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Ost und West · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. Seite 197 - 198

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Die vierte Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1907-03-01
Page
Seite 197 - 198 (sequence 1)
Language
German
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198 MITTEILUNGEN AUS DEM DEUTSCHEN BUREAU ZZ] DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE. LZZ I (Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 42/43 I). i DIE VIERTE TAGUNG DER DEUTSCHEN CONFERENZ- GEMEINSCHAFT DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE am 19. Februar 1907 Zum 18. Februar, dem Vorabend der Vierten regelmässigen Jahressitzung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle, hatte Herr Charles L. Hai lg arten die Mitglieder der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft, die bereits yor der Tagung in Frankfurt eingetroffen waren, und alle in der Judenheit Frankfurts in vorderster Reihe stehenden Männer in sein gastliches Haus eingeladen. Es war eine überaus stattliche Versammlung, die sich dort zusammenfand — es fehlte kaum ein Name von Bedeutung aus unserer Glaubensgemeinschaft in der Mainstadt. Herr Hallgarten hiess die Erschienenen mit herzlichen Worten willkommen. Dem Dank der Gäste gab der Präsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft Herr Geheimrat Goldberger-Berlin Ausdruck. Die Alliance Israelite Universelle, sagteer, sei kein Hilfsverein der deutschen Juden und kein Hilfsverein der französischen Juden. Wir Juden in Deutschland sind gute Deutsche, die Joden in Frankreich gute Franzosen; wir Juden stehen keiner Glaubensgemeinschaft nach in nationalem Zugehörigkeitsgefühl und patriotischem Empfinden. In der Alliance Israelite Universelle aber sind wir nur Juden, ohne nationale Färbung, ohne nationalistische Tendenzen, einzig bestrebt, für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt unserer Glaubensgenossen zu arbeiten und denen, die als Juden leiden, wirksame Hilfe zu bringen. Für uns in der Alliance gibt es nur einen Bekenntnisruf: „Schema Israel," und auf diesen Euf nur die eine Antwort: „Hinneni," — hier bin ich! — sobald es gilt, Hilfe zu bringen. Im Verlauf des Abends sprachen noch die Herren Dr. Frank-Köln, Fein st ein-Königsberg, Schlesinger-Frankfurt a. M., Dr. Blau-Frankfurt a. M. Bis tief in die Nacht blieb man beisammen — ein harmonisches Präludium für die Verhandlungen des folgenden Tages. Am 19. morgens 9l/2 Uhr begannen diese Verhandlungen unter dem Vorsitz der Herren Geheimrat Goldberger und Charles L. Hallgarten in einem Saal der Frankfurt-Loge. Die Beratungen währten, mit einer geringen Pause, bis zum späten Abend. in Frankfurt a. M. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende drei Zuschriften, die bei den Zuhörern freudigste Stimmung erweckten. Der Ehrenpräsident des Berliner Lokal-Comites der A. I. U. und Mitglied des Pariser Central-Comites, Herr Sanitätsrat Dr. Neu mann, entschuldigte sein Fernbleiben von der Tagung mit der Rücksicht auf sein Alter und seinen Gesundheitszustand und knüpfte daran die besten Wünsche für ein treues und erfolgreiches Arbeiten der deutschen Juden im Sinne der unvergänglichen Prinzipien unserer lediglich universellen Alliance." Herr I. M. Bielefeld aus Mannheim, der Nestor der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft, hatte an den Vorsitzenden des Frankfurter Lokal- Comites der A. L U, Herrn Theodor Schlesinger, folgendes geschrieben: Da ich durch die gütige Vermittlung meines lieben Freundes Herrn Charles L. Hallgarten, und Ihr freundliches Entgegenkommen die Ehre haben werde, Sie bei der morgenden Versammlung der A. I. U., wenn auch leider nur schriftlich, als meinen Vertreter begrüssen zu dürfen, so erlaube ich mir schon heute die ergebene Bitte, die vereinigten Herren auch in meinem Namen, da ich als 94jähriger wohl der älteste sein werde, herzlich zu begrüssen und den Wunsch auszusprechen, dass dem gemeinschaftlichen Streben ein voller Erfolg zur Ehre der Alliance und des ganzen Judentums beschieden werde. Es sind 40 Jahre vergangen, seit ich im Mai 1867 das erste Comite in Havre gegründet habe. Unmittelbar nach dem Kriege 70/71 habe ich in Mannheim, wohin ich meinen Wohnsitz wieder verlegt hatte, mit voller Kraft an dem Wachstum der Alliance Israelite Universelle und mit glücklichem Erfolg gearbeitet und das noch heute bestehende Landescomite für das Grossherzogtum Baden mit seinen Filialen gegründet. Ich fühle meine Kraft zum Schreiben schwinden und muss schliessen. Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre Bemühungen für mich und meine Entschuldigung für den so'leeren Brief. Altersschwäche in Kopf und Hand muss mich entschuldigen. Empfehlen Sie mich gefl. den Herren Präsidenten.

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