Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Jüdischer Greis [Illustration]
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 89 - 90 (sequence 1)
- Language
- German
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89 90' m LAZAR ROSEXBERG. JÜDISCHER GREIS. LAZAR RC Von Julius Unter den russisch-jüdischen Künstle:n ist die Vorliebe für das jüdische Motiv zweifellos am stärksten. Wir finden sie auch bei den deutsch-jüdischen besonders stark, die in den östlichen Provinzen geboren sind. Je weiter nach Westen die Geburtsstätte der deutsch-jüdischen Künstler liegt, desto weniger Beziehung unterhalten sie zu den, sei es religiösen, sei es nationalen Gebräuchen und Empfindungen ihrer Genossen. Gelegentliche Ausnahmen bestätigen nur diese Regel, die ihre natürliche Erklärung in den Verhältnissen hat. Je weiter nach Osten man geht, um so mehr prägt sich das Judentum aus, völlig entsprechend dem darauf wirkenden Drucke. Wenn vorausgeschickt wird, dass Lazar ROsenberg in Russland geboren ist, so ist damit also schon kurz angedeutet, d »ss dieser Maler eine spezifisch jüdische Note anschlägt. Rosenberg stammt aus dem Gouvernement Suwalki und steht heute inmitten der Dreissiger. Seine erste Ausbildung erhielt er auf'der Akademie zu Königsberg unter Steffeck. Wohlhabende Glaubensgenossen, vor allem Kommerzienrat Feinberg, ermöglichten ihm das Levin, Paris. Studium. Von Königsberg ging er Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts nach Berlin auf die Königliche Akademie, wo er bt sonders den Unterricht des verstorl enen Max Michael genoss. Der zu früh heimgegangene, edle Bendix Lewy hat besondeie Verdienste um unseren Künstler, die Gattin des verehrten Verstorbenen hat heute die Freude, den Schützling ihres Mannes und ihren eigenen auf dem besten Wege zur Berühmtheit zu sehen Rosenberg erhielt auf besonderes Betreiben Michaels den Reichenheimschen Preis und dann den Grossen Preis der Akademie, für den er die wunder bare heilige Familie von Rembrandt, in der Kasseler Galerie befindlich, für die Sammlung der Anstalt kopierte. Er nahm die Kasseler Zeit wahr, sich mit dem grossen Amsterdamer Meister oründlicher zu beschäftigen, und so ist es denn auch Rembrandt, von dem Rosenberg zunächst technisch das meiste gelernt hat. DerEinüuss Rembrandts erstreckte sich aber weiter. Die abgründige Tiefe der Empfindung, die sich dem schauernd bewundernden Blick auftut, wenn man irgend eines seiner bedeutenderen Werke betrachtet,