Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Die Jahreswende
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 647 - 648 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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647 04S N\\v^",,"* '"""inrffi w MITTEILUNGEN m aus dem Deutschen Bureau der nta nr oTiy BERLIN,N 24-. Alliance Jsraelite Universelle ^K-ier bD Oranienourgersrn4?43 DIE JAHRESWENDE. Ein neues Jahr hat begonnen. Wir begrüssen bei der Jahreswende die Mitglieder der A. I. U. mit herzlichem Glückwunsch. Unsere Deutsche Conferenz-Gemeinschaft, die alles in sich begreift, was in Deutschland zur Alliance Israeiite Universelle gehört, die mit aufrechtem Patriotismus das aufrecht stolze Bekenntnis zum Judentum vereint, hat nach ihrer Neugestaltung das erste Jahr abgeschlossen. Dieses erste Jahr ist ein Jahr harter Arbeit gewesen, und die Arbeit ist noch nicht beendet. Während langer Beschaulichkeit blieb unser Acker ungepflügt. Frischer Betätigungswille, der nicht bei Worten stehen bleibt, wird ihn neu bestellen. Starker Gerneindrang regt sich — der Gemeindrang, der gauz Israel zum Ausgangspunkt und zum Gegenstande hat. Unsere Freund^ im Reich, vierzehntausend und darüber, haben uns freudig zugestimmt, tausende haben daraufhin sich neu angeschlossen. Ihnen allen Dank! Ein Jahr der Trauer ist das vergangene Jahr gewesen. Schweres Verhängnis ist über viele unserer Glauben^brüder gekommen. Das Unglück hat unser Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt, und wir dürfen sagen: wir haben es betätigt — mit offener Hand, mit teilnehmendem Herzen, in andauernder Hilfsarbeit, von der kein geringer Teil sich in der Stille vollzog. Das war nicht mehr als unsere Schuldigkeit. Wir weiden dieser Schuldigkeit auch in Zukunft gerecht werden mit aller Kraft, die uns gegeben ist. Doch damit diese Kraft nicht erlahme, damit nicht Entmutigung unsere Reihen lichte, damit unsere Anstrengung nicht des Ansporns entbehre, der in der Hoffnung aut Erfolg liegt, wollen wir am heutigen Tag unseren Blick nicht rückwärts wenden auf blutige Vorgänge voller Gräuel, sondern vorwärts auf eine lichtere Zukunft, an deren Herbeiführung mitzuwirken unsern Stolz ausmachen soll. Schmerzen lindern — Wunden heilen — für bessere Tage bauen — das ist unsere Aufgabe. Dass diese gedeihe, mit unserer Glaubensbrüder Hilfe und zu unserer Glaubensbrüder Heil, das ist der Gruss, den wir der gesamten Judenheit entbieten. Berlin, im Tischri 5668. Das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israeiite Universelle.