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Ost und West · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 211 - 212

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Dr. Hermann Baerwald
Date
1907-03-01
Page
Seite 211 - 212 (sequence 2)
Language
German
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211 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Dr. Hermann Baerwald. 212 gehörte er zu den vertrauten Schülern Rankes, dessen Persönlichkeit und Auffassung nachhaltigsten Eindruck auf ihn ausübten. Im Jahr 1855 erwarb er mit einer Abhandlung über „Die Erwählung König Rudolfs I. von Habsburgu den Doktorgrad. Später schrieb er eine Abhandlung „Zur Charakteristik und Kritik mittelalterlicher Formelbücher" und eine Untersuchung über das „Baumgartenberger Formelbuch". Sein Wunsch war es gewesen, nach Ablegung der Lehramtsprüfung in den staatlichen höheren Schuldienst einzutreten. Die Anschauungen der preussischen Regierung und namentlich der preußischen Schulbehörden in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre machte das für den glaubenstreuen Juden unmöglich, trotz vorzüglicher Prüfungszeugnisse, trotz der wärmsten Empfehlungen Rankes. Er wurde nicht einmal zur Ableistung des Probejahrs an einer höheren Lehranstalt zugelassen. Er begab sich nach Wien, wo er seine Studien fortsetzte und im Hause des Preussischen Consuls Moritz Ritter von (xoldschmidt als Lehrer tätig war. Die Frucht der Wiener Jahre war eine Reihe von Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte. Seine Schriften fanden allgemeine Anerkennung; eine von ihnen wurde in den Berichten der Wiener Akademie veröffentlicht und trug dem jungen Gelehrten die österreichische goldene Medaille für Kunst- und Wissenschaft ein — aber die Universitätslaufbahn blieb selbstverständlich dem Juden verschlossen. Bei Anbruch der neuen Aera in Preussen kehrte Baerwald in die Heimat zurück. Im Vertrauen auf die Verheissungen der Verfassung hoffte er, jetzt hier eine Lehrtätigkeit ausüben zu können. Doch die Verwaltungspraxis war die alte geblieben. Baerwald entschloss sich deshalb, in den Schuldienst der Berliner tt%ßm :Wm f Dr. Hermann Baerwald. Jüdischen Gemeinde einzutreten. Er wirkte längere Zeit an der damals einzigen Berliner Religionssehule und am Lehrerseminar als Lehrer. Enge Beziehungen verbanden ihn mit Michael Sachs, einige Freundschaft verknüpfte ihn mit Eduard Lasker. Seine ausgezeichneten Charaktereigenschaften, seine ungewöhnliche pädagogische Befähigung veranlassten im Jahre 1868 die Berufung Baerwalds als Direktor des Philanthropin in Frankfurt a. Main. Unter seiner Leitung wurde dieses Institut zu einer neunklassigen Realschule ausgebaut. Dass er grosse und mannigfache Schwierigkeiten zu überwinden hatte, nicht zum wenigsten Schwierigkeiten, die ihm von den Behörden bereitet waren, bedarf keiner Ausführung. Er überwand sie alle. Ueber 30 Jahre hat er an der Spitze der Anstalt gestanden, die unter ihm an Schülerzahl, an Ansehen und an wohltätigen Stiftungen für Lehrer und Schüler stetig zunahm. Hermann Baerwald hat zu den Begründern des nationalliberalen Wahlvereins gehört. Aber nicht in seiner politischen Tätigkeit lag seine hauptsächliche Stärke. Humanität war sein ganzes Sinnen und sein ganzes Leben, und darum gehörte er zur Alliance Israelite Universelle. Seit Anfang der siebziger Jahre stand er an der Spitze des Frankfurter Lokal-Comites, war er als Mitglied des Central-Comites für die Sache der Alliance Israelite Universelle mit heiligem Eifer tätig. Sein herzliches Interesse an diesem grossen Institut hat er bis in die letzten Tage seines Lebens bewahrt und bekundet. Die Alliance Israelite Universelle wird dem hochverdienten Freunde ehrendes Andenken allezeit bewahren. Wir führen unseren Lesern das Bildnis des Verewigten vor Augen. RABBINER DR. FRANK-COELN. (Mit Bildnis.) Nachdruck verboten. Wenn die verdientesten Mitglieder der Alliance Israelite Universelle genannt werden, so wird auch der Name des Eabbiners Dr. Frank-Cöln genannt, der seit 1876, d. i. seit seiner Uebernahme des Eabbinats von Cöln, dem Central-Comite der Alliance angehört, und in dieser langen Zeit an allen Arbeiten der Körperschaft den treuesten Anteil genommen hat. Als in dem genannten Jahre die Constantinopeler Konferenz den Anlass bot für die von dem Central-Comite der Alliance nach Paris berufene Zusammenkunft europäischer and amerikanischer Juden, in der Schritte zugunsten der Israeliten des Orients beraten werden sollten, war Frank-Cöln unter den Delegierten. Wenige Jahre später war er es, dem auf Wunsch des Pariser Central - Comites die Nachfolgerschaft des unvergessenen Rabbiners Dr. Laüdsberg-Liegnitz übertragen wurde. Dr. Frank hat die deutsche Uebersetzung und den Versand der Berichte der Alliance für Deutschland und das Ausland au erster Stelle besorgt und teilte die übrige Arbeit mit Theodor Oschinsky-Breslau und anderen Führern der Alliance, die heute noch in vorderster Reihe tätig sind. An der Renaissance der A. J. A. in Deutschland ist Dr. Frank mit tätig. Dr. Frank, in Oud-Beyerland (Holland) geboren, besuchte das Gymnasium in Arabern, danach das iüdisch-theologische Seminar und die Universität in Breslau. Er war hier ein Lieblingsschüler des Seminardirektors Frankel, dessen hebräische Korrespondenz er zumeist besorgte. G-rätz, Bernays, Joel, Zuckermann hatten auf seinen Bildungsgang wesentlichen Einfluss. Sein erstes Rabbineramt bekleidete er (1868 bis 1873) in Saaz in Böhmen, das nächste (1873 bis 1876) in Linz an der Donau, seit 1876 steht er in Cöln an der Spitze des Rabbinats. Hier hat er sich seit mehr als einem

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