Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Studie [Illustration]
- Date
- 1907-04-01
- Page
- Seite 241 - 242 (sequence 1)
- Language
- German
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241 242 ISAAK LEWITHAN. ISAAK LEWITHAN. Von Georg Hermann. STUDIE. Nachdruck verboten Ob dieser Satz, den ich hier gleich erwähnen werde, auch in Muthers „kleiner französischer Malerei" sich findet — — genug, ich habe ihn in einem Vortrag über dasselbe Tema aus seinem Munde gehört, und er wird ebenso wie mir, manchem anderen wieder ins Gedächtnis gekommen sein jetzt vor der Ausstellung russischer Künstler, die wir bei Schulte sahen. Duich das ganze 19. Jahrhundert, sagt Muther, sind die Franzosen Führer auf dem Gebiet der Malerei gewesen. Jede Neuerung in der stets vorwärtsschreitenden Verbildlichung ist von ihnen ausgegangen. Ebenso wie sie die grösste Summe starker Neuerer und Pfadfinder ihr eigen nennen kann. Aheres scheint, als ob die zeugende Kraft auf dem Gebiet der Malerei in Frankreich im Abnehmen und Schwinden begriffen ist, und vielleicht ward im 20. Jahrhundert ein neues Volk, das mit neuen und ungekannten, vorerst sich kaum seiner selbst bewussten Kräften auf den Plan tritt, in der Malerei die Führerschaft übernehmen. Dieses Volk mit seiner Barbarei, mit seinen ungezählten Millionen, die zur Kultur empordringen, und die doch wieder den engen Zusammenhang mit der Natur besitzen, alle Rauheit und Härte, alle Kraft Isaak Lewithan. und alle Sehnsucht der Erde in sich tragen — das russische Volk wird vielleicht bestimmt sein, für die Zukunft der Kunst die Führer, die Pioniere und die grossen starken Begabungen zu geben. Dieser Satz, damals kaum mehr als eine geistreiche und paradoxe Prophezeiung, scheint doch mehr Wahrheitsmöglichkeiten in sich zu tragen, als man im ersten Augenblick glauben mochte. Denn ohne Zweifel, diese russischen Künstler, wie man sie jet'/.t sah, in einer wohl geschickten, aber sicherlich völlig unzulänglichen Zusammenstellung, zeigten eine solche Summe von regsamen Koloristen, eine solche Fülle von Kraft und Originalität in den Persönlichkeiten, eine solche Bodenständigkeit und Wurzelfestigkeit, soviel Werden, als ob die Worte Muthers schon daran wären, sich zu bewahrheiten. Und einer der bodenständigsten Künstler, die Kussland je hervorgebracht hat, ist Isaak Lewithan. Vor sieben Jahren ist er gestorben. Nicht so jung, dass man sa^en könnte, er hätte seine -Höhe nicht erreicht, nicht so alt, dass man sagen könnte, er hätte sich wohl schwerlich weiter entwickelt. Das Au«e der Maler hat sich indessen gewandelt, die Farbe ist heller und lichtvoller geworden,