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Ost und West · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 731 - 732

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Ein Freudenfest der jüdischen Wissenschaft
Date
1904-11-01
Page
Seite 731 - 732 (sequence 2)
Language
German
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731 Ein Freudenfest der jüdischen Wissenschaft. 732 Stätten in Deutschland, Ungarn, Oesterreich, Frankreicn, England, Italien und Amerika entstanden, und vielfach sind es auch Zöglinge des Breslauer Seminars, die an diesen Anstalten wirken. Aber auch ausserhalb der theologischen Bannmeile erstreckte sich die befruchtende Wirksamkeit des Seminars. Mehrere seiner Zöglinge wirken als Professoren' der Philosophie, der Naturwissenschaft oder der klassischen Philologie an verschiedenen Universitäten, andere sind in praktischen Berufszweigen tätig, aber alle bewahren sie ihrer einstigen Nährmutter ein pietätvolles, ehrendes Andenken und eine treue Anhänglichkeit. Die weiteste jüdische Oeffentlichkeit wird es gewiss mit Interesse begrüssen, dass einige dieser hervorragenden Männer sich hier vereinigt haben, um dem Breslauer Jüdisch-theologischen Seminar eine Huldigung darzubringen. Weiter unten finden die Leser die Bildnisse der ehemaligen und der derzeitigen Dozenten des Seminars, wie auch die der Mitglieder des Festkomitees. Wir behalten uns vor, bei anderer Gelegenheit die Bildnisse anderer ehemaliger Zöglinge des Seminars zu veröffentlichen. DAS JÜDISCH-THEOLOGISCHE SEMINAR ZU BRESLAU. Von Dr. Ludwig Levy (Breslau). Nachdruck verboten. Als die Worte „Freiheit, Gleichheit und Brüderaber einseitige Art des Talmudstudiums hatte ihre alte lichkeit", getragen vom Sturmwind der französischen Anziehungskraft verloren, die Meister starben hin, die Revolution, die Mauern des Ghetto ins Wanken brachten, Jünger blieben aus, et le combat cessa faute de comda wurden auch die Wände der Talmudschulen mächtig erschüttert. Die tiefe Sehnsucht nach der lange verbotenen Speise moderner Bildung riss die Jugend fort, die Luft der Freiheit berauschte sie, das Licht der Aufklärung blendete die nur ans Dunkel des Mittelalters gewöhnten Augen. Aber selbst die Besonnenen wandten sich vielfach von den alten, staubigen Folianten ab, sie sahen überall nur Rückständigkeit, ihr Blick reichte nicht so weit, um neben vielem Antiquierten auch die grossen Kulturwerte wahrzunehmen, deren sich das Judentum auch in der neuen Kulturwelt, die sich ihm erschloss, nicht zu schämen brauchte. Immer mehr Schulen verfielen, die scharfsinnige, Kgl. Kommerzienrat Jonas Fränckel Begründer des Jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, geb. 19.10. 1773, gest. 27. 1.1846. battants. Was sollte werden, wenn der trostlose Verfall fortschritt? Sollte dasjüdischeWissen nach tausendjährigem Schaffen und Ringen in die Verflachung der Autklärungsperiode einmünden? Wohl waren einige Männer mit glänzendem Erfolg an die Ausführung des kühnen Planes gegangen, die Arbeitsmethode der modernen Wissenschaft auf die ererbten Geistesschätze zu übertragen, um mit kritischem Blick und historischem Verständnis Ordnung in das Chaos zubringen und „das jüdischeWissen zur jüdischen Wissenschaft emporzuentwickeln". Aber es waren nur einzelne, es fehlte die Konzentration, eine Anstalt, die, als Vertreterin jüdischer Gelehrsamkeit an*

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