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Ost und West · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 71 - 72

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Litterarisches
Date
1904-01-01
Page
Seite 71 - 72 (sequence 2)
Language
German
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71 X. Y. Z.: Die Rückkehr aus Jerusalem. 72 von F. Oppenheimer, S. Soskin, O. Warburg. Dieses Organ erscheint an Stelle der von Dr. Nossig herausgegebenen Zeitschrift „Palästina", die von nun ab ihr Erscheinen einstellt. * Hören wir doch einige Aussprüche unserer Weisen! R. Akiba lehrte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, ohne Unterschied der Rasse und des Bekenntnisses, das ist Hauptgebot und Grundlehre der Thora", Ben Asai fügte hinzu: „Auf dem ersten Blatte der Thora lesen wir das Stammregister des Menschengeschlechtes. Dieses enthält bereits eine viel nachdrücklichere Aufforderung an die Nationen, sich als Brüder zu behandeln, als Zweige und Aeste eines Familienbaumes zu betrachten". Und dieser R. Akiba war durch und durch national gesinnt, begeistert für die Selbständigkeit seines Volkes, ein Helfer und Berater im letzten Unabhängigkeitskriege gegen Rom, und doch war die reine Gottesidee mächtiger in ihm als das Stammesbewusstsein, verkündeten seine national begeisterten Lippen die Lehre der edelsten Humanität! Wo sind die n^tiörialen Helden anderer Rassen, die mitten im Freiheitskampfe auf ihre Fahne die semitischen Worte R. Akibas hinschreiben? (Adolf Jellinek.) REVUE DER PRESSE. Die „Oesterreichische Wochenschrift" brachte jüngst eine Statistik der Judentaufen in Wien, die höchst merkwürdig ist und eine tieftraurige Perspektive eröffnet. Danach haben im Jahre 1901 — von diesem Jahre liegen die letzten Daten vor — nicht weniger als 551 Personen in der schönen Donaustadt der jüdischen Gemeinschaft den Rücken gekehrt. Dabei ist die Zahl der Abfälle ständig im Wachsen begriffen. Noch 1897 betrug sie um 100 weniger. Alan könnte auf den ersten Blick geneigt sein, dieses bedrohliche Sj'mptom auf das starke Anschwellen der antisemitischen Bewegung zurückzuführen, die immer mehr die öffentlichen Gewalten beherrscht und immer mehr Juden in abhängiger Stellung zur Taufe drängt. Dem ist aber lange nicht so. Gewiss ist hier der antisemitische Druck ein sehr bedeutsamer Faktor, allein die diesem Druck am unmittelbarsten ausgesetzten Kreise, nämlich die Beamten in öffentlichen Diensten, stellen lange nicht das Hauptkontingent der Abtrünnigen. Aus den Beamtenkreisen aller Kategorien — Militär mit einbegriffen — rekrutierten sich nämlich im ganzen 31 Personen, also etwa der siebzehnte Teil der Totalsumme. Dagegen lieferten die „freien Berufsarten", also die Klasse der Intelligenz, die von keinerlei öffentlicher Gewalt unmittelbar abhängt und die keineswegs gezwungen ist, vor drückender Not zur Taufe ihre Zuflucht zu nehmen — allein 84 Täuflinge, also nahezu den sechsten Teil des Ganzen. Noch auffälliger ist der Anteil der Handels- und Gewerbekreise am Abfall. Diese Klasse, die keinerlei Druck von oben ausgesetzt ist, und der die Taufe im übrigen nicht den gelingsten Nutzen bringt, lieferte nicht weniger als 241 Täuflinge, also nicht viel weniger als die Hälfte der Gesamtzahl. Angesichts dieser Tatsache erscheint es beinahe tröstlich, dass „nur" 51 Studenten und Schüler die Taufe genommen haben. Stark beteiligt ist das weibliche Geschlecht am Renegatentum: die Zahl der getauften Frauen beträgt nämlich 238. Nicht weniger als 71 Mädchen unter 30 Jahren haben, offenbar um Christen zu heiraten, sich taufen lassen. Das gefährlichste Alter scheint zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahre zu liegen, in diesen Lebensabschnitt fallen nämlich 415 Taufen. Den besten Beweis, dass nicht der von der herrschenden christlich-sozialen Partei ausgeübte ökonomische Druck es ist, dem alle diese Apostaten gewichen sind, liefert die Tatsache, dass unter den 551 aus dem Judentum ausgetretenen Personen 114, also mehr als der fünfte Teil, sich konfessionslos erklärt haben, obgleich ein Konfessionsloser im Staate Luegers womöglich noch weniger Hoffnung auf eine Kariere haben kann, als ein Jude. Es scheint in Wien eine starke, verhängnisvolle zentrifugale Strömung zu heirschen. Man will um keinen Preis Jude bleiben, auch wenn der Austritt aus dem Judentum keine Vorteile bringt, von keinem unerträglichen Druck befreit. Dabei umfasst die obengenannte Zahl noch lange nicht alle wirklichen Austritte, man muss noch die den Eltern folgenden Kinder unter sieben Jahren, wie auch die Fälle, wo ungetaufte Eltern ihre neugeborenen Kinder taufen lassen, hinzurechnen. Das würde zusammen eine gar erschreckende Ziffer ergeben. Es scheint mächtig faul im Staate Dänemark zu sein. Der Bazillus der Zersetzung hat offenbar im Stillen dort eine erschrecklich verheerende Tätigkeit entfaltet. Und dabei wird das Seelenheil der Wiener jüdischen Gemeinde von einem Heer von Rabbinern, Predigern und Religionslehrern überwacht! . . . Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50 (Luxusausgabe Mark 7,—), für das Ausland Mark 4,— Luxusausgabe Mark 8,—). für Russland ganzjährlich 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. ____^ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch alle Postämter des Deutschen ___^_ _ _ Reiches unter No. 57S5a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. """"""" *"~ Anzeigen 50 Pfennig die viergespaltene Petitseile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. [Stellen-Gesuche und 'Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: LEO WINZ, Berlin NW. 23, Altonaerstr. 36. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin, Altonaerstr. 36. — Verlag von S. Calvary & Co., Berlin NW. 7. Druck von Pass & Gar leb, Berlin W. 3."j.

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