Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Glück und Schicksal, Leben und Tod in jüdischen Sprichworten
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 387 - 388 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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387 388 GLÜCK UND SCHICKSAL, LEBEN UND TOD IN JUDISCHEN SPRICHWORTEN. Von Binjamin Segel. Gott ist ein Vater, das Glück ist ein Stiefvater, Besser ein Quintchen Glück, als ein Pfund * * Gold. (Variante: . . als ein Zentner Verstand.) * Quintchen minimales Gewicht. Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt; vom * * Unglück zum Glück — ein weiter Weg. * * * Ist das Masal einem fehl, dann ist sein Dukat * nicht gehl. Glücklich der König, dem das Glück im Masal (heb.) Glück, Glückstern. Gehl späten Alter begegnet. (mhd.: gel) gelb. Sinn: Wenn das Glück * * einem nicht hold ist, gilt selbst sein Gold nicht * als vollwertig. Besser das Glück sucht mich, als ich suche * * das Glück. . . * * Wem ein Schlimmmasel beschert ist, dem * kommt es ins Haus (ungeraten). Besucht dich das Glück, so reich ihm einen Schlimmmasel: (hybride Wortbildung) cj^hj schlimmes Masal, Unglück. Sinn: Lad' es zum Verweilen ein, da es bald enteilt. * * * * * Wer ertrunken werden soll, der ertrinkt auch hc in einem Löffel Wasser. ifc ifs Das Glück lässt nicht lange mit sich spielen. * * * * Auch nah' beim Ufer kann man ertrinken. Je später das Fest beginnt, desto länger * * dauert's. * * Der grösste Schwimmer ertrinkt schliesslich, * der grösste Kletterer bricht schliesslich das Genick. ❖ 5fc Je mehr geharrt, desto mehr genarrt. * * * * Glücklich ist nicht, wer hat was er begehrt, Gut ist's zu hoffen, aber schlecht ist's zu sondern wer nicht begehrt, was er nicht hat harren. (haben kann). * * ' # * :f: * Nicht alle Pferde haben gleiches Glück. Was du nicht kannst erlangen, möchtest du * * nimmer verlangen. * * * Nicht alle Pürim trifft sich ein Wunder. * (Thalmudish.) Kann man nicht hinüber, muss man hinunter. * * * * * * Zum Unglück selber muss man Glück haben. Macht sich's nicht, wie ich will, muss ich * * wollen, wie sich's macht. * * * Zum Glück braucht man keinen Verstand, * aber zum Verstand braucht man Glück. ' Kann ich nicht, wie ich will, so sitz ich * * lieber still.