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Ost und West · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1922) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1922)
Date
1922-03-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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OSFjWfeST ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert L E 0 W I NZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft m März - April 1922 XX1L Jahrs;. DER WANDEL DES JÜDISCHEN FRAUENTYPS SEIT DER EMANZIPATION IN DEUTSCHLAND . Von Dr. Selma Stern. Die Forschung unternimmt es seit langem und mit immer leidenschaftlicherem Interesse, dem geheimnisvollen Rätsel der/Psyche eineSAVolkes nachzuspüren. Und wie sie es versucht, den Charakter eines Menschen aus seiner Abstammung, seiner Umgebung, seinem Berufe, aus der Summe seiner Lebenserfahrungen zu erklären, so versucht . sie nachzuweisen, wie Land und Himmel, Bodenbeschaffenheit und Klima, wirtschaftliche Verhältnisse und geschichtliche Schicksale, Sprache 'und Religion, Wissenschaft und Kunst die Seele eines Volkes schmieden, um sie hart oder verträumt, schönheitsdurstig oder asketisch,, schwermütig oder oberflächlich, herrisch oder unterwürfig zu machen. Wie ist es aber möglich, den Typ eines Volkes zu erfassen, das kein Land zu eigen hat, das seine Sprache nicht mehr spricht, dessen Geschichte keine Aktivität in ihm auslösen konnte? Kann sich da der Charakter erhalten haben, den es ursprünglich besaß oder hat es völlig die Eigenschaften der Völker angenommen, zwischen denen es nun wohnt? Oder haben die anderen Lebensbedingungen, das andere Klima, vor allem die Komponente zwischen seinem ursprünglichen Wesen und dem der umgebenden Nationen einen anderen, einen wertvolleren oder wertloseren Volkstypus geschaffen? Das sind Fragen, für die weder die Wissenschaft noch die Dichtung eine endgültige Antwort gefunden hat. Denn noch immer irrt der Jude ruhelos umher, noch immer ist er gezwungen, wie Proteus tausend Formen und tausend Gestalten anzunehmen, um den Gefahren seines langen •Wanderweges zu entgehen. Darum ist das, was wir unter jüdischem Typus verstehen, etwas so unendlich Widerspruchsvolles und Rätselhaftes. Darum konnte sich bei ihm nicht eine mon.- a r c.hi s che, die anderen.' sich ' unterwerfende Eigenschaft, ausbilden, wie. wir sie' bei dem1 russischen, dem englischen, dem. italienischen Volke 'bemerken.. Messias und Judas,;.. Prophet und Schwindlet", Dichter und Rechner, erdenferner Philösoph' und erdennaher Spekulant,;das alles ist der Jude und alles manchmal ein einziger Mensch. Wenn ich es dennoch unternehme, idem Wandel des jüdischen Frauentyps für. eine kurze Spanne Zeit nachzugehen, so geschieht, dies nicht, weil ich annehme, diese -Widersprüche, fänden sich nicht ebenso bei der Frau wie beim Manne. Im Gegenjteil! Die Frau, von Natur viel rezeptiver, viel empfänglicher für alle Strömungen und Änderungen der' Zeit als der Mann, . mußte noch' unsicherer, als er werden in ihrer ewig unsicheren, ewig wechselnden Lage. Aber gerade deshalb wird sie auch' um so reiner alle Wandlungen der jüdischen Seele wiederspiegeln, wie das Glas um so heller die Farben des Lichtes wiederstrahlt, je feiner es geschliffen ist.. Es sind sehr wenige Quellen über die jüdische Frau vor der Emanzipation vorhanden. Die Chroniken erzählen freilich , von, manchen Dichterinnen und Ärztinnen, von Märtyrerinnen und gelehrten Frauen. Aber das sind Ausnahmen, die gewaltige Ereignisse oder die wenigen lichtvollen Jahre der jüdischen Geschichte hervorbrachten. Im allgemeinen wird der jüdische Frauentypus wie der des Mannes in jenen Jahrhunderten sich gleich geblieben sein, da, die jüdische Masse, abgeschlossen; von der Außenwelt, von den Wirtsvölkern als Ausländer betrachtet, als Wucherer, Hausierer und Kleinhändler ihr Dasein fristete, bedrückt von der ungeheuren Summe der jährlichen Abgaben an die regierenden Fürsten, die Bischöfe, die Magisträte

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