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Ost und West · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. None

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Date
1905-02-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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*4 OsFfflesT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 2 Februar 1905 Y. Jahrg. „DAS JUDENTUM UND DAS WESEN DES CHRISTENTUMS." Von —M—G—. „Ueber Judentum und jüdische Religion hören wir sehr häufig Urteile von Christen, über Christentum und christliche Religion von Juden, und insbesondere von jüdischen Theologen sehr selten." Dieser Satz steht an der Spitze eines ausgezeichneten Buches, welches jüngst erschienen ist,1) und mit dessen ausserordentlich bedeutsamen und gediegenen Inhalt wir die weitesten Kreise des gebildeten Publikums bekannt machen möchten. Man könnte die oben angeführten Worte etwas ausdehnen, und es wäre leider keine Uebertreibung, wenn man hinzufügen würde, dass wir in den letzten Zeiten von jüdischen Gelehrten, und insbesondere von Theologen, nicht nur über Christentum und christliche Religion — was am Ende zu verschmerzen wäre —, sondern auch über Judentum und jüdische Religion sehr selten Urteile vernommen haben. Die jüdische Publizistik wurde von der unfruchtbaren und nutzlosen Polemik gegen den Antisemitismus in allen seinen Erscheinungsformen absorbiert, die Wissenschaft des Judentums zog sich immer mehr in die engen vier Ellen der Gelehrsamkeit zurück. Der zu einer gedeihlichen Entwickelung jeder Wissenschaft, wenn sie nicht zu einem abstrakten Formelkram erstarren soll, unumgänglich not- *) Rabb. Dr. Joseph Eschelbacher: „Das Judentum und das Wesen des Christentums. Vergleichende Studien." (Schriften der Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judentums.) Berlin 1905. M. Poppelauer. Nachdruck verboten. wendige Kontakt zwischen den Forschern und dem Publikum schwand immer mehr, und die Folge davon war, dass bei den Gelehrten die Empfindung für die geistigen und seelischen Bedürfnisse ihrer Zeit, das Verständnis für die treibenden Strömungen des Lebens und die Probleme, die*es aufwirft und die die lebendigen Menschen im tiefsten Innern beunruhigen, nahe daran war, verloren zu gehen. Die Gelehrten vergruben sich immer mehr in den Staub ihrer dämmerigen Gelehrtenstuben, verloren sich in unzählige Einzelheiten und übersahen darob die Beziehungen auf das Ganze. Immer mehr wurden sie einer vom Volke stolz sich abschliessenden Gelehrtenkaste ähnlich, die in der Abgeschiedenheit über die verworrenen Rätsel der Textvergleichung, der Entzifferung unleserlicher und belangloser Inschriften brütet und sich untereinander vermittels Hieroglyphen verständigt, die dem profanum vulgus ewig unzugänglich bleiben. Darum kam ihnen allmählich auch jene äussere Anmut und Eleganz der Darstellung abhanden, die nur aus dem regen Bedürfnis erwächst, sich, ohne seicht und oberflächlich zu werden, dem grossen Kreise der Gebildeten und Geschmackvollen verständlich zu machen. Die stolze und kernhafte Devise Zunzens: „Echte Wissenschaft ist taterzeugend", schien vergessen; vergessen, dass die Gelehrsamkeit nur das Material herbeischafft, aus dem die schöpferische Wissenschaft die Waffen zu schmieden hat, mit denen die

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