Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1907)
- Date
- 1907-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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UswSSf&sr. ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 8/9. August/September 1907. VII. Jahrg. NARCISSE LEVEN, PRAESIDENT DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE UND DER J. C A., UEBER DIE TAETIOKEIT DER JEWISH COLONISATION ASSOCIATION IM JAHRE 1906. (Vortrag in der General Versammlung vom 7. Juli 1907.) Nachdruck verboten. Geehrte Herren! Der Jahresbericht, den wir Ihnen vorzulegen die Ehre haben, gibt möglichst genaue Rechenschaft über unsere Tätigkeit während des verflossenen Jahres. Diese Tätigkeit ist mannigfacher Art; sie umfasst landwirtschaftliche Besiedelung, Auswanderung, Schulen, Darlehnskassen u. s. w. und vollzieht sich auf zahlreichen Punkten des Erdballs. Gerade um der Mannigfaltigkeit unserer Unternehmungen willen, die alle das nämliche Ziel verfolgen, scheint es mir nützlich, in kurzen Worten die grossen Umrisse unserer Arbeiten anzugeben und Ihnen die Ergebnisse vor Augen zu führen, die wir erreicht haben. Wie Ihnen bekannt ist, hat Baron Hirsch unsere Gesellschaft gegründet, um den Israeliten zu Hilfe zu kommen, die in ihren Heimatländern Ausnahmegesetzen und Verfolgungen unterworfen sind. Erfahrung hatte ihm gezeigt, dass Auswanderung und Niederlassung in freien Ländern diesen Unglücklichen Heil versprächen. Als hauptsächlichen Zweck unserer Bemühungen bestimmte er die Schaffung und Entwickelung jüdischer Kolonien. Dieses verwickelte und schwierige Werk erfordert die tätige Mitarbeit einer- Gesellschaft, wie es die unsrige ist. Die Auswanderung der russischen und rumänischen Israeliten in überseeische Länder und namentlich die landwirtschaftliche Besiedelung in diesen Gebieten stand immer und steht noch heute in der vordersten Reihe unserer Betätigung. Die Lage unserer Glaubensgenossen im östlichen Europa hat sich übrigens, leider, nicht gebessert seit der Zeit, da Baron Hirsch sich damit beschäftigte, ihnen Hilfe zu bringen. Rumänien fährt fort, die Israeliten zu unterdrücken. Vor wenigen Monaten war es der Schauplatz eines Bauernaufstandes gegen die Grundeigentümer, der teilweise gegen die Juden abgelenkt wurde und zu neuen Gewaltmassnahmen gegen unsere Glaubensgenossen führte. Die vom flachen Lande Entflohenen oder Verjagten wollen auswandern. Das ist für viele unter ihnen die einzige Rettung. In Russland hat der Eindruck der blutigen Ereignisse des Jahres 1905 sich nicht abgeschwächt. Unsere Glaubensgenossen sind noch in den ersten Monaten des Jahres 1906 Angriffen ausgesetzt gewesen. Wicht ein einziges Ausnahmegesetz, unter dem sie seufzen, ist abgeschafft worden, und trotz der Religionsfreiheit, die im Oktober 1905 allen Russen versprochen worden ist, bleibt die Judenemanzipation inmitten tatsächlicher Bedrängnisse eine blosse Hoffnung. In dieser Lage behält das Programm, das der Gründer unserer Gesellschaft vorgezeichnet hat, seine volle Geltung. Wir haben uns danach gerichtet und es sogar erweitert, indem wir eine ganze Gruppe von Werken schufen, die der wirtschaftlichen und moralischen Hebung unserer Glaubensgenossen zu dienen bestimmt sind. Neben uns verfolgen andere jüdische Institutionen auf anderen Wegen in verschiedenen Ländern das gleiche Ziel wie wir, und sie haben ein sehr weites