Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Der Jahresbericht des Central-Comités der A. I. U. für 1906
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 485 (sequence 2)
- Language
- German
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•485 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Der Jahresbericht der A. I. U. für 1906. 486 letzte Abschnitt der deutschen Ausgabe des Jahresberichts handelt von der Deutschen Conferenz-Gemeinsehaft, die die Fahne der Alliance Israelite Universelle in Deutschland neu erhoben und neue Mitstreiter zu Tausenden gewonnen hat. Jedem unserer Mitglieder ist ein Exemplar zugestellt worden. Dass auch bei sorgfältigster Herstellung des Berichts Irrtümer vorkommen, findet wohl durch die Fülle des Materials freundliche Entschuldigung. Wir vermerken hier einige Berichtigungen und Nachträge für das Spendenverz^ichnis: Auf Seite 154 muss es bei Homburg v. d. H. Mk. 51.— statt Mk. 102.-, auf Seite 155 bei Marburg heissen: „durch Proviozialrabbiner Dr. L. Munck Mk. 58.—. An Spenden sind noch zu verzeichnen: Kechtsanwalt Emanuel in Bonn Mk. 100.—, Justizrat Dr. Edmund Lachmann in Berlin Mk. 200.— und Mk. 100.—. ZWEI VETERANEN DER A. I. U. Nachdruck verboten. Wir haben in der vorigen Nummer des Verlustes gedacht, den die Alliance lsraeLite Universelle durch den Tod zweier treuen Vertreter, Emil Nöther in Mannheim und Gotthold Levy in Stettin, erlitten hat. Es sei uns gestattet, einige Daten aus dem Leben dieser beiden, um unser grosses Werk in treuer Mitarbeit hochverdienten Männer, anzuführen, als Begleitung zu den Bildnissen der Verewigten. Emil Nöther wurde am 18. März 1842 in Mannheim geboren. Er widmete sich dem Kaufmannsstande. Nachdem er im Auslande tätig gewesen und weiten Blick gewonnen hatte, begründete er in Mannheim die eigene Firma Jos. Nöther & Co., deren Seniorchef er war. In dem Aufsichtsrat der Süddeutschen Bank in Mannheim war er Vorsitzender. Persönlich jedem öffentlichen Auftreten abgeneigt, entzog er sich doch nicht den Anforderungen, die man zunächst im engeren, dann in immer weiterem Kreis an ihn stellte. Die Israelitische Gemeinde seiner Geburts- und Heimatsstadt wählte ihn seit etwa 10 Jahren zum Synagogenrat, in einer Reihe wohltätiger Vereine bekleidete er das Vorsteheramt. Er würde der Allicance Israelite Universelle sich angeschlossen haben, auch wenn er nicht schon durch Familientradition ihr mit ganzem Herzen angehörte. Als erster Präsident des Grossherzoglich Badischen Landescomites der A. I. TJ. hat er dieser im ganzen Grossherzogtum Freunde und Anhänger gewonnen, die Mitgliedschaft organisiert und im Zusammenhang mitdemDeutschenBureau der A. I. U. das Hilfswerk geleitet. Er war die rechte Handunseres J. M. Bielefeld in Mannheim, dem er besonders nahe stand und dem sein Patriarchenalter weder die Freude an der Tätigkeit in der Emil Nöther, Mannheim. Gotthold Levy, Stettin. A. I. U. noch die dazu erforderliche Rüstigkeit geschmälert hat. Gotthold Levy in Stettin war um wenige Jahre •jünger als Emil Nöther. Auch er hat die Zugehörigkeit zur Alliance als Erbteil vom Vater übernommen, dem vormaligen Vorsitzenden des Stettiner Synagogenvorstandes. Schon als junger Mann, im Jahre 1873, nahm er an einer Delegiertenversammlung in Paris teil. Die Bekanntschaft mit Cremieux und anderen Führern der 'Alliance blieb ihm für sein ganzes Leben ein Erinnerungsschatz. Das Feuer heiliger Begeisterung für unsere Sache hatte sich auf ihn übertragen und erwärmte und belebte ihn. Er blieb mit der Alliance, für die er in Stadt und Provinz eifrig wirkte, bis an das Ende seiner Tage in stetem Zusammenhang. Seine Tätigkeit im Dienste der Alliance brachte es mit sich, dass er auch im Dienst unserer verfolgten russischen Glaubensgenossen stand. Im Jahre 1891 hat er als Schriftführer des Stettiner Comites für die russischen Juden Tausende nach Amerika befördert. Seine Fürsorge galt nicht minder dem jüdischen Waisenhaus seiner Heimatsstadt, dessen Vorstand er in den letzten 8 Jahren als Vorsitzender angehörte. Gleiches Interesse wendete er dem Verein für Jüdische Geschichte und Literatur zu. Gotthold Levy, ein Kaufmann von mehr als gewöhnlicher Bildung und von grossem Bildungstrieb, war sehr religiös. Er hat, solange er gesund war, keinen Sabbat-Gottesdienst versäumt.