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Ost und West · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. [Seite]

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Date
1907-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Tfs&m(e st. ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 6. Juni 190?. VII. Jahrg. EINE ERINNERUNG. Nachdruck verboten. Seit vierzig Jahren spricht die rumänische Regierung aller Gerechtigkeit und Menschlichkeit Hohn, verleugnet sie ihre Verpflichtungen, durch deren Uebernahme sie die Anerkennung der Selbständigkeit ihres Landes von Europa erlangt hat — und allgemein gilt es beinahe als selbstverständlich, dass keine der Signatarmächte des Berliner Vertrages und dass kein anderer Staat das Recht habe, bei der rumänischen Regierung vorstellig zu werden, sie an ihre Pflicht zu erinnern und nötigenfalls zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten. Wir sind nicht diplomatisch geschult und wissen nicht, welche Interessen etwa einer solchen Intervention im Sinne der Gerechtigkeit und Menschlichkeit und im Sinne des Berliner Vertrages bei der rumänischen Regierung im Wege stehen. Es ist möglich, dass diese Interessen sehr gross sind; und da wir sie nicht kennen, so wollen wir auch nicht abmessen, ob nicht das Menschlichkeits¬ und Gerechtigkeits-Interesse höher zu achten wäre. Nur eine Tatsache wollen wir hervorheben, die Tatsache nämlich, dass es eine Zeit gegeben hat, in der unsere Diplomatie anderer Meinung war und für das menschheitliche und für das Gerechtigkeits-Interesse eine andere Schätzung hatte. Dazu dient eine Erinnerung, die heute beinahe märchenhaft klingt. Am 6. April des Jahres 1866 hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin folgende Immediatvorstellung an Se. Maj. den König gerichtet: „Noch sind sie in frischer Erinnerung, die von ganz Europa gebrandmarkten Gewalttaten, welche während der letzten zwei Jahre an den Bekennern des jüdischen Glaubens in Rumänien verübt worden sind. Grausamer aber und schmachvoller, als jene Greueltaten sind die neuesten Vorgänge daselbst, grausamer, weil sie nicht gegen einzelne, sondern gegen die gesamte dort weilende dort geborene jüdische Bevölkerung gerichtet, und schmachvoller, weil nicht niedere ungebildete Massen es sind, sondern Staatsmänner und einflußreiche Volksvertreter, welche durch einen von ihnen eingebrachten Gesetzentwurf die Zivilisation Europas zu beleidigen und zu verhöhnen wagen. Denn nur als eine Verhöhnung europäischer Gesittung kann jener Entwurf angesehen werden, den wir in dem von den Zeitungen veröffentlichten Wortlaut abschriftlich ehrfurchtsvoll beifügen und der offenbar nur dahin zielt: die Gewalttätigkeit zu sanktionieren und durch füi uio v v juAiYui g^o^ncuncLi.^ xtechtsformen die bisher anarchischen Judenverfolgungen in gesetzliche umzugestalten. Ew. Majestät Untertanen jüdischen Glaubens fühlen sich voll als Preußen, als Deutsche, und blicken als solche mit Stolz auf die von Ew. Majestät befestigte und erweiterte Machtstellung des deutschen Vaterlandes hin, für welche auch sie ihre pflichtschuldigen Opfer dargebracht haben und fernerhin zu bringen stets bereit sind. Treu dem Glauben ihrer Väter, können sie aber ihren so schwer geprüften Religionsgenossen auch in fernen Landen ihre innigste Teilnahme nicht versagen, dürfen sie nicht schweigen, wenn mit dem Glücke und Frieden derselben ein frevelhaftes Spiel getrieben wird. Dem Thron Ew. Majestät nahen wir daher mit dem ehrfurchtsvollen Ausdrucke unseres tiefgefühlten Dankes für die Schritte, welche von Allerhöchst ihrer Regierung zugunsten unserer rumänischen Glaubensbrüder bei der dortigen Landesregierung bereits geschehen sind. Möchten Ew. Majestät Allergnädigst uns aber noch die untertänigste Bitte zu gestatten geruhen:

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