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Ost und West · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Date
1904-02-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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*4 TJsx^m&ß ST. ^7 ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR MODERNES JUDENTUM. Herausgegeben unter Mitwirkung von Künstlern, Gelehrten von LEO WINZ. und Schriftstellern Bezugs- und Insertions-Bedingungen auf der letzten Textseite. Alle Rechte vorbehalten. Heft 2 Februar 1904 IV. Jahrg. DAS WESTJÜDISCHE KULTURPROBLEM. Von Mathias Ach er, Wien. Der Hauptirrtum der westlichen „Nationaljuden" besteht darin, dass sie allen Ernstes glauben, durch die Verbreitung bestimmter politischer Ansichten oder gar Parteigrundsätze den jüdischen Westen dem Judentum zurückzuerobern. Sie verwechseln Volkstum mit Bekenntnis zu einem nationalen Programm, Seele mit Formel, Leben mit Lehre. Sie begreifen nicht, dass ein Wort ihre innere Struktur nicht geändert haben kann, dass sie, die „ Assimilanten" von gestern nicht heute schon anders geworden sein können, weil sie sich einen anderen Namen beilegten. Nicht auf den Namen kommt es an, sondern auf den Inhalt. Ein „xAssimilant", der wirksames jüdisches Wesen in sich hat, ist nationaler als ein „Nationaljude", der dieses Wesens enträt. Dies ist schon Achad haam autgefallen. Vor allem gibt es eine Art von Assimilation, die mit dem intensivsten nationalen Leben vereinbar ist, ja ihm unter Umständen sogar förderlich sein kann. Ich meine jene, die nicht Anpassung an eine fremde nationale Individualität, sondern an eine internationale, in unserem Falle die moderne europäische Zivilisation bedeutet. Wohl wirken in dieser Zivilisation ausser den eigentlich zivilisatorischen, aus der ökonomischen Entwicklung fliessenden Elementen auch noch die Beiträge aus den einzelnen Kulturen der verschiedenen Nationen mit. Aber diese nationalen Elemente, einschliesslich der aus dem Judentum selbst stammenden, sind bereits derart ihres nationalen Charakters entkleidet, bereits so stark untereinander und mit den internationalen Beetandteilen verschmolzen, dass sie eine national ablenkende Wirkung gewiss nicht ausüben. Dafür liefert ja das Ostjudentum, welches den Weg der europäischen Zivilisation betreten hat, ohne seine nationale Kultur aufzugeben, den besten Beweis. Was aber die eigentliche, die nationale Assimilation betrifft, so möchte ich vor allem feststellen, dass es mir fern liegt, sie von einem moralischen Standpunkt zu beurteilen. Ich tue dies schon gegenüber der „Assimilation" als Programm nicht Die Auffassung der „Assimilanten" als Volksverräter scheint mir beiläufig soviel Sinn zu haben wie der „Nationaljuden" als „Nichtpatrioten". Die Moral einer Ueberzeugung ist im letzten Grunde subjektiv, wenigstens gruppensubjektiv. Die „assimilatorische" ebenso wie die „nationaljüdische" Gesinnung ist moralisch oder unmoralisch, je nachdem sie von den Einzelnen oder Gruppen ehrlich und ernstlich gemeint wird oder nicht, und je nachdem die Ueberzeugungen dieser Einzelnen oder Gruppen aus sittlich einwandsfreien Weltanschauungsganzen hervorgehen oder nicht. Als Tatsache aber darf die Assimilation erst recht nicht einem moralischen Werturteil unter-

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