Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Theodor Herzl
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 501 - 502 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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501 Theodor Herzl. 502 Schrift, in welcher er seinen Traum noch in vagen Umrissen zu gestalten versuchte, ohne zu wissen, dass das Ideal, für welches er noch keine klare Formulierung gefunden, bereits Hunderttausende von Anhängern zählte. Doch nie zuvor war es, in so satte Farben getaucht, auf ein so weithin sichtbares Panier gehoben worden. Lauter Jubel, aber auch Hohn und Spott und schallender oder knirschender Protest tönten dem „Pariser Feuilleto nisten" entgegen, der dem einen als Verkünder, dem anderen als verwegener Ruhestörer oder als unbesonnener Utopist erschien. Aber der „Pariser Feuilletonist" entpuppte sich als eine hervorragende Persönlichkeit von bedeutender Kraft, die, unbeirrt vom Hohn und unbekümmert um die Proteste, mit erstaunlicher Energie auf ihr Ziel lossteuerte, die leise sich regende Stimmen aus der Zerstreuung zu einem einzigen, mächtig lauthallenden Chorus zu vereinen verstand. Herzl entfaltete eine merkwürdige Organisationsgabe, er stellte in den Dienst seiner Idee seine ganze ungebrochene Kraft, einen heissen Glauben, einen rastlosen Willen, hingebungsvolle, nimmermüde Arbeit. Mochten ihn die anderen einen Utopisten, einen Träumer schelten und über das THEODOR HERZL V'r. Misslingen seiner Versuche frohlocken, — er, er sah sein Ideal lebendig vor Augen, und er diente ihm treu und redlich, mit lauterem, selbstlosem Herzen und reinen Händen. Er schaute das Land seiner Hoffnung, das er nicht betreten durfte, und ihn hat dicht vor dessen Pforten der Tod niedergemäht. Wie ein Märchen mutet uns der letzte Abschnitt seines Lebens an, > wie ein Märchen voller Poesie, durch das tragische Ende nur noch verklärt. Ein Glücklicher, denn ihn wird sein Werk überleben. Das Volk aber wird ihm den höchsten Lohn gewähren, den es zu vergeben hat, es wird einen Kranz von duftigen Liedern und Märchen um diese früh verblichene Stirn winden. Auf seinem jungen Grabe werden die nimmer welkenden Blumen der Sehnsucht und der Erinnerung blühen. Das Volk wird ihn in den Sagenhimmel versetzen, in den es seine Helden und Märtyrer eingehen lässt. Und dieser Lohn wird ein gerechter Lohn sein. Denn was immer auch das fernere Schicksal seines Werkes sein möge — unvertilgbar bleibt in der Geschichte seine Persönlichkeit stehen, das Bild eines treuen, hingebungsvollen, selbstlosen Ar-