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Ost und West · 1907-05-01 · Heft 5 (Mai 1907) · p. [Seite]

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 5 (Mai 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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TJs^m^esv. V ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5. Mai 1907. YII. Jahrg. DER AUFSTAND IN RUMAENIEN. Von M. A. Klausner. Nachdruck verboten. Rumänien liegt zwar in Halbasien", aber immerhin an der Grenze des europäischen Kultur- und Verkehrsgebietes, so dass man annehmen dürfte, die dortigen Vorgänge, die sich am lichten Tage abspielen, könnten kein Geheimnis bilden. Neueste Erfahrungen jedoch zeigen, dass man von Rumänien aus mit Erfolg den Versuch, machen kann, den europäischen Zeitungsleser auch über die Natur solcher Vorkommnisse zu täuschen, die sich in aller Oeffentlichkeit vorbereitet haben, in aller Oeffehtlichkeit erörtert worden sind. Der rumänische Bauernaufstand, der jetzt mit Waffengewalt niedergeschlagen worden ist, hat in Rumänien nicht überrascht. Man hat dort sein Werden und Heraufziehen beobachtet, hat in Senat und Kammer von ihm gesprochen, und selbstverständlich hat man nach Landesbraucli den Versuch gemacht, die Schuld an den Zuständen, die die bäuerliche Bevölkerung zu Raub und Gewalttat trieben, den „Juden" zuzuweisen — die in einem grossen Teil Rumäniens garnicht in ländlichen Gemeinden wohnen, in ganz Rumänien keinen Grundbesitz erwerben dürfen, sogar als Gutspächter nur ausnahmsweise zugelassen werden. Ohne jede Verschleierung, erkennbar für jeden, der nicht freiwillig auf den Gebrauch von Augen und Ohren verzichtete, verhandelte man in den gesetzgebenden Körperschaften Rumäniens darüber, wie man die grossgrundbesitzende Bojarenschaft von dem Vorwurf, den rumänischen Bauer zur Verzweiflung und zu Verzweiflungstaten getrieben zu haben, befreien und den „Juden46, den „Fremden" als Prügelknaben einschieben könne. Aus den Reihen der Lehrer und der Zöglinge der Hochschulen zogen Wanderprediger aus, die dem Bauer einreden wollten, alle Bedrängnis schreibe sich von den Juden her, und eine Judenverfolgung nach bessarabischem Muster sei das gegebene Mittel, den Bauer aus seiner Not zu erlösen. Der „jüdische Pächter" habe alles Unheil verschuldet, denn — der jüdische Pächter zahle hohe Pacht, und es liege auf der Hand, dass hohe Pachtraten der Landwirtschaft verderblich seien. Ganz leise wurde das Zugeständnis gemacht, die Bojaren hätten insofern einen Anteil an dem bösen Verhängnis, als sie die hohen Angebote der jüdischen Pächter nicht zurückwiesen. Aber auch für diese Sünde seien die Juden verantwortlich, die die Bojaren durch sclinödes Geld verlockt und erkauft hätten. Die Unwahrhaftigkeit dieser Behauptungen war selbst für den rumänischen Bauer zu deutlich. Er Hess sich nicht aut die „Juden" ablenken, sondern machte die bojarisehe Misswirtschaft durch seinen Hungeraufstand europakundig. Nur unter den westeuropäischen Juden fanden die Bojaren Gläubige, nur unter den westeuropäischen Juden gab es naive Gemüter, die der bojarischen Vorspiegelung trauten, das Märchen von einer neuen Judenverfolgung in Rumänien nacherzählten, und damit die Arbeit der Bojaren nach deren Wunsch taten. Freilich gab es insofern mildernde Umstände, als man in Rumänien Judenverfolgungen nicht für unmöglich oder auch nur für unwahrscheinlich

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