Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Der Richter [Illustration]
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 301 - 302 (sequence 1)
- Language
- German
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301 302 LUCIEN LEVY-DHURMER. Von G. Kutna. Voll frischer Tatenlust, unbeirrt in seinem Selbstvertrauen, steht Levy-Dhurmer in der Pariser Künstlerschaft, wie ein gesunder junger Sproß. Kritik und Publikum haben ihm viel Beifall und Wohlwollen gezeigt, das hat ihn ermutigt, beschwingt, hat seine Schaffensfreude gestärkt. Die Persönlichkeit und die Kunst Levy-Dhurmers sind danach angetan, daß sie Zustimmung fördert. Diese gesellige, liebenswürdige Natur und die geschmackvolle, harmonisierende Kunst verlangen nach freundschaftlicher Berührung der Außenwelt. Haltung und Bedeweise des Mannes, wie Kolorit und Formbehandlung seiner Malerei sind so beschaffen, als bieten sie jedermann freundschaftlichen Gruß und Händedruck. Nichts Einsiedlerisches, Grüblerisches darin, alles bietet sich sinnfällig dar, trägt die Zeichen des Gemeingefühls und macht die Geste der Gastlichkeit. Die feinste Qualität in den Werken ist eine freiheitliche, ungezwungene Allgemeingültigkeit. Nachdruck verboten. Revolutionäre Neuheit. Umwertung der Form findet sich in seinem Werke nicht; man bleibt auf vertrautem Boden, kann jenen Harmonien des Daseins lauschen, die unmittelbar auf unsere Sinne wirken und Wohlgefallen erwecken. Dem Impressionismus steht er ganz fern, er malt nicht die Erscheinung um ihrer Formwirkung willen, sondern „um durch sie etwas auszudrücken, als Maler die Dinge betrachtend, doch nicht als Maler allein". Eher kann man Anklänge an die Kunst der Vergangenheit bei ihm finden, . die, mit modernem Geiste geziert, voll feinen Reizes sind. So hat seine Farbe und Charakteristik etwas von dem delikaten Charme Lionardos, an dessen leis bestrickendes Lächeln und vielsinnigen, rätselhaften Augenglanz mancher Kopf erinnert. Das kann man an dem Porträt Georges Rodenb achl im Luxembourg ersehen. In rätselhafter Symbolik steigt der Kopf aus der Bildfläche