Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Jamaika
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 177 - 178 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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177 178 Die jüdische Familie Motta in Kingston auf Jamaika, die fünf Mitglieder durch das Erdbeben verloren hat. Die furchtbare Katastrophe, die über das blühende Kingston, die schöne Haupt- und Hafenstadt von Jamaika, hereingebrochen, hat auch unter der jüdischen Bevölkerung eine entsetzlich hohe Zahl von Opfern gefordert. In der langen Liste der verwundeten und getöteten Juden liest man die Namen der hervorragendsten Gemeindemitglieder; am schwersten aber wurde die sehr angesehene Familie Motta getroffen, die den Tod von fünf Angehörigen zu beklagen hat. Es war für die verunglückten Juden verhängnisvoll, dass die Erderschütterung und die Feuersbrunst zuerst und am heftigsten dort wütete, wo die meisten von ihnen ihre Berufstätigkeit ausübten, nämlich in dem am Hafen gelegenen Nachdruck verboten. Handelsviertel, der City von Kingston. In diesem Stadtteil befand sich auch das nun vollständig vernichtete Gotteshaus, die vereinigte (amalgamated), ursprünglich sephardische Synagoge. Als sie nämlich erbaut wurde, besass Princess Street nebst Umgebung noch zahlreiche Privathäuser, deren Wohnungen wegen der Nähe des Geschäftsbetriebes von den jüdischen Kaufleuten besonders bevorzugt waren. Allmählich aber mussten diese Gebäude weichen und den Kiesenspeichern und Handelspalästen Platz machen, und schliesslich stand der stille Tempel einsam inmitten des lärmenden Treibens der Hafenstadt. Seine Gründer waren Sephardim, die seit jeher an Zahl und Einfluss die Aschkanasim im Lande weit übertrafen.