Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Theodor Oschinsky
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 337 - 338 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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337 33S THEODOR OSCHINSKY-BRESLAU. Nachdruck verboten. Unser Freund Herr Theodor Oschinsky in Breslau, das verehrte langjährige Mitglied der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Allianee Israelite Universelle, hat die Güte gehabt, uns für die vorliegende Nummer von ,,Ost und West" einen Auszug aus seinem interessanten Bericht über die jüngst von ihm unternommene Fahrt ins Gelobte Land zur Verfügung zu stellen. Wir benutzen dies als willkommenen Anlass, unsern Lesern das Bild des um die Sache der Aliiance hochverdienten Mannes zu bringen und ihnen von seinem Lebensgang zu erzählen. Theodor Oschinsky ist im Jahr 1844 in Nikolai O.-Schl. geboren. Er besuchte dort die jüdische Schule, von 1857 bis 1859 das Gymnasium in Gleiwitz, von 1859 bis 1863 das Gymnasium in Breslau. Nach beendeter Schulzeit widmere er sich dem kaufmännischen Beruf. In sein Militärdienstjahr 1865/66 fiel der böhmische Feldzng, den er zunächst als Unteroffizier, dann als Offizierdiensttuender Vizefeidwebel mitmachte. In der gleichen Eigenschaft war er an dem Feldzug 1870/1871 beteiligt. Anfangs der siebziger Jahre trat er der Aliiance Israelite Universelle als Mitglied bei und gründete nach i *. *H- '" fc if7 Theodor Oschinsky. Andenken sei gesegnet! — das Provinzial-Komite für Schlehen, belebte die bestehenden und schuf neue Lokal- Komites in Schlesien und gewann namentlich in Breslau der Aliiance eine grosse Anzahl ====___=__ Anhänger. Im Jahr 1882 begründete er ein Hilfskomite für die verfolgten russischen Juden; im Jahr 1891 stand er wieder an der Spitze des Hilfskomitee, für das die gleiche Aufgabe sich erneuert hatte. Inzwischen war er, 1889, Mitglied des Central- Comites der Aliiance geworden. Innerhalb der Breslauer Gemeinde, in deren Repräsentanten- Kol legium er vor 18 Jahren gewählt wurde, war Herr Oschinsky in allen Wonlfahrts- und Wohltätigkeits - Angelegenheiten besonders tätig. Im Vorstand des israelitischen Kranken - Verpflegungs-und der Alrersversorgungs- Anstalt entwickelte er sein organisatorisches Talent. Er erwarb sich ein besonderes Verdienst dadurch, dass er die Baronin Hirsch bestimmte, zur Errichtung des — musterhaft ausgestatteten — jüdischen Krankenhauses in Breslau 300000 Mark beizusteuern. Nach Einweihung dieses Krankenhauses wurde er durch die Verleihung des Kronenorden« ausgezeichnet. Er ist im Vorstand zahlreicher jüdischer Wohltäfigkeitsvereine, und wo immer es gilt, unseren dem Tode des Rabbiners Dr. Landsberg-Liegnitz — sein bedrängten Glaubensgenossen beizustehen, da ist auch er. MEIN AUFENTHALT IN PALASTINA. Aus Reiseerinneruno-en von Theodor Oschinsky. .... Am nächsten Morgen besichtigten wir die Deutsche AllianceschuleinKonstantinopel. Ein schönes modernes Gebäude mit sehr hohen Schulzimmern. Der Direktor Springer empfängt uns und führt uns zunächst in die unterste Klasse, die ziemlich stark (von 60 Schülern) besucht ist. Es ist gerade Anschauungsunterricht. Wir sind erstaunt, als wir diese Kinder, die im Hause größtenteils kein deutsches Wort zu vernehmen Gelegenheit haben, deutsch sprechen hören. Neben Kindern von Russen und Rumänen befinden sich hier Kinder von Spaniolen, Türken, Yemeniten und verschiedenen anderen Völkerschaften. Ein kleiner Knabe wird an die Tafel gerufen. Er soll sagen, was an dem Baum, den er zeigt, zu bemerken ist. Man sieht, daß er es weiß, daß es ihm aber schwer fällt, das richtige Wort zu finden. Endlich stößt er hervor: er bleut; und als viele darüber lachen, verbessert er sich und sagt: er blüht. — Die nächste Klasse ist überfüllt; sie hat SO Schüler. Diese sind im Deutschen schon ganz firm. In der folgenden Klasse sprechen die Kinder Nachdruck verboten auch schon sehr gut französisch. Ebenso sind sie im Hebräischen weit. In der nächsten Klasse, mit 50 Schülern, wird eben aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt. In der folgenden Klasse ist Unterricht in Geometrie und Arithmetik, worin die Schüler Erstaunliches leisten. Dringend notwendig wäre ein Kursus zur Vorbereitung für die Konfirmation; ferner müßten hebräische Bücher, Lesetabellen und Lesefibeln in genügender Anzahl zur Verteilung an die Schüler beschafft werden, damit sich die Kinder auch zu Haus damit beschäftigen können. Jetzt nämlich werden die Bücher nach Schulschluß in der Schule eingeschlossen. Die Zahl der Schüler beträgt 260, die der Lehrer fünf, davon ist einer in Paris ausgebildet, die übrigen vier sind deutsche Lehrer und sämtlich geborene Deutsche oder Ungarn. * * * Von Port Said aus waren wir nach außergewöhnlich unruhiger Fahrt Donnerstag, den 22. Februar 1906 vor Jaffa angekommen; doch die Hoffnung, hier zu