Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Jamaika
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 181 - 182 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Jamaika. 182 schatten gab es im übrigen Dicht, sie betrachteten einander al&gleichgiltige Freunde und hatten nur so viele gemeinsame Berührungspunkte wie etwa Katholiken und Protestanten. Erfreulicherweise wurde durch das Verdienst des alten Herrn de Cordova diesem unwürdigen Zustande ein Ende bereitet. Er und seine Familie haben schon yor Jahrzehnten den Wahn bekämpft, als sei die Ehe mit einer Tedesca ein Unglück oder ein Verbrechen; man begann allmählich brüderliche Verbindungen zu knüpfen, und endlich kam es vor Jahren zu einer vollständigen Verschmelzung der beiden Gemeinden. Die Aschkanasim verliessen ihre Synagoge und siedelten in das alte Gotteshaus der Sephardim über, das seitdem die Bezeichnung Amalgamated Synagogue führte. Man einigte sich dahin, dass die sephardische Aussprache des Hebräischen beibehalten, dagegen die Form des Gottesdienstes nach aschkanasischem Brauche modifiziert wurde. Nun ist die Synagoge in Schutt und Asche verwandelt. Möge der neu zu errichtende Tempel im gleichen Sinne wie der alte „amalgamated", d. h. ein Symbol jüdischer Einigkeit sein. Dr. M. MORITZ STEINSCHNEIDER. Von Dr. S. AlmonL Nachdruck verboten. Das jüdische Volk, das seit jeher eine warme Verehrung für sein nationales und religiöses Schrifttum hegte, zeigte auch frühzeitig Sinn und Verständnis für die bibliographische Wissenschaft. Moritz Steinschneider, der am 24. Januar im Alter von über neunzig Jahren heimgegangen ist, war seit Jahrzehnten als der grösste und bedeutendste hebräische Bibliograph anerkannt und gefeiert. Diesen Ruhm verdiente er unstreitig. Aber er war nicht der Einzige und auch nicht der Erste auf diesem Gebiet, und der jüngstverstorbene Gelehrte, dem die wissenschaftliche Objektivität immer so hoch stand, würde es gewiss nicht geduldet haben, dass man das Verdienst seiner Vorgänger, seiner zeitgenössischen Mitarbeiter und der jüngeren Gelehrten nicht genügend anerkenne. Was Steinschneider zu dem hervorragendsten hebräischen Bibliographen machte, das war die seltene Vereinigung aller Eigenschaften, die man bei den anderen Bibliographen nur vereinzelt findet. Wie bei den anderen wissenschaftlichen Disziplinen ist es auch bei der hebräischen Bibliographie denkbar, dass ein von einem Gelehrten unternommenes Werk gleichzeitig von mehreren gefördert und durch sie zum Abschluss gebracht wird. Und tatsächlich ist Steinschneider mit seinem Unternehmen zu einer Zeit aufgetreten, als die hebräische Bibliographie sozusagen hoch in der Mode stand. Man braucht nur die zwölf Jahrgänge des „Orient", oder richtiger seiner „Literaturblatt" benannten wissenschaftlichen Beilage (1840 bis 1851) durchzublättern, um zu sehen, welches Moritz Steinschneider Interesse man in den Kreisen der Fachgelehrten seit der Begründung der Wissenschaft des Judentums der Bücherkunde entgegenbrachte. Bibliographen waren sie fast alle, die ersten Begründer der Wissenschaft des Judentums: Kappoport, Zunz, Luzzatto, Schorr, Fürst, David und Selig (Paulus) Cassel usw. Steinschneider überragt sie alle auf diesem Gebiet nur dadurch, dass er alle seine Kräfte, seinen Scharfsinn, seine Kombinationsgabe und seine Ausdauer in den Dienst dieser Wissenschaft stellte. Büchertitel und Autorennamen waren für ihn nicht Schall und Rauch, sondern Denksteine des schöpferischen Geistes des jüdischen Volkes und Bausteine für dessen Kulturgeschichte. Die hebräische Bibliographie haben jüdische und christliche Forscher noch vor Steinschneider begründet. Unter den jüdischen Bibliographen war zweifellos der bedeutendste Ch. J. D. Asulai, dessen hundertster Sterbetag im nächsten Monat in Erinnerung gebracht zu werden verdient. Es war dies ein eigenartiger Mann, einer durch ihre Gelehrsamkeit berühmten sephardisehenFamilie entstammend, der aus Palästina nach Europa kam und in verschiedenen Ländern öffentliche und private Bibliotheken durchstöberte, um die hebräische Bibliographie wissenschaftlich zu fördern. Unter den christlichen Gelehrten, die sich mit der Erforschung des hebräischen Schrifttums eingehend befassten, ragten zwei Männer hervor: der deutsche J. Ch. Wolf und der Italiener de Rossi, der zuletztgenannte von einer jüdischen Familie abstammend. Diese drei Männer, die so ziemlich zu einer Zeit