Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Oi! Jossel mit dem Fidel [Musikdruck]
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 391 - 392 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- piece of music
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391 Oi! Jossei mit dem Fiedel. 392 Sieben Brüder seinen mir geblieben,] hoben mir gehandelt mit Tschweks.*) Is einer gestorben, is geblieben sechs. Oi! Jossei usw. Sechs Brüder seinen mir geblieben, hoben mir geHandelt mit Strumpf. Is einer gestorben, is geblieben fünf. Oi! Jossei usw. Fünf Brüder seinen mir geblieben, hoben mir gehandelt mit Bier. Is einer gestorben, is geblieben vier. Oi! Jossei usw. Vier Brüder seinen mir geblieben, hoben mir gehandelt mit Blei. Is einer gestorben, is geblieben drei. Oi! Jossei usw.' Drei Brüder seinen mir geblieben, hoben mir gehandelt mit Hei (Heu). Is einer gestorben, is geblieben zwei. Oi! Jossei usw. Zwei Brüder seinen mir geblieben hoben mir gehandelt mit Steiner. Is einer gestorben, bin ich geblieben einer. Oi! Jossei usw. Einer bin ich geblieben, handel ich mit Licht. Starben tu ich jeden Tog, weil zu fressen *iob ich nicht. Oi! Jossei usw. *) Tschweks Nägel. DIE MILITAER-GESTELLUNG. 'Monolog von Scholem Alechem. Nachdruck verboten. „Von wannen ich fahr? Ach und Weh ist mir: ich fahr von der Militär-Gestellung. Das dort ist mein Sohn, der junge Mann, der da ausgezogen auf der Bank liegt. Mit ihm fahr ich von Jehupez. Bin beim Advokaten gewesen, mit ihm zu beraten, und auf dem Wege habe ich bei Professoren gehorcht, was sie etwa sagen möchten. Eine Militär-Gestellung hat mir Gott zugeschickt! Viermal habe ich dort gestanden und bin noch nicht fertig. Und gerade er ist ein einzigdiger Sohn, der einundeinzigdige, ganz echt, wahrhaftig, koscher, mit einem vollkommenen Militärbefreiungs- Privileg... Was kuckt ihr mich an? Ihr glaubt nicht? Ihr mögt zuhören, mögt ihr! ' Das Begegnis von der Geschichte ist nämlich die Mahsse*): Ich selbst bin ein Meseretscher von Meseretsch. Geboren bin ich in Masepewka und zugeschrieben bin ich in Worotiliwka. Einmal bin ich nämlich — nicht gedacht soll es heute werden! — in Worotiliwka ansässig gewesen. Heute aber wohne ich in Meseretsch. Wer i c h bin und wie i c h heiße, macht Euch wohl nicht viel aus, meine ich. Doch meines Sohnes Namen muß ich Euch sagen, denn das gehört zur Hauptsache, sehr sogar. Er heißt Itzig, das heisst Awrohom Jitzchok, aber man ruft ihn Alterchen. Den Namen hat sie ihm gegeben, meine Frau, sie soll gesund sein, weil er ein Angstkind ist, ein einzigdiger, ein einundeinzigdiger. Das heißt, wir hatten außer ihm noch einen Jungen gehabt, um ein Jahr oder anderthalb jünger als jener, ihm zu längerek Jahren. Eisik hat er geheißen, Eisik. Ist ein Unglücn gekommen. Man hat ihn, nämlich Eisik, einmal allein gelassen — ich bin damals, es soll nicht gedacht werden, noch ein Worotiliwkaer gewesen, das heisst ich hatte mich in Worotiliwka ansässig gemacht — und da hat er, nämlich Eisik, sich niedergesetzt und ist unter den Samowar gekrochen und hat den siedigen Samowar — nicht für Euch soll es gedacht werden — auf sich gegossen und sich zu Tode gebrüht — jenem zu längeren Jahren. Von der Zeit an ist er, Itzig nämlich, das heisst *) Sache. Awrohom [Jizchok, unser] einzigdiger gewesen, und sie hat ihn verzogen, meine Frau, sie soll gesund sein, und hat ihm den Namen Alterchen gegeben. Werdet Ihr fragen: Wie heißt? Ein Einzigdiger, ein Einundeinzigdiger, was hat der mit der Militär-Gestellung zu tun? — Hört nur, das ist doch eben mein ganzer Verdruß! Ihr glaubt vielleicht, er ist, Gott soll hüten, ein gesunder Jung, wie es einmal vorkommt bei Kindern die im Überfluß aufwachsen. Seid ihr auch im Irrtum! Nicht zwei Groschen möchtet Ihr für ihn geben. Ein Versehnis ist er, ein kranker Jung. Das heißt, krank, Gott soll hüten, ist er eigentlich auch nicht; aber gesund ist er gewiß nicht. Schade, er schläft jetzt, ich will ihn nicht wecken. Wenn er aufsteht, werdet Ihr sehen: ein Schatten von einem Menschen, Haut und Knochen, lang und schmal, ein Gesicht, wie dieausgespiene Feige, die Rabbi Zadok verschluckt hat, und eine Gestalt — Steins geklagt! — dünn wie ein Lulew, im ganzen nach ihr geraten, nach meiner Frau, sie soll gesund sein, auch hochgeschossen und mager. Nun frage ich Euch: brauche ich etwa an eine Militär-Gestellung zu denken, so lang und dünn wie er ist? Und tauglich ist er auch nicht, und ein Befreiungsprivileg hat er! Es ist zur Militär - Gestellung gekommen. Wie heißt „Befreiungsprivileg"? Was ist mit dem Befreiungsprivileg? Es fängt sich garnichts an. Und was war die Ursache? Ganz einfach: mein anderes Jüngelchen, Eisik, der sich als Kind —nicht für Euch soll es gedacht sein! — mit dem Samowar zu Tode gebrüht hat, war nicht in der Matrikel gestrichen worden; man hatte es vergessen! Bin ich hingelaufen zum Kronsrabbiner,dem Schaute, und habe geschrien: „Halunke, Spitzbube, was habt ihr getan? Warum habt ihr meinen Eisik nicht ausgestrichen? Fragt mich der Narr: Wer ist der Eisik gewesen? — Wie heißt? frag ich, Ihr wißt nicht, wer Eisik ist? mein Sohn Eisik, der den siedigen Samowar über sich gegossen hat? — Was für ein Samowar? fragt jener. — Guten Morgen, sag ich; Ein guter Kopf auf Euch! So ein Kopf ist gut, Nüsse drauf zu knacken! Wer kennt nicht die Geschichte von meinem Eisik, der^sich mit dem Samowar zu Tode gebrüht hat! Ich