Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Letzte Begegnung [Illustration]
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 373 - 374 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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373 374 MAX FABIAN. LETZTE BEGEGNUNG (1898). MAX FABIAN. Von Georg Es fällt mir hier das zweite Mal zu, über einen Werdenden zu schreiben, von dem wir jedes Jahr neue und neuartige Blüten erhoffen können. Ich kenne sein Werk gut, habe es durch Jahre verfolgt und weiss, dass dieser Maler seinen eigenen Weg gehen wird, als ein ehrlicher, vernünftiger Arbeiter, kein Faiseur, kein Blender — sondern als einer, der es mit sich und seiner Kunst blutig ernst nimmt. Er ist keine strahlende Persönlichkeit, kein hohes Ingenium, aber er hat seine ganz bestimmte eigene Note, sein festumzogenes Ich und geht mit der Sicherheit und Bestimmtheit eines Passgängers seine Strasse, regiert von gesunder Selbstkritik, erfüllt vom Streben, das zu geben, was in ihm liegt. Das sind nicht so ganz einfache Dinge, denn nur die wenigsten empfinden sich selbst als Einzelwesen, wissen, dass sie eben nur einmal in einem einzigen Exemplar auf dieser Welt herumlaufen, und dass auf dem Urgrund ihres Wesens etwas ruht, das kein anderer hat, und das nur ihnen erb- und eigentümlich ist. Der Kreis, aus dem ein jeder von uns kommt, seine Welt, alles darin ist noch unerschlossen, ist Neuland; die tausend Zwischenstufen der heutigen Kultur haben noch keinen Ausdruck gefunden. Hermann. Ich kenne die Art ganz gut, der Fabian zuzurechnen ist. Wenn ich eine literarische Parallele ziehen will, so will ich Georg Hirschfeld zu ihnen rechnen, oder noch einen, der mir sogar näher steht. Es sind die Leute, die aus einfachen jüdischen Verhältnissen kommen — nicht gar so einfachen, aber schlicht bürgerlichen —, die in Berlin aufgewachsen sind, ja vielleicht durch mehrere Generationen Berliner Traditionen haben, und die zu Berlin selbst, seinem bürgerlichen Leben, innige Beziehungen erhalten. Es sind keine Tatmenschen, aber auch keine Träumer, die sich nicht zu einer Konzentration aufraffen könnten. Sie haben nichts Zwingendes, sind aber von einer stillen, feinen Poesie, mit einem leichten, aber nicht ungesunden und weichlichen Einschlag von Sentimentalilät. Sie sind wundervoll ehrlich, geradezu peinigend ehrlich. Eigentlich haben sie nicht sehr viel Kultur, müssen heiss und schwer mit der Kunst ringen, aber dafür hüllen sich auch ihre Werke in den Zauber von Bekenntnissen. Wo sollen sie wohl auch die künstlerische Kultur her haben? Sie leben in einer heute recht kulturlosen Stadt, deren künstlerisches Gold noch meist brach und ungemünzt ist —• sie kommen nicht