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Ost und West · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1907) · p. Seite 597 - 598

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1907)
Article
Trauerrede an der Bahre Theodor Oschinskys
Date
1907-08-01
Page
Seite 597 - 598 (sequence 2)
Language
German
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5J7 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Trauerrede an der Bahre Theodor Oschinskys. 598 und Synagogenkommission, und hat an allem, was in den letzten Jahrzehnten zur Fördemag und Hebung der Armenunterstützung, unseres Schulwesens und unseres Gottesdienstes sowie zur Verschönerung unseres Gotteshauses geschehen, hervorragend mitgewirkt. Er war im Vorstande unserer Chebra-Kaddischa und einer der tüchtigsten und fleissigsteu Arbeiter in der weitverzweigten Verwaltung dieses segensreichen Vereins, die in grossem Stile die Krankenpflege, die Altersversorgung und das Beerdigungswesen umfasst. Unser vielwerühmtes Krankenhaus verdankt den kostbaren Neubau den reichen Mitteln wesentlich mit, die er persönlich durch Anregung und Sammlung herbeigeschafft hat. Er war der Wächter und Hüter der religiösen und traditionellen Einrichtungen in unserem Altersheim und Krankenhaus und auch ein eifriges und verdienstvolles Mitglied im Vorstande der israelitischen Volksküche. Er war Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Verbandes für die Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder. Diesem edlen Werke der Fürsorge für die unglücklichsten aller Unglücklichen, der ohne ihre Schuld verlassenen und verwahrlosten Kinder hat sein gutes Herz sich mit besonderer Liebe zugewandt. Die Errichtung eines notwendig gewordenen Heims für unsere Zöglinge war das Ideal, dem er in den letzten Jahren zustrebte, und womit sich auch seine letzten Gedanken noch kurz vor seinem Tode beschäftigten. Er war auch noch in vielen anderen Ehrenämtern tätig, war überall pünktlich in der Sitzung, tüchtig im Amte und fleissig in der Arbeit. Aber wie viel Gutes und wie vielen Segen hat dieser wunderbare Mann auch noch an Taten persönlicher Nächstenliebe vollführt! Wer hat alljährlich in der rauhen Zeit des Winters die armen Kinder bekleidet und ihnen am Chanukka ein schönes Weihefest bereitet? Theodor Oschinsky mit seiner Sammlung und durch die Beihilfe guter Menschen, die er zur Mitarbeit gewonnen. Wer hat das alte Werk unserer frommen und ehrwürdigen Wollstein und Struck s. And. fortgesetzt, durch Sammlungen zweimal im Jahre zu den Festeszeiten für die verschämten Armen zu sorgen und Festesfreude in die Hütte der Armut zu tra°en? Theodor Oschinski in Verbindung mit einem würdigen Freunde. Auf wen blickte man zuerst, und an wen wandte man sich zumeist, wenn man grösserer Mittel bedurfte zur Aufrichtung heruntergekommener Existenzen und zur Ausstattung vonBräuten? An Theodor Oschinsky. Ja, Theodor Oschinsky war für uns ein kostbarer Besitz, und darum ist uns auch sein Tod ein überaus schwerer Verlust. Aus dem tiefen Innern erhebt sich der Wunsch: htnwi TOT mos. — Möge es seinesgleichen in Israel viele geben! Aber weit über den Kreis unserer Stadt hinaus verbreitet sich die Trauer über den Verlust dieses ausgezeichneten Mannes. Auch die Alliance Israelite Universelle betrachtet sich als Leidtragende an dieser Bahre. Der Mann mit dem warmen Fühlen für die Not der Armen und Unglücklichen und der tatkräftigen Liebe für die allgemeinen Interessen unserer Gesamtheit war der richtige Mann für die Alliance, war ein begeisterter Anhänger dieses grossen Bruderbundes und seiner erhabenen Idee, alle Israeliten zu vereinen, um den unterdrückten und verfolgten Glaubensgenossen hilfreich beizustehen und sie zugleich geistig und moralisch zu heben durch Errichtung von Schulen und Verbreitung von Kultur in den Ländern ihres Elends und ihrer Armut. Er hat in ihrem treuen Dienste viel geleistet und viele Erfolge erzielt. Er hat durch Gründung von Lokalkomitees nicht nur in Breslau, sondern in ganz Schlesien und darüber hinaus der Alliance ein weites Gebiet und zahlreiche Anhänger erworben. Er war es auch, der als Träger ihrer Idee und als Vertreter des Oentralcomitees den grossen Wanderzügen der aus Kussland und Rumänien vertriebenen Glaubensgenossen, die in Scharen ihren Weg durch Schlesien nahmen. Beistand leistete und der auch lür ihre Verpflegung sorgte, er als der Leiter im Vereine mit würdigen Gefährten, die sich ihm zu dem guten Liebeswerke angeschlossen haben. Unvergessen bleiben ihm auch die Reisen nach Oberschlesien und Galizien und die Anstrengungen, denen er sich zur Ordnung der Züge unterzogen hat. Im Namen des Central- Comites, dessen Mitglied er gewesen, und im Namen der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft, in deren Vorstand er sass, zolle ich ihm den Tribut des tiefsten Dankes und der unwandelbarem Liebe und Verehrung. In das Buch des Gedächtnisses dieses hehren Bundes wird neben den vielen grossen und edlen Israeliten, die ihm ihre reiche Intelligeuz und Kraft geweiht haben, auch sein Name für immer eingeschrieben sein als Tobija, als ein Mann voll Gottesgüte. Von ihm gilt das Wort des Propheten: „Und die Einsichtsvollen werden glänzen wie der Glanz des Himmels und die Wohltaten für viele üben und viele zum Wohltun anregen, wie die Sterne immer und ewig." Geehrte Leidtragende! Verzeihet, wenn icli hinter das, was er uns allen gewesen, zurücktreten Hess, was er euch gewesen. Was er uns allen gewesen, ein Mann von Güte, Liebe und Treue, das ist er ja auch euch gewesen, nur in noch weit höherem Masse. War er doch der gütigste, zärtlichste und liebevollste Gatte und Vater! Seine Ehe mit seiner würdigen und innig geliebten Gattin hat die ideale Grundlage eiuer reinen und tiefen Herzensneigung, auf der sie erstanden, niemals verändert. Und es ist nicht zuviel, wenn ich sage, dass die Harmonie und Eintracht dieser ausgezeichneten Ehe nie durch einen Misston oder ein Missverständnis getrübt wurde. Und was für ein gütiger und 1 reusorgender Vater war er seinen Kindern, seinen Söhnen, Töchtern, Schwiegerkindern und Enkelkindern! Er war beglückt ob dem Frieden und dem religiösen Geist, der in den Familien seiner verheirateten Kinder waltet, und dass es ihm vergönnt gewesen, auch seinen jüngsten Sohn am Ziele seiner Studien zu sehen. Und wie hat er

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