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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 473

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
Date
1907-07-01
Page
Seite 473 (sequence 1)
Language
German
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473 474 CVWV1" '"UlttFI vx MITTEILUNGEN r/t »dem Deutschen Bureau der nom DWP; BERUM.N 2*+ AllianceJiiaelilellniveiselle ^«ier 0ranientiurqerMr4?A3 DIE OENERAL-VERSAMMLUNG DER BERLINER MITGLIEDER DER A. I. U. Nachdruck verboten. Am Sonntag den 2. Juni 1907 hat die Generalversammlung der A'liance Israelis UniversTie, Lokal- Comite Berlin, im Sitzungssaal desVerwaltun:sgebäudes der Jüdischen Gemeinde, Ros?nstrasse 2—4, stattgefunden. Die Tagesordnung lautete wie fol?t: 1. Allgemeiner Bericht. 2. Wahlen zum Vorstand. Die EinLdung war einem jeden einzelnen Berliner Mitglied der Alliance zugegangen. Der Geschäftsführer M. A. Klausner erstattete den Bericht, der folgenden Wortlaut hat: „Es ziemt sich und ist uns Herzenspflicht, daß wir bei Beginn unseres Berichts in Treue der Treuen gedenken, die vor uns dahingegangen sind, nachdem sie mit uns in Eifer und Hingebung der Sache der Alliance Israelite Universelle, d. i. der Sache der Judenheit, gedient haben. Kurz nacheinander sind unser Schatzmeister Heinrich Goldschmidt und unser Schriftführer Dr. Heinrich MeyerCohnim letzten Drittel des Jahres 1905 von uns schieden, jeder eine Zierde des Lokal-Comites Berlin, beide mit ganzer Seele unserem Werke gehörig, wackere Männer, vortreffliche Juden, vorbildlich in ihrer Fürsorge für die großen menschheitlichen Ziele unserer Vereinigung. Denn den Menschheitsgedanken pflegen und fördern wir, indem wir der Judenheit unser Mühen widmen, für den Gerechtigkeitsgedanken, der der Grundgedanke unserer heiligen Religion ist, arbeiten wir, indem wir, unserem Wahlspruch folgend, die Gemeinbürgschaft der Judenheit überall da zur Geltung bringen, wo Juden leiden, wo sie Bedrückung und Zurücksetzung erfahren, weil sie Juden sind. An dem Tage, der die Herrschaft der Gerechtigkeit sehen und der zur Anerkennung gebracht haben wird, daß es eine Gerechtigkeit ohne Milde und Liebe nicht gibt, an diesem Tage, der den Beginn des messianischen Reiches bedeutet, wird unser Ziel erreicht und unsere Arbeit beendet sein, wird die Gemeinbürgschaft nicht bloß ganz Israel, wird sie die ganze Menschheit umfassen. Wer das Glück hatte, die Männer zu kennen, die ich genannt habe, der weiß, wie sehr sie, namentlich unser Heinrich Meyer Cohn, mit sehnender Seele dieses weitere Ziel geschaut und um seine Verwirklichung in den Grenzen, die die Enge eines einzelnen Menschenlebens überhaupt zuläßt, pro virili parte gestrebt und gelitten haben." Dor Vorsitzende: Erheben Sie sich, ich bitte Sie darum, zum ehrenden Andenken an diese Teuren! Der Geschäftsführer fährt fort: „Der Rückblick, den wir Ihnen zu bieten haben, umfaßt zwei Jahre. Im vorigen Jahr — dafür ersuchen wir Sie ' um Indemnität — haben wir die statutenmäßig vorgesehene Generalversammlung unserer Berliner Mitglieder ausfallen lassen. Nicht aus Lässigkeit ist dies geschehen, sondern weil wir Sie nur als Zeugen einer Art von Umwälzung hätten berufen können, die wir in unserer größeren Gemeinschaft, als deutsche Mitglieder der Alliance Israelite Universelle, durchmachen mußten. Sie selbst hatten durch Ihre geordnete Vertretung, das Lokal-Comit£ Berlin, den Anstoß dazu gegeben; und wir glaubten, nicht eher vor Sie treten zu dürfen, als bis die Bewegung zu einem vorläufigen Abschluß gelangt, eine Etappe auf dem Wege erreicht war, den Ihre Vertretung uns gewiesen hatte. Sie wissen, daß die Alliance Israelite Universelle seit Anbeginn von einem Central-Comite geleitet wird, dessen Sitz Paris ist. Nur eine Minderheit der Mitglieder ist französischer Nationalität. Daß die am Sitz einer Gesellschaft wohnenden Mitglieder eben wegen ihrer steten Anwesenheit ein gewisses Übergewicht haben, liegt in der Natur der Sache. Wir müssen aber laut betonen, daß unsere französischen Glaubensgenossen niemals von ihrem Übergewicht einseitigen Gebrauch gemacht, etwa Interessen gepflegt hätten, die uns fremd gewesen wären. Gleichwohl haben die deutschen Mitglieder des Central- Comites das Bedürfnis empfunden, einen gewissen Ausgleich dadurch zu schaffen, daß sie zu einer deutschen Gonferenz-Gemeinschaft sich zusammentaten, die, ohne bestimmte Satzungen, bloß den Zweck hatte, in zwanglosen Gonferenzen die Gemeinschaft der Ansichten der deutschen Mitglieder des Gentral- Comites diesem zur Kenntnis zu bringen, auch wenn die deutschen Mitglieder den Central-Comit6-Sitzungen nicht beiwohnten. Am 15. Oktober 1901 hat die erste Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschäft stattgefunden; doch führte sie ein Dasein eigentlich nur in der Idee. Daß sie wirkliches Leben gewann, daß der Gedanke Körper bekam, dazu mußten sich erst eine Reihe von Umständen vereinigen.

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