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Ost und West · 1904-12-01 · Heft 12 (Dezember 1904) · p. Seite 841 - 842

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 12 (Dezember 1904)
Article
Zionistenstolz und Sehnsucht
Date
1904-12-01
Page
Seite 841 - 842 (sequence 3)
Language
German
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841 Dr. Edgar Alfred Regener: Zionistenstolz und Sehnsucht. 842* E. M. LILIEN. BERLIN. Mose. Glasfenster für die Loge Bnei Brith in Hamburg. (Aus: E. M Lilien. Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden Künste von Dr. Edg. Alf. Regener. F. A. Lattmann Verlag, Goslar. geblieben ist. Der Zionistenführer wirft die Frage aui, wer denn dieser Mauschel sei, und findet die Antwort im Folgenden: „Ein Typus, meine lieben Freunde, eine Gestalt, die in den Zeiten immer wiederkehrt, der fürchterliche Begleiter des Juden und vom Juden so unzertrennlich, dass man beide miteinander stets verwechselt hat. Der Jude ist ein Mensch wie andere, nicht besser, nicht schlechter, höchstens verschüchtert und verbittert durch die Verfolgungen und von einer grossen Standhaftigkeit im Leiden. Mauschel hingegen ist die Verzerrung des menschlichen Charakters, etwas unsagbar Niedriges und Widerwärtiges. Wo der Jude Schmerz oder Stolz empfindet, hat Mauschel nur elende Angst oder höhnisches Grinsen im Gesicht. In den harten Zeiten richtet sich der Jude auf, Mauschel dagegen verkrümmt sich nur noch schmählicher. Werden die Zeiten besser, so ist es für den Juden eine Mahnung zur Milde, zur Duldung anderer, zum Wirken für die allgemeine Wohlfahrt; Mauschel aber wird frech und hochmütig. Der Jude trägt in seinem vielgequälten Herzen eine unauslöschliche Sehnsucht nach der Erreichung höherer Stufen der Kultur; Mauschel betreibt hinter dem Fortschritt wie hinter der Reaktion nur seine eigenen schmutzigen Geschäfte. Der Jude erträgt die Armut mit Würde und Gottvertrauen, im Reichtum öffnet sich sein Herz weit für die Mühseligen und Beladenen, und er besteuert freiwillig sein Wohlergehen durch grosse Gaben. Mauschel ist in der Armut ein erbärmlicher Schnorrer, im Reichtum ein noch erbärmlicherer Protz. Der Jude liebt die Kunst und gelehrte Uebungen; diese waren oft und lange sein ganzer Trost in der Abgeschlossenheit, die ihm einefeindliche Gesellschaft aufzwang. Von Mauschel werden selbst Kunst und Wissenschaft um des gemeinen Vorteils willen betrieben. So konnte man in unserm Volke zu allen Zeiten sogar Kaufleute und Handwerker von tiefer, schamhaft verschwiegener Bildung sehen — in solchen Gestalten trat der Jude auf. Einmal hiess er Baruch Spinoza, schliff Brillen und betrachtete die Welt sub specie aeterni. Und so konnte und kann man hinwieder Rabbiner, Schriftsteller, Advokaten und; Aerzte sehen, die nur verschmitzte Gewinnsucher sind — in solchen Gestalten tritt Mauschel auf.. Der Jude ist fähig, der Regierung seines Landes aus Ueberzeugung starr und ehrlich Widerstand zu leisten, oder sich offen als ihr Anhänger zu bekennen. Mauschel verkriecht sich hinter den staatsfeindlichsten Oppositionen und hetzt diese heimlich, wenn ihm die herrschende Autorität nicht behagt, oder er flüchtet sich unter den- Polizeischutz und tut Angeberdienste, wenn ihm vor dem Umsturz bange wird. Darum hat der Jude den Mauschel immer verachtet — und dieser schilt ihn wieder einen Narren. Und diese beiden, die durch eine tiefste Feindschaft ihres Wesens allzeit geschieden waren, wurden stets miteinander verwechselt." So ist der Jude Zionist, der Mauschel Antizionist. Durch Erziehung und Umgebung war ich zu einem Judenhasser geworden, durch Erfahrung und Erfragung blieb ich ein Mauschel hasser. Ich verstehe jetzt sehr wohl die Worte Felix Dahns: „Wenn ich ein Jude wäre, so würde ich Zicnist sein", und ich kann aus historisch - sozialen Gründen der Forderung Zangwills: „Gebt dem> Volk ohne Land das Land ohne Volk", in Bewunderung vor diesem Manne, der in so selten prächtiger Schärfe das Trachten des heimatlosen Volkes in glatt geschliffenen, inhaltstiefen Wendungen ausspricht, von ganzem Herzen zustimmen. Ist es nicht etwas Wunderbares um diese Bewegung, um diesen Reichtum an Sinn und geistiger Lebendigkeit, um die man dieses Volk beneiden könnte! Noch Jahrtausende lebt der Gedanke an Zion mit der Frische des gestrigen Tages. Wie eine Rose von Jerichow, deren Säfte man eintrocknen lässt in verschrumpften Aesten, und die zur Blüte sich öffnet über Jahr und Tag bei neuer Pflege, so ist der Stolz Israels wieder erwacht. Endlich, endlich flackern von den Bergen die Feuer, die zu Millionen Geknechteter

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