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Ost und West · 1904-06-01 · Heft 6 (Juni 1904) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 6 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten und Schriftstellern von LEO WINZ. Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 6 Juni 1904 IV. Jahrg. ZUR NEUESTEN RELIGIONSGESCHICHTLICHEN LITERATUR Von Dr. Felix Perles. Einer der vornehmsten Vertreter der vergleichenden Religionswissenschaft, Prof. Theodor Achelis in Bremen, hat soeben ein bedeutsames Bekenntnis abgelegt, das verdient, hier festgehalten zu werden1): „Wie selten wird die jüdische Religion, das Alte Testament, ganz unbefangen von uns betrachtet, wie voreilig finden wir uns meist mit dem eigentlichen Gehalt des Buddhismus ab oder des Islam! Die Priorität, der Vorzug des Christentums ist uns von vornherein eine ausgemachte Tatsache, ohne dass wir imstande wären, den Beweis dafür auch nur annähernd anzutreten." Dieses offene Bekenntnis redet Bände und sticht vorteilhaft ab von der unter dem Banne aller geschichtlichen Vorurteile stehenden und dabei mit vornehm überlegener Miene auftretenden „liberalen" Theologie. Es trifft sich merkwürdig, dass gerade zur gleichen Zeit auch noch zwei andere Ankläger dieser pseudowissenschaftlichen Richtung aus dem freien Bremen ihren Streitruf erschallen lassen, Albert Kalthofl und Friedr. Steudel, und fast scheint es, als ob das freie Wort, von allen Stätten der Wissenschaft verbannt, sich genötigt gesehen hätte, in zwei Bremer Pastorenhäusern seine letzte Zuflucht zu suchen. Würde es sich bei dem Auftreten dieser beiden mutigen Kämpfer der Wahrheit nur um einen rein dogmatischen, gewisse Punkte der christlichen Lehre betreffenden Meinungsstreit handeln, so hätten wir, abgesehen von der rein menschlichen Teilnahme und Bewunderung für ihren Freimut, J) Abriss der vergleichenden Religionswissenschaft. Leipzig (Göschen) 1904, S. 119. keinerlei Veranlassung, uns hier mit ihren Schriften abzugeben, und schon der blosse Takt müsste uns verbieten, irgendwie Stellung dazu zu nehmen. Doch der Hauptstreitpunkt liegt auf dem Gebiet der jüdischen Geschichte, und der Kampf wird darum auch von beiden teilweise mit Waffen geführt, die aus dem Arsenal der jüdischen Wissenschaft geholt sind. Vor etwa l1/2 Jahren erschien bei Diederichs in Leipzig eine kleine, aber hochbedeutsame Schrift von Kalthoff „Das Christusproblem, Grundlinien zu einer Sozialtheologie", in welcher der Verfasser die schon früher von verschiedenen Gelehrten mit verschiedenen Gründen vertretene Ansicht wiederaufnahm, dass Jesus überhaupt keine geschichtliche Persönlichkeit sei. Kalthoff suchte dort diese auch von der „liberalen" Theologie ingrimmig bekämpfte Ansicht von neuen Gesichtspunkten aus zu begründen und kam zu dem Resultate, dass die Evangelien in Rom verfasste und römische Zustände spiegelnde, zurückdatierte Schriften der jungen messianischen Gemeinden seien, die ihre eigenen Leiden und Verfolgungen im erdichteten Lebensbilde eines einzelnen Märtyrers dargestellt hätten, dass demnach „das Christentum als eine bestimmte Kulturerscheinung und Entwickelungsform des gesellschaftlichen Lebens, nicht als das Werk eines individuellen Religionsstifters betrachtet, der Ursprung und das Wesen des Christentums also nicht in einem von der rationalistischen Theologie an den Anfang des Christentums gestellten „historischen Jesus" gesucht werden dürfe." Die meisterhafte Darstellung, der Gedankenreichtum und nicht zuletzt der das Ganze durchziehende

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