskala: Zum zehnten Stiftimgstage des Vereins: Jüdische Lesehalle und Bibliothek. 142 Tagen 120—150 Personen dort Belehrung und .Anregung suchen. So ergab es sich bald, dass der steigenden Benutzung entsprechend auch die Hilfsmittel entwickelt werden mussten. Heute stehen dem Besucher 70 Zeitungen zur Verfügung, die in allen Sprachen die Kunde von unseren Stammesbrüdern, ihrem Schicksal und ihrer Kulturarbeit übermitteln. Die Bibliothek, die anfangs durch Schenkungen zufällig zusammengekommen war, ist allgemach den Bedürfnissen entsprechend geordnet und ausgebaut worden. Heute verfügt das Institut über einen Bücherbestand von 4736 Bänden, die unter besonderer Pflege der belletristischen Literatur doch alle Gebiete jüdischen Wissens umfassen. Kein toter Schaiz ist da angehäuft. Es wurden 1904 ausgeliehen 2469 Bücher, gegen 1494 im Vorjahre! Der Leserstamm setzt sich aus allen Klassen und Schichten der Berliner jüdischen Bevölkerung zusammen. 1903 gab es 192, 1904 schon 378 Abonnenten. Und diese Zahl ist in stetem Wachsen. Freilich konnten die Erfolge nur durch die aufopferndste Pflege des Vorstands erzielt werden. Man kann getrost sagen, es gibt wohl kaum eine jüdische Institution, die mit einem so lächerlichen kleinen Etat von ca. 3500 M. jährlich derartige Resultate zeitigt. In erster Reihe sind sie der Liebe der Herren Julius Isaac, Benas Levy und der Familie Adolf Ginsberg zu danken. Herr Benas Levy hat mit seltenem Geschick das Institut durch die Fährlichkeiten aller materiellen Nöte hindurchgesteuert. Er hatte in Herrn Adoll Ginsberg und nach dessen Tode in Herrn Dr. Max Ginsberg, dem jetzigen Vorsitzenden, treffliche Arbeitsgenossen. Nach dem Tode des Herrn Isaac hatte es Dr. Max Ginsberg als ein nobile officium betrachtet, die Leitung zu übernehmen. Seiner Initiative war es vorzugsweise zu danken, dass die Hauptfundamente für eine Sicherung des Gebäudes gelegt wurden, wie es ihm auch gelungen ist, den Bestand an Mitgliedern von 100 auf 170 Per¬ Ionen zu heben — leider immer noch eine gar keine Zahl für die grossen Aufgaben. Denn die Zeit hat es gelehrt, dass die „Jüdische Lesehalle und Bibliothektrotz der Begründung einer jüdischen Bibliothek durch die Gemeinde eine Notwendigkeit ist. Trägt diese einen spezifisch wissenschaftlichen Charakter, so wendet sich die jüdische Lesehalle an die breiten Massen der jüdischen Bevölkerung. Jahrelang waren die Verhandlungen wegen der Uebernahme des Instituts durch die Gemeinde gegangen. Besonders in den Zeiten materieller Schwierigkeiten hatte man sich, als die Verbandlungen immer wieder scheiterten, sogar mit dem Plane der Auflösung getragen, ohne dass sich der Vorstand schliesslich doch dazu verstehen konnte. Jeder Tag war ein Beweis des dringlichen Bedürfnisses nach einem solchen Institut. Auch heute sind die Schwierigkeiten noch nicht alle behoben, und es wird noch grosser Anstrengungen bedürfen, um die Lesehalle vor üllen Gefahren zu bewahren. „Aber unsere Hoffnung geht dahin" — wie es Herr Dr. Max Ginsberg in seinem trefflichen Referate ausgesprochen hat —, „dass in den weiteren Schichten der jüdischen Bevölkerung unserer Gemeinde das Verständnis für unser Werk Platz greifen, und dass man nicht mehr nur in platonischer Weise, sondern durch ernste Unterstützung an seinem Ausbau und seiner Entwickelung mitarbeiten wird, damit seine Wohltaten in immer grössere Kreise dringen. Endlich müssen wir dahin kommen, dass allgemein anerkannt wird, dass in erster Linie die Kenntnis des Judentums sowie seiner Geschichte und Literatur eine wahre Sicherheit gegen die andrängenden Feinde bedeutet, und dass der Drang zur Bildung, dieser Grundzug des jüdischen Elements, wieder zum Judentum gewandt wird. Zehn Jahre sind eine kurze Spanne Zeit in der Entwickelung unserer Gemeinschaft, aber wir glauben doch sagen zu dürfen, dass wir nicht beiseite standen, sondern ehrlich mitgewirkt haben, die zehn Jahre hindurch neue Stützen für unser altes, ewig junges Judentum in den Herzen seiner Getreuen zu schaffen." JMorgengang. freute im jungen jviorgenlicbt Sab ich so recht in euer Hngesicbt: fiter bat der alte fluch gesiegt 6ebt ein Hachen an mir vorbei, Und furchen in die Stirn gepflügt. Klingt's wir so angstgequält und scheu, Dort sitzt die Sorge, feist und breit, Bis hätten es die jüngste flacht Und dort die Shlavenbeiterkeit. f>eimlicbe Diebe ins Raus gebracht. Und alle, die vorübergebn, HUe — die ©rossen und Kleinen — JVlicb dünkt, sie fragen zu jeder frist, Ob man für sie ein Plätzchen wüsst Zum Weinen .... Brunn. Otto Hbelc*.