Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 4 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Synagogale Kunst
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 51 - 52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2583918-2583920-2589670--03590-2589738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
51 B. Samuel: Synagogale Kirnst. 52 Das Motiv des Oelbaumes wiederholt sich auch in einem silbernen Leuchterpaar für das Vorbeterpult, von dem hier das eine Stück wiedergegeben ist (Fig. V). Figur VI und VII stellt eine Thorakrone nebst Schild und Weiser dar. Der Mittelteil der Krone, in sechs Felder geteilt, illustriert in Reliefarbeit den Segen Jakobs, während der obere Teil ein mit Türkisen besetztes Netzwerk enthält; die Bekrönung bildet ein „Mögen David", der von allenSeiten die Sternform zeigt. Der Schild illustriert sinnig den Traum des Propheten Zacharias. Ein weiterer ThoraschildnebstGlocke (Fig. VIII und IX) bringt den Baum des Lebens {„DieThora ist ein Baum des Lebens") zur Anschauung. Eigenartig und geschmackvoll ist die silberne Sederschüssel (Fig. X), deren Vorderansicht mit ihrem dekorativen . Schmuck hier sichtbar ist, während von hinten ein blauseidener Vorhang Eingang in das Innere gewährt, wo drei übereinander angeordnete Glasscheiben zur Aufnahme i^**'^^^ der drei Mazzct dienen. Oben der durchbrochene Fries zeigt vergoldete Strohgarben und Wagen mit Lehmziegeln beladen, das kleine Portal, das die Inschrift „Pessach" enthält, klingt leicht an den ägyptischen Stil an. Ein Lamm, Mazzot und Bitterkräuter veranschaulichen die Ostersymbole. In Fig. XI sehen wir die silberne Sammelbüchse des Frankfurter Vereins „Lemaan Zijjon"; x der dekorative Schmuck zeigt einen von oben herabfallenden Goldregen, der sich in einem Getreidesegen verwandelt. Schon diese wenigen Arbeiten zeugen von einer frischen Erfindungsgabe, einer fruchtbaren Phantasie und inniger Vertrautheit mit derVorstellungs- und Gefühlswelt des Judentums, aus denen der Künstler für sein Schaffen reiche Nahrung schöpft. Horovitz besitzt eine tüchtige Schulung — er hat in Frankfurt a.M., Parisund München studiert, — die Verein mit seiner ^^-^Slisi^^ \ ' >&*C^r£5wtf V-:^«\ " -% VA ^^§1P y - 2* <V LEO HOROVITZ. FIG. III. CHANUKA- LEUCHTER. (Zum Artikel „Synagogale Kunst".) im Begabung schönsten berechtigt. zu den Hoffnungen DIE GESTALTEN DER BIBEL Von Dr. Auf allen Wegen blühet tiefe Schönheit, und stille hält sie, wenn die Sehnsucht vorüberzieht. Und Sehnsucht und Schönheit erkennen einander mit heimlichem Willkommen, ein andächtiges Schweigen hüllt sie ein, und schweigend wandern sie den Weg, auf dem man Gott begegnet. Und dann legt sich ein tiefes, friedsames Staunen auf unsere Seele. Wir sehen eine Welt und Wunder, schöner, als die Sehnsucht sie erträumt; und wir erkennen, dafs diese Welt unsere Heimat ist. So geht es uns bei der Natur, bei dem Leben mit seiner Weihe, bei dem Menschen mit seiner Tiefe, und so geht es uns bei der Bibel. Als die Sehnsucht kam, da öffnete die Seele heimliche Pforten, Pforten, aus denen uns Ewigkeit anweht. Da h-tten sie um uns gelagert, diese stille Welt und ihre tiefen Wunder, und unser geharrt mit freundlichem Lichte; IN DER BILDENDEN KUNST r. Kutlia. (Nachdruck verboten.) und doch sind wir erstaunt, dass wir sie gefunden. So seilen hatten wir sie gesehen, dass wir die vertraute Welt nicht mehr erkennen, die der flüchtige Alltag um uns baut, wenn wir bei jener geweilt. Und nun da wir von ihr kommen, wundern wir uns, dafs wir ihr je ferne gewesen. Es ist uns, als hätten wir gedarbt bis nun, um zu verschmachten als Bettler vor der eigenen Tür, vor der Tür unserer königlichen Wohnung. Doch waren wir der Bibel nie wirklich ferne. So wenig wir uns des bewusst waren, sie war uns Erbe und Besitz. Darum allein fanden wir den Weg zu ihr, als ginge es in die Heimat. Auf vielen Wegen strömte ihr Geist auf uns ein; durch Belehrung und Ueberlieferung, in Kirche und Haus drang sie ein und beeinflusste Leben und Denken, belebte Sprache, Sitte und Kunst. Seit Jahrhunderten wirbt