Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Max Nordau [Illustration]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 837 - 838 (sequence 1)
- Language
- German
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837 838 E. M. l^ll^iJii\. PORTRAIT. Max Norddu. (Aus: E. M. Lilien. Ein Beitrag zur Gesch. der zeichnenden Künste von Dr. Edg. Alt. Regener. — F. A. Lattmann Verlag, Goslar. ZIONISTENSTOLZ UND SEHNSUCHT. Von Dr. Edgar Alfred Regener.1) Höre, Israel! Wie oft schon klang durch die Kuppel der Nacht Dein „Beschanah Habah", und wie oft trug es der Gesang durch die Räume Deiner Synagogen! Deine Sohlen brannte der Sand, als die Peitsche über Deinen Rücken klatschte und der Ruf der Aegypter Dich zur Arbeit antrieb. Deine Schultern hoben Steine, Dein Nacken beugte sich unter der Wucht behauener Balken, Deine Hand führte die Kelle zu Mörtel und Lehm. Fremde Augen blitzten über -die Glieder Deiner Jungfrauen und fremde Finger liebkosten das nächtliche Schwarz ihrer Haare. Die Lenden Deiner Männer wurden hart und die Zähne pressten sich fest aufeinander, als es galt, unwürdiger Knechtschaft zu entfliehen. Jehovahs Priester erstand in Israel, und die Feuersäule des Herrn ging den Wanderern voran. Da schlugen die Herzen in Erwartung, das gelobte Land lag in den Blicken der Hoffnung. Gross waren die Taten Deiner Väter. Mit Schwert und Speer setzten sie die Grenzpfähle des Landes und schirmten den Ring der Brüder. Die Spaten warfen die Schollen auf, und die Pflugschar zerriss die Kruste der Erde. Aus dem Korn wuchs der Halm zu reifender Aehre, auf den Palmen und Oelbäumen drängte sich Frucht an Frucht. Das war ein Land, da Milch und Honig floss. Könige trugen Kronen, Schlachten wurden x) Aus: E. M. Lilien. Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden Künste von Dr. Edgar Alfred Regener. F. A. Lattmann Verlag, Goslar. geschlagen, Siege gefeiert in trunkener Lust und schäumendem Jubel. Dein Volk war gross, Israel, — und ging zugrunde . . . Die Herzlichkeit Zions verblasste. Der Starke erdrückte den Schwachen, nahm ihm Wohnsitz und Heimat und trieb ihn hinaus in das schmerzliche Dunkel der Zukunft. Ohne Haus und Dach, seinen Gott im Herzen und das Gedenken seines Volkes, zog er die Riemen seiner Sandalen fest und verliess die Stätte seines Glückes, ohne noch einmal die Schönheit seines Landes zu grüssen. Die gewaltigsten Leiden, die je ein Volk erduldet, brechen über den Juden herein. Er bittet um Gaben, — man zuckt die Achseln; er fasst flehend den Saum des Gewandes, — man wendet sich ab; er fasst die Zügel der Stiere, den Acker zu furchen, — man reisst sie ihm aus der Hand und stösst ihn zu Boden; er will die Sprache der Fremde sprechen, — man verlacht ihn. Wie ein von der Pest Getroffener wird ei gemieden und der Hauch seines Atems verflucht. Aber er trägt in den Taschen seiner Gewänder leuchtendes Metall und klingende Münze. Von allem ausgeschlossen, wird ihm dies seine liebste Beschäftigung. Da braucht sein Peiniger und Verfolger Geld, da wird der Jude unentbehrlich, da erringt er bedingte Achtung und bestimmte Vorteile, da findet er Macht, seinen Geist zu pflegen und im Stillen an Idealen zu schaffen und zu arbeiten, die seinem Volke gelten. Und wieder trifft ihn der Fluch der Gewalt und Willkür, und wieder ist er der Fremde, auf den der Hass und die Feindschaft fällt. Man treibt