Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 11 (November 1904)
- Article
- Dr. Heinrich Jaulus [Illustration]
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 773 - 774 (sequence 1)
- Language
- German
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773 Briefe aus dem Breslauer Seminar von 1856 bis 1861 von Joseph Perles. 774 Dr. Heinrich]7Jaulus Oberrabbiner in Aachen, geb. 1847, im Seminar 1868—75. Leo Fränckel Herzogl. Landrabbiner in Meiningen, geb. 1867, im Seminar 1887—91.] Dr. Salomon Goldschmidt 'Rabbiner in Colberg, geb. 1838, im Seminar 1854. Dr. Martin Littmann Rabbiner in Zürich, £?eb. 1864, im Seminar 1883—92. Volk wirkt, meinen Brüdern nützlich zu sein. Die Erziehung des der Schule entwachsenen Stammes geht jetzt mehr vom Katheder als von der Kanzel aus. Ich meinerseits würde, wie dies in Deutschland so allgemein geschieht, wissenschaftliche Fragen popularisieren, einer so empfänglichen Gemeinde wie Baja ist, die Geschichte des Judentums und seiner Literatur oder sonstige Gegenstände in populären, selbst den Frauen und Mädchen verständlichen, Vorträgen vorführen. Ich würde einen Leseverein ins Leben rufen usw. Freilich müsste derjenige, von dem dies ausgeht, auf der Höhe der Bildung stehen und sich sein Publikum erziehen. Jetzt ist meines Wissens leider kein einziger in Baja vorhanden, der dieser Aufgabe gewachsen wäre; einen Plan zur Errichtung eines Lesevereins gedenke ich Dir und überhaupt der Jugend nächstens bei grösserer Sammlung vorzulegen. Ueber den Gang meiner Studien darf man bei uns beruhigt sein. Dass meine ganze wissenschaftliche Bildung sich bloss um die Wissenschaft des Judentums als Mittelpunkt ansetzt, wird man ersehen aus einer Arbeit,2) mit deren Abfassung ich in den letzten Monaten beschäftigt und an deren Vollendung ich durch die Trauerbotschaft verhindert wurde. Ich schrieb meinem seligen Vater kein Wörtchen von dieser Arbeit, mit welcher ich ihm eine Ueberraschung zu bereiten hoffte. Diese fast den Umfang eines kleinen Buches einnehmende Schrift, die volle Anerkennung stimmberechtigter Gelehrten, wie Frankel usw., hervorgerufen hat, wird meinen lieben Bajaern in nächster Zukunft auf die eine oder die andere Weise zukommen .... Breslau, den 22. Juni 1858. Teuerster Freund! Trotz aller Beschäftigungen kann ich mir das Vergnügen nicht versagen, Dein Wertes vom 6. d. M. zu beantworten. Deine Ermahnungen in betreff der Pflege meiner Gesundheit zeugen von der Zärtlichkeit und Besorgtheit des 2) Ueber den Geist des Kommentars des R. Moses ben Nachman zum Pentateuch und über sein Verhältnis zum Pentateuch- Kommentar Rascbis. Gekrönte Preisschrift des Breslauer Seminars, erschienen in der Frankeischen Monatsschrift 1858 p. 81—97, 113—116, 117—136, 145—159. Prof. Dr. Alexander Kisch Rabbiner in Prae:, geb. 1848, im Seminar 1865-1873. Freundes, doch hast Du den Grund natürlich in dem Naheliegendsten, in der Ueberbürdung gesucht, könnte es nicht noch andere Dinge geben, die weit schwerer auf mir lasten als das Studium? Doch will ich Dich, wenigstens für jetzt, nicht damit behelligen. Mit grossem Bedauern habe ich den Tod Deiner seligen Schwester erfahren; ich nehme den wärmsten Anteil an Deinem und der Deinigen Schmerze. Ich mache Dir und meinen Freunden hiermit die Anzeige, dass ich an dem verflossenen Sonnabend meine zweite Predigt in unserem homiletischen Vereine hielt. Der Erfolg übertraf bei allen beiden meine Erwartungen, und obzwar ich dieselben weniger für die Gemeinde als für mein höchstgebildetes Auditorium berechnete, so werde ich dennoch bei vorkommender Zeiterübrigung dieselbe kopieren und Euch überschicken. Du fragtest mich in einem Deiner letzten Briete, welche Rezensionen in der Frankeischen Zeitschrift mich zum Verfasser haben? Alle, welche mit einem griechischen p (n) unterzeichnet sind; eine solche wird jetzt wieder im Junihefte erscheinen über das Werk des Franzosen Abbe Leguest. Im Vertrauen sage ich Dir auch, dass in der Zeitschrift „Briefe aus Ungarn* erscheinen werden, die mich zum Verfasser haben. Den Auszug aus meiner Preisarbeit, der im März- und Aprilheft erschienen ist und mir die Anerkennung der bedeutendsten Gelehrten zugezogen hat, haben gewiss ausser Dir auch andere meiner Freunde gelesen. Herr Ignatz Kohn besitzt die Zeitschrift und stellt sie gewiss jedermann gern zur Verfügung. Ich bin jetzt mit den Vorarbeiten zumeinerDissertationsschrift und meinem Doktorexamen vollauf beschäftigt. Ich gedenke dasselbe am Ende des kommenden Winters mit göttlicher Hilfe zu machen und werde mich mit Dir über dasselbe aus gewissen Gründen später näher besprechen. Die Zeitschrift „Ben Chananja" habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen, den „Jeschurun" pflege ich zuweilen zu lesen . . . Breslau, 18. Oktober 1861. Du nimmst es mir gewiss nicht übel, dass ich erst so spät und in wenigen Worten auf Deine jüngste freundliche Zuschrift antworte. Ich bin jetzt zwischen