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Ost und West · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. Seite 675 - 676

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Musik [Illustration]
Date
1904-10-01
Page
Seite 675 - 676 (sequence 1)
Language
German
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675 676 ELIAH, DER Eine Studie zur jüdischen Volksi IL Eine andere Sage, deren Inhalt hier kurz wiedergegeben sei, erzählt folgendes: Als der Rabbi alt wurde, beschloss er, nach dem Heiligen Lande zu ziehen, um dort den Rest seiner Tage zu verbringen. Er überdachte nun sein ganzes Leben und worin er je Gott oder den Menschen gegenüber gefehlt hatte, und tat Busse für alle seine Verfehlungen und Sünden. Als er sich hinreichend gerüstet wähnte, trat er die Reise an. Einige Zeit ging alles gut von statten, aber plötzlich erhob sich ein Sturm auf dem Meere und warf das Schiff nach einer entlegenen, unbewohnten Insel. Doch der Rabbi fand gastliche Aufnahme in der Hütte eines Fischers, der ihn den Sabbat über bewirtete. Wie erstaunt war nun der Gast, als am Sonntag morgen der Wirt vor ihn mit gezücktem Messer hintrat und ihn aufforderte, seine Sünden zu bekennen und seine Rechnung mit dem Himmel zu machen, da er auf der Stelle sterben müsse. Kein Bitten, kein Weinen half. Voll Todesangst und gebrochenen Herzens machte der Rabbi sich an die Arbeit, der Mann mit dem Messer stand über ihm, und als jener fertig war, sagte er: „Nein, Du hast noch eine Sünde, besinne Dich!*'' Jener sann i; Siehe „Ost und West" Heft 7. PROPHET. md Sagenkunde. Von Bar-Ami. 1^ Nachdruck verboten. und sann, aber vergebens. Schliesslich sagte der Mann mit dem Messer: „Weisst Du noch, in Deinen jungen Jahren hattest Du einen jungen Diener, der stahl einmal Dein ganzes "Vermögen, viel Gold und Silber und Edelsteine. Du aber, ein Rabbiner, ein gelehrter und gottesfürchtiger Mann, anstatt ihn durch gütliche Zurede zur Busse zu ermahnen, übergabst ihn den Gerichten, und die verurteilten ihn zum Tode. Da überkam Dich allerdings die Reue, und Du verwendetest Dich für ihn und bewirktest, dass man das Todesurteil aufhob, aber man schnitt ihm die Ohren ab, und so war sein ganzes Leben verdorben/' Als der Rabbi das vernahm, fing er an bitterlich zu weinen und sich auf die Brust zu schlagen und bat, man möchte ihn nur noch solange am Leben lassen, bis er den Unglücklichen aufgesucht und sein Unrecht gutgemacht hätte. Da stand der andere plötzlich umgewandelt vor ihm. Er war Eliah, der Prophet, und er sprach: „Die Todesangst, die Du ausgestanden, war die Sühne für Deine grosse Sünde. Jener, den Du ins Verderben gestossen, ist längst tot; aber Du musst hinreisen, um in Gegenwart von zehn Männern auf seinem Grabe ihm Abbitte zu leisten. Erst dann wirst Du rein den Boden des Heiligen Landes betreten

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