Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 129 - 130

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Entdeckung von Palästina
Date
1905-02-01
Page
Seite 129 - 130 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583934-2591572--04901-2591649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 hits for “Palästina” · 2 entity mentions

129 Martin Buber: Die Entdeckung Palästinas. 130 HERMANN STRUCK. NACH EINER ORIGINALRADIERUNG. Kreuzfahrerruinen in Kalansawe. Bilde zu formen, — zu einem Bilde, das alle ergreifen und bannen -würde. Zu einem Bilde. Es gibt noch einen geraderen, unmittelbareren Weg der Suggestion als das Wort. Dieser Weg ist das Bild im engeren Sinne: das Gemälde, die Zeichnuog, die Radierung. Die Maler haben bisher Palästina in der sogenannten orientalischen Manier gemalt, mit glühendem Farbenreichtum und unsäglicher Stimmungsarmut. Wir warten noch auf den Künstler, der uns ein jüdisch gesehenes Palästina geben wird. Und doch — ein Stück davon, einen Versuch, einen ersten Schritt hat uns die jüngste Zeit bescheert. Ich meine die Radierungen und Zeichnungen Hermann Strucks, die Adolf Friedemanns Buch „Reisebilder aus Palästina" (Verlag von 'Bruno Cassirer, Berlin 1904) begleiten. Ueber den Text zu sprechen, der instruktiv und gut geschrieben, von konkreter Sachlichkeit erfüllt und von einer starken'Gesinnung getragen ist, ist hier nicht der Ort. Ueber Strucks Blätter möchte ich aber ein paar Worte sagen. Wir kannten Hermann Strucks Werke. Vor allem seine Judenköpfe, malerisch und charakteristisch zugleich gesehen, grosszügigundunaufdringlich gegeben, ohne heftige Rassenzüge, sozusagen nicht unterstrichen, aber dennoch oder gerade darum unaussprechlich jüdisch wirkend, stilles jüdisches Leben im innersten Wesen offenbarend und zur Seele des Volkes führend. Und nun seine Palästina-Landschaften. Sie bringen uns zum erstenmal das wahre Land unseres Gefühls: ganz und gar weite sehnsuchtsvolle Stimmung. Die Technik spricht hier wohl auch mit, aber das Entscheidende ist eine echt jüdische Art zu sehen. Struck gibt uns in Wahrheit jüdische Erde, durch das Medium eines jüdischen Temperamentes gesehen. Man sehe sich diese seine Werke an, Blatt für Blatt. Da ist die einsame Palme bei Jaffa, still emporstrebend in heisser, verschwimmender Landschaft, klar und fest vor wolkenlosem Himmel. Da ist der Brunnen bei Jaffa, düster unter düsteren Z)rpressen. Da ist das legendäre Grabmal des Absalom seltsam und phantastisch. Da ist Raheis Grab, starr in Vorbau und Kuppel, eine versteinerte Klage. Da ist auch das junge Blühen der Kolonien. Welch eine warme aufsteigende Kraft ist darin! Da ist die Palmenallee in Rischon le Zion, da ist Ekron und da Wad el Chanin, da sind ein paar Häuser aus Petach Tikwa, ausdrucksvoll wie lebendige Wesen, und da ist, nur angedeutet, Sedjerah. So blättern wir in dem Buche und werden reicher an dieser neuen Art, unser Land zu sehen. Aber eine Radierung Strucks ist nicht in dem Buche: Jerusalem. Ich habe sie in seinem Atelier gesehen. Sie wirkt mit der Kraft eines Symbols. Ein weites Plateau mit zartem verschleiertem Ausblick auf die Stadt, nichts weiter. Aber wie scheu und heilig ist das gegeben! Es ist nicht Deutung, sondern unmittelbares Gefühl: das ist ein Jerusalem, das wartet. Dieses ist der Ort. unser Land zu schauen. EINE NEUE SPIN' Von Ber; Spinoza oder, wie nach den Urkunden sein Familienname eigentlich lautet, d'Espinoza sagt im »Theologisch-politischen Traktat": „Um so leichter werden wir jemandes Worte erklären können, je besser wir sein Wesen und seinen Geist kennen." Um aber in das Wesen und den Geist eines grossen. Mannes eindringen zu können, müssen wir notwendig sein Leben und seine Entwickelung kennen. Freudenthal hat daher gut daran getan, der Darstellung der DZA-BIOGRAPHIE. Lh. Münz. Lehre Spinozas die Darstellung seines Lebens vorauszuschicken.1) Er ist zu derselben wie kaum ein anderer berufeD, denn das in bezug aux den Dichter geprägte Wort: „Willst du den Dichter verstehen, musst du in Dichters Lande gehen" hat auch für den Philosophen volle Geltung. Die königliche Akademie der Wissen- *) Spinoza. Sein Leben und seine Lehre. Von J. Freudenthal. Erster Band: Das Leben Spinozas. 8°. Stuttgart, Fr. Frommanns Verlag, 1904.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.