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Ost und West · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. Seite 431 - 432

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Article
Die jüdisch-deutsche Sprache offiziell anerkannt [Kommentar]
Date
1904-06-01
Page
Seite 431 - 432 (sequence 1)
Language
German
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432 REVUE DER PRESSE. Die jüdisch=deutsche Sprache offiziell anerkannt. Die Nachricht kommt jetzt aus Südafrika. Der Attorney- General der Kapkolonie, T. L. Graham, hat seine Bereitwilligkeit ausgedrückt, „eine Erklärung im Judendeutsch, wie eine in einer andern europäischen Sprache anzunehmen**. Es ist bereits ein Dolmetscher für das Judendeutsch angestellt. Hiermit ist eins der erschwerendsten Kindernisse jüdischer Einwanderung im britischen Südafrika gefallen. Und Südafrika ist ein gutes Feld für Einwanderer, die arbeiten wollen und — können. Die äusserst richtigen südafrikanischen Zionisten dürften somit Verstärkung zu erwarten haben. Jüd Rundsch. No. 19. * # Die Juden sind sehr erbaut von der gesinnungstüchtigen Vertretung ihrer Interessen durch die Freisinnigen und meinen, wer weiss was für einen Rückhalt an ihnen zu haben. So begrüssten sie auch freudig den Beschluss des Turntages, er sich auf seiten der freisinnigen österreichischen Turner stellte und den Arierparagraphen ablehnte. Nun haben die südösterreichischen Vereine schon jetzt gezeigt, dass sie keineswegs sich an den Berliner Beschluss zu kehren gedenken. Vor vier Tagen fand in Graz eine von 98 Vertretern aus Steiermark, Kärnten, Krain und dem Küstenland besuchter Gautag des südösterreichischen Turngaues statt. Es wurde einstimmig eine Resolution beschlossen, in der es unter anderem heisst: „Der Gautag des südösterreichischen Turngaues erklärt den Beschluss des Berliner Turntages für einen Bruch des Grundgesetzes der deutschen Turnerschaft und für einen schweren Eingriff in die gesetzlich gewährleisteten Kreisrechte. Er verurteilt die gehässige und einseitige Haltung des Vorsitzenden Dr. Götz auf das entschiedenste und erklärt aus völkischen Gründen den Aus tri t des fünfzehnten Turnkreises (Deutsch-Oesterreich) aus der deutschen Turnerschaft und den Zusammenschluss desselben zu einem stammesreinen turnerischen Verband für unbedingt geboten." Jüd. Rundsch No. 20. # Die Niederlage der Antisemiten bei den Gemeindewahlen in Paris war eine so vollständige, dass selbst die „Libre Parole", welche sonst den Mund so voll zu nehmen pflegte, diesmal den Rückgang des Antisemitismus in Frankreich trauernd zugibt. Nicht nur haben die Nationalisten in Paris 10 Sitze verloren, sie mussten es sogar erleben, dass an ihrer Stelle vielfach — Juden gewählt wurden. So ist in Paris selbst Mr. Fribourg, ein sozialistischer Republikaner, mit grosser Majorität gewählt worden. Ebenso zahlreiche Juden in Algier ... In manchen französischen Gerneinden sind Juden sogar zu Bürgermeistern gewählt worden. So Mr. Guggenhein' in Chaumont und Leon Dreyfus in Lourches. Letzterer, ein Schwiegersohn des vor kurzem verstorbenen Generals See, wurde gewählt, trotzdem die Bergbaugesellschaft von Lourches, deren Verwaltungsrat aus lauter Jesuiten besteht, mit. aller Macht gegen ihn gekämpft hat. In Algier haben die Republikaner fast überall triumphiert. In der Hauptstadt selbst hat „der schöne Max" (Regis) eine schwere Niederlage erlitten. Von den Juden wurden gewählt: In Batna, Guelma, Hamma und Khenchela je einer, in M'Sila und Tebes je 2 und in Setif 3. In Konstantine sind die Antisemiten so tief gesunken, dass sie bei den Juden um Stimmen betteln mussten. Sie versprachen ihnen goldene Berge, schmeichelten ihnen und bettelten so lange, bis diese sich betören liessen und ihre ehemaligen Schlächter selber wählten. Der verflossene Deputierte Morinaud besuchte sogar den Purimball der rein jüdischen „Union Scolaire", feierte mit den Juden die Niederlage Hamans, während seine Frau mit den „jüdischen Jünglingen" bis zur Erschöpfung tanzen durfte. Durch solche und ähnliche Kniffe gelang es, die Juden soweit „rumzukriegen", dass 150 von ihnen direkt für die Morinaudsche Liste stimmten, während 180 sich der Stimmenabgabe enthielten. Auch in Oran ist es den Antisemiten infolge der unglaublichen Nachlässigkeit ihrer Gegner gelungen, sich noch einmal in das Stadthaus einzuschleichen. Am Wahltage fanden Unruhen statt, in deren Verlauf ein Jude ermordet wurde. Wie sehr der Antisemitismus in Frankreich auf den Hund gekommen ist, beweist die Tatsache, dass nur wenige Antisemiten es bei den jüngsten Wahlen gewagt haben, sich offen und unumwunden als solche zu bekennen. Judenfeindliche Plakate kamen selten zum Vorschein, und die Dreyfusaffäre scheint für die Judenfresser nicht mehr zu existieren. Oester. Woche No. 21. Auf dem II. Internationalen Philosophischen Kongress, der im September 1904 in Genf stattfindet, wird Hamburg durch den Philosophen A. Levy vertreten sein. Der durch seine ..Philosophie der Form" bekannte Hamburger Gelehrte wird über das Thema „Kant und die Gottesbeweise44 sprechen. Abönnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50 (Luxusausgabe Mark 7,—), für das Ausland Mark 4,— Luxusausgabe Mark 8,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte a 35 Kop. _____. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch a1le Postämter des Deutschen____ . . Reiches unter No. 5785 a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. ' --- Anseigen 50 Pfennig die viergespaltene Petiizeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stellen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: LEO WINZ, Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. Verlag von S. Calvary Sc Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Garleb, Berlin W. 35.

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