Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1904)
- Article
- Die Menorah
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 521 - 522 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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521 Theodor Herzl: Die Alenorah. 522 Theodor Herzl mit den Vertretern der Kaukasischen Bergjuden auf dem letzten Zionisten-Kongress: Matwiej Bogatyrew und Solomon Marduchajew. bunden, sondern schuf wieder aus Natürlichem heraus, unbekümmert um andere Deutungen, die ja darum auch ihr Recht behalten mochten. Er war auf lebensvolle Schönheit aus. Doch wenn er auch in die erstarrten Formen eine neue Bewegung brachte, hielt er sich dennoch an ihr Gesetz, an den vornehm alten Stil ihrer Anordnung. Es war ein Baum mitschlankenAesten, deren Enden wie Kelche sich erschlossen, und in diesen Blütenkelchen sollten die Lichter stecken. Unter so gedankenvoller Beschäftigung verstrich die Woche. Es kam der achte Tag, an dem die ganze Reihe brennt, auch der treue neunte, der Diener, der sonst nur zum Anzünden der übrigen da ist. Eine grosse Helligkeit strömte Rabbiner-T)rpen aus dem letzten Zionisten- Ivongress. von der Menorah aus. Die Augen der Kinder glänzten. Unserem Manne aber wurde das Ganze zu einem Gleichnis für die Entflammung der Nation. Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel, und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Dann findet er einen Gefährten, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muss weichen. Bei den Jungen und Armen leuchtet es zuerst auf, dann schliessen sich die andern an, die das Recht, die Wahrheit, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muss man staunen und sich freuen über das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht.