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Ost und West · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. [Seite]

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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OsT^wesr ^7 ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 7. Juli 1907. VII. Jahrg. JAKOB FREUDENTHAL Von Bernhard Münz. Nachdruck verboten. Die Breslauer Universität hat den Verlust eines sehr gelehrten Forschers zu beklagen. Jakob Freudenthal ist nicht mehr. Er hat schon als ganz junger Mann von sich reden gemacht. Er war in seiner dem überaus schwierigen Begriffe der Phantasie bei Aristoteles gewidmeten Doktordissertation auf dem rechten Wege und hat mit gesundem Verstände manches Treffende gesagt. Freilich war seine Bekanntschaft mit dem Stagiriten bei der Abfassung seiner Erstlingsschrift noch zu jung; sind aber auch ihre Resultate nicht durchweg annehmbar, so ist sie doch als eine treffliche Grundlage zu betrachten. Dann reizte ihn das kleine unscheinbare Schriftchen „Ueber die Herrschaft der Vernunft", das sich durch Form und inneren Gehalt vor seiner Umgebung vorteilhaft auszeichnet und ein in seiner Art ganz einziges Erzeugnis jener wunderbaren Vereinigung jüdischen und griechischen Wesens ist, welche noch unserer Zeit einen grossen Teil ihrer Bildungselemente liefert. Habent sua fata libelli. Auch das Büchlein, das Freudenthals Aufmerksamkeit fesselte, hat eine merkwürdige Geschichte zu erzählen. „Im christlichen Altertum oft genannt, benutzt, bewundert und abgeschrieben, den deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments angereiht und mit dem klangvollen Namen des Flavius Josephus geziert; in neuerer Zeit ebenso häufig übersetzt und gedruckt, wie wenig gekannt und geachtet; lange Zeit fast verschollen und erst in den letzten Jahrzehnten Gegenstand einer meist einseitigen Betrachtung; verstümmelt und verunstaltet durch eifrige Leser, unwissende Abschreiber und sorglose Herausgeber, aus deren langer Reihe herauszutreten selbst Männer wie Wilhelm Dindorf und Immanuel Bekker sich nicht bemüssigt gesehen haben, können wir es heutzutage nur als den Torso eines interessanten Kunstwerkes gelten lassen, über den gerade entgegengesetzte Urteile gefällt werden können, je nachdem diese oder jene Seite beleuchtet, das ursprüngliche Ganze ins Auge gefasst oder über Einzelheiten übersehen und in ein falsches Licht gerückt wird". Es folgten die „Hellenistischen Studien", die den Zugang zu einem zwar engbegrenzten, aber nicht unergiebigen Gebiete des hellenistischen Schrifttums erschlossen. Das literarische Erbe des jüdischen Hellenismus ist so dürftig, die Lücken, die die Zeit vom Abschluss der griechischen Bibelübersetzung bis zum Auftreten Philos aufweist, sind so gross und weit, dass Freudenthal sich gedrängt fühlte, die von Alexander Polyhistor erhaltenen Eeste jüdischer und samaritanischer Geschichtswerke, die von hervorragenden Forschern in Bausch und Bogen abgeurteilt wurden, ohne dass sie in ihrer Gesamtheit nach den literarischen Verhältnissen der Zeit, aus der sie hervorgegangen, nach den Zielen ihres Verfassers und nach ihrem Zusammenhange mit den verwandten Erscheinungen des Hellenismus befragt worden wären, einer eingehenden Untersuchung zu würdigen, die Spreu von den Körnern zu sondern, das wertvolle Einzelne aus dem grossen Haufen des Wertlosen herauszulesen. Seine eigentliche Lebensarbeit war der einsame, das All liebende, vom amor Dei intellectualis beseelte Spinoza. Er hat keine Mühe gescheut, um in das auf Spinoza bezügliche biographische Material Einblick zu gewinnen, und sein löbliches, von der Berliner Akademie der Wissenschaften gefördertes Unternehmen hat von den verschiedensten Seiten kräftige Unterstützung erfahren. Gleichwohl ist die Ernte im ganzen und grossen recht kärglich ausgefallen. Die Durchmusterung zahlreicher, in den Bibliotheken und Archiven von Amsterdam, Breslau, dem Haag, Hannover, Leyden, London und Utrecht aufbewahrter, noch ungedruckter Briefe und die Durchsicht der Papiere vieler holländischer Familien, von denen einzelne

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