Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Article
- Das Unterstützungswerk der Alliance in Casablanca
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 567- 568 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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567 568 NNW .....*' ""ifffffi Vv MITTEILUNGEN aus dem Deutschen Bureau der nra nr qtn BERUM,M. 2^. Alliance Jsraelite Univeiselle bmvr!» Oramenburgersrn4?43 DAS UNTERSTUETZUNGSWERK DER ALLIANCE IN CASABLANCA. iSpezialbericht für die A. I. U. von I?. Pisa). Nachdruck verboten. Casablaiica, 13. August 1907. Ich habe die Ehre. Ihnen mitzuteilen, daß ich heute in Casablanca angekommen bin, um mich mit der Lage unserer Glaubensgenossen zu beschäftigen. Da es unmöglich ist, hier in der Stadt Lebensmittel zu finden, so habe ich an Nahrungsmitteln mitgebracht : 1500 kg Brot, 20 Sack gemahlene Gerste, 25 Sack Reis, 25 Sack Kartoffeln, 15 Sack Bohnen, 2 Sack Salz, 1 kleine Tonne Öl, 10 Sack Zucker, 1 keine Tonne Rum, 1 Packen Tee. Außerdem habe ich eine kleine Apotheke mitgebracht, namentlich Chinin, Rizinusöl, Calomel und Sublimat. In Tanger habe ich vergeblich zwei Tage lang auf die Abfahrt eines Schiffes gewartet. Mitteilungen, die wir aus Casablanca bekamen, versicherten, daß die Israeliten dort Hungers stürben. Ich habe deshalb in Übereinstimmung mit Herrn Ribbi für 6 bis 700 Frs. ein Boot gemietet, das mich mit meinen Vorräten hierherbrachte. Unterredung mit Herr n de S t. A u 1 a i r e. Bevor ich Tanger verließ, besuchte ich Herrn de St. Aulaire, dem ich meinen Auftrag vorlegte. Er gab mir Empfehlungsbriefe an die französischen Militärbehörden mit. Ich habe ihm von den Ausschreitungen gesprochen, die einige Fremdenlegionäre begangen hätten. Er versicherte mir, daß strenge Befehle deswegen ergehen würden. U n t e r r e d u n g m i t H?e r r n M a i g r e t. Sofort nach meiner Ankunft habe ich mich dem französischen Vizekonsul, Herrn Maigret, vorgestellt, loh nannte ihm den Zweck meiner Rückkehr. Er nahm mich in ausgezeichneter Weise auf, beklagte lebhaft die Plünderung des Judenviertels, und entschuldigte sich beinahe, daß er die Israeliten zu gewissen Leistungen — Leichenbeisetzung, Straßenreinigung usw. — herangezogen habe. Er versicherte mich der französischen Sympathie mit unseren Glaubensgenossen. Er sprach von dem möglichen Wiederaufbau des israelitischen Viertels. Ich entgegnete ihm jedoch, daß man sich zunächst mit der Ernährung unserer Glaubensgenossen und damit beschäftigen müsse, ihnen Arbeit zu geben. Er stellte mir eine Barkasse und ein Piquet Tirailleure zur Verfügung, um meine Vorräte auszuschiffen. Auf seinen Rat ging ich selbst durch das zerstörte Judenviertel, beruhigte die israelitische Bevölkerung und versprach ihr Arbeit und Lebensmittel. Tatsächlich hat die Ankunft Ihres Vertreters bei den Israeliten Freude hervorgerufen. Sie fühlen sich nicht mehr allein und wissen, daß man sich mit ihnen beschäftigt. Unterredung mit dem Kommandanten M a n g i n. Ich habe mich auch dem Herrn Platzkommandanten Mangin vorgestellt. Er ist ein Mann von ausgezeichneten Gefühlen. Ich habe wahrgenommen, daß er für unsere Glaubensgenossen große Sympathie empfindet. Ich erlangte von ihm sofort, daß alle von Israeliten geleisteten Arbeiten noch am nämlichen Tage bezahlt werden sollten. Auf diese Weise werden viele kräftige Männer Arbeit finden. Der Kommandant Mangin gab mir einen Geleitschein, der mich ermächtigt, zu jeder Tages- oder Nachtstunde mich in der Stadt zu bewegen. Morgen früh werde ich die Lebensmittel ausschiffen und verteilen und Ihnen einen genauen Bericht über die Lage schicken. Augenblicklich kann ich Ihnen nur wiederholen, daß unsere Glaubensgenossen ohne Brot und ohne Obdach sind, und daß die Wohltätigkeit zu ihren Gunsten große Aufwendungen wird machen müssen. Is. Pisa. Casablanca, 15. August 1907. Ich habe die Ehre, Sie von den Ereignissen in Kenntnis zu setzen, die während der letzten vierzehn Tage in Casablanca sich vollzogen haben. Am 1. August stürzte sich eine Bande von etwa 100 Kabylen, unterstützt von einigen Arabern aus der Stadt, auf die Hafenschuppen, brachte einen kleinen Eisenbahnzug zur Entgleisung, tötete neun Europäer und zerstörte einen großen Teil der Bauwerke. Sofort verbreitete sich in der Stadt eine große Panik. Es war, als hätte man ein Vorgefühl der kommenden Ereignisse. Der Dienstag und der Mitt-