Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Benno Elkan
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 365 - 366 (sequence 2)
- Language
- German
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365 Dr. Philidor Leven: Benno Elkan. 366 B. ELKAN DORTMUND. Porträtbüste des Dn Mttser. gebracht. Großherzog Friedrich von Baden und Meister Thoma in Karlsruhe seien hier nur von den vielen bekannteren Persönlichkeiten genannt, für die Elkan Porträtmedaillen herstellte. Von schöner Charakteristik ist auch die hier mitgeteilte Medaille des Geh. Regierungsrates Wendt. Von den Frauenporträts ist eins der reizvollsten das von Mudding Richter. Im Auftrage der Universität in Freiburg schuf Elkan eine Bronzeplakette, auf einer Marmortafel angebracht, welche dem Großherzog von Baden, dem Protektor der Universität, an seinem 80sten Geburtstage überreicht wurde. Heute sind unter anderem das Münzkabinett des Kaiser Friedrich - Museums in Berlin, die Skulpturengalerie in Dresden, die Kgl. Sammlungen in München u. a. mehr im Besitze Elkanscher Medaillen. Nach diesen ersten Erfolgen wandte sich Elkan völlig der Plastik zu. Elkan teilt die Eigenschaft fast aller jüdischen Künstler auf dem Gebiete der bildenden Künste: er arbeitet — wenn wir für alle vom Technischen absehen — fast ganz, ohne Tradition. Zum Teile beruht das sicherlich darauf, daß erst der Fall der Ghettomauern den Juden die Augen im buchstäblichen Sinne wieder geöffnet hat, daß erst seitdem der alten These von der Unfruchtbarkeit der Juden in der bildenden Kunst lebendige Widerlegungen erstanden sind. Elkan ist der geborene Bildhauer: er sieht plastisch. Wir finden den Ursprung seiner Kunst nicht in dem Ringen mit dem Material, das ihm nur widerstrebend eine vom Ganzen kaum gelöste Form gewährt, sondern seine Werke sind sofort plastisch in das Material hineingesehen. Dabei sind seine Tdoen von einer für einen so jungen Künstler erstaunlichen Erreichbarkeit. Durch die Verbindung dieser beiden Umstände kommt bei den meisten seiner Werke der Charakter völliger Geschlossenheit zustande, erschienen sie durchweg als erschaut, nicht erdacht. Selbstredend soll hiermit nicht etwa jede seiner Arbeiten als Meisterwerk und als restlos vollendet hingestellt werden, sondern wir sehen hier nur auf den Grund der Sache und dürfen die Reife und Vollendung getrost der weiteren Entwickelung überlassen. Elkan hat zunächst eine Kunstgattung gepflegt, welche in Deutschland zum Bedauern aller künstlerisch Empfindenden noch so gut wie ganz brach liegt, der Grabmalskunst. In seiner Vaterstadt Dortmund stehen heute nicht weniger als fünf größere Grabdenkmäler, die er im Auftrage von Dortmunder Bürgern ausgeführt hat. Das größte davon ist hier in 2 Abbildungen wiedergegeben; es stand auch in einer Nachbildung auf der vorjährigen Kölner Kunstausstellung. Es bringt den Auferstehungsgedanken in wuchtiger Sprache zur Verkörperung. Das Bronzerelief mit den Figuren der Erwachenden ist tief in die umgebende Steinarchitektur eingelassen; noch bindet und beengt die dunkle Gruft alle Bewegung der eben Erstehenden; allein im nächsten Augenblick wird sie zersprengt dem Lichte und der Bewegung die Grenzen öffnen. Überzeugend wirkt auch der Christuskopf auf dem anderen Grabmal in seiner herben Traurigkeit. Das Grabmal ,,Kauernde'1 zeigt, wie wohl Elkan im kleinsten Räume ein großes Maß von Bewegung und innerem Gehalt zu geben weiß Bei allen B. ELKAN DORTMUND. Flötenspieler.