Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Hugo Reinhold
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 611 - 612 (sequence 2)
- Language
- German
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611 HUGO REINHOLD GIPSBUESTE 1S98. Frau Dr. Edmund Meyer. Künstler . . . Und während der Ethiker Reinhold nach Veredlung der Menschheit strebte, zauberte dem Aesthetiker Reinhold die Kunst ihre schönsten Gebilde vor. Max Kruse war sein erster Lehrer und 1888 trat Hugo Reinhold, der damals 35 Jahre zählte, als simpler Schüler in die Akademie der Künste ein, der er bald zur Zierde gereichen sollte. Schon seine ersten Plastiken erweckten starke Hoffnungen. Er zeigte Empfindung und Temperament, zeigte Phantasie und vor allem die Gabe der lebensvollen Darstellung. Wer die niedliche Gipsgruppe „Kinder um ein Vögel chen trauernd44 — die Gruppe ist 1892 entstanden — betrachtet, rnuss sich sagen, dass hier der Bildhauer dem Ton Leben eingehaucht, ein feines Moment des Lebens ernst und graziös gestaltet hat. Das war nicht die Arbeit eines Anfängers, sondern ein wirkliches Kunstwerk. Und ein Jahr darauf kommt Hugo Reinhold mit einer neuen Schöpfung, die seinen Namen zwei Jahre später weiteren Kreisen bekannt machen soll. 1895 nämlich hat er diese Plastik — „Affe einen Schädel betrachtend" — in der Grossen Berliner Kunstausstellung sehen lassen und durfte stolz darauf sein, dass sein kleines Werk besonders auffiel und lebhaft besprochen wurde. Der Schimpanse, der hier auf einem Stoss von Büchern hockt und in der rechten Hand einen Totenschädel hält, während die linke das Kinn umfasst, ist ein entzückendes Kerlchen. Dieser halb gelehrte, halb verschmitzte Zug im Kopfe ist prächtigherausgemeisselt, das Sujet an sich von nicht geringem Effekte. Dieser Erfolg gab dem Bildhauer natürlich neue Kraft, ermunterte ihn zu neuen Arbeiten. So schuf er in kurzer Zeit seinen „Jeremias", seine Gruppe „Lesende 612 Mönche", seine Gruppe „Am Wege4'. Der „Jeremias" ist leider nur Skizze geblieben. Die „Lesenden Mönche" indes sind in Bronze, die Gruppe „Am Wege" (1894) in Marmor ausgeführt worden. Und das sind Plastiken von hohem künstlerischen Werte. Namentlich in den „Lesenden Mönchen" und in der Gruppe „Am Wege", die man mit Recht als das Hauptwerk des Künstlers bezeichnet, weist sich Reinhold als ein Meister der Modellierungskunst. Hier wie dort zeichnet er Menschen mit wunderbar feinen Linien, hier wie dort rollt er Charaktere vor uns auf. „Am Wege'4 freilich ist noch feiner, noch menschlicher gezeichnet. "Und man begreift, dass die Nationalgallerie sich dieses Werk nicht entgehen liess und ihm einen Ehrenplatz eingeräumt hat. Ueber dem Ganzen liegt eine visionäre Stimmung. Wie das junge schöne WeiD mit seinem Kind auf dem Arm aut der Stufe der Mariensäule sitzt, die Augenlider gesenkt, allen Mutterschmerz, alles Leid des Lebens vergessend, nur ihren Zukunftsträumen horchend und das Glück des Kindleins erflehend, das ist mit einer solchen Wärme, solchen dichterischenEmpfindung geschaffen, dass man des Werkes immer wieder gedenkt .... „Am Wege" bedeutet die Höhe der Künstlerschaft Reinholds. Aber auch die folgenden Werke zeigen ihn als reifen Künstler und reihen sich würdig dem Hauptwerke an. „Das Dynamit im Dienste der Kultur", eine Bronzegruppe, die im Nobelhof zu Hamburg steht — Reinhold hat sich (1896) an der Konkurrenz um das Nobel-Denkmal beteiligt — ist in Idee und Ausführung von wirkungsvoller Wucht und auch die Bronze-Figur eines verbitterten, streikenden, drohenden Arbeiters im HUGO REINHOLD MARMORBUESTE 1899. Geh. Medizinalrat Prof. Bernhard Frankel. Adolph Donath, Berlin: Hugo Reinhold.