Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Henryk Glicenstein
- Date
- 1907-03-01
- Page
- Seite 157 - 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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157 Piero Jacchia, Rom: Henryk Glicenstein. 158 als Oedipus bezeichnet), den der König von Italien auf der römischen Internationalen Ausstellung 1905 erworben hat; der zu gerade Stab von damals, der in Bronze fast den Eindruck eines Speeres machte, ist mittlerweile durch einen echten krummen Stecken oder Knotenstock, irgendwo auf der Wanderschaft an einem Kreuzdorn abgeschnitten, ersetzt worden. Auch die rührende Figur der kleinen, in ihrer Verlassenheit eingeschlafenenMandoli nistin haben wir früher abzubilden gesucht; wieder müssen wir sagen: welche Reproduktion kann eine Vorstellung von dem Linienspiel und der lieblichen Trauer diese Gestalt verschaffen! Abgüsse dieses kleinen Juwels ist in Besitz des Grafen Stroganoff in Rom, des Barons Rothschild in Paris und anderer Privater in London, Paris, Berlin, Leipzig und anderwärts. Unter den neuen Kleinbronzen bemerken wir ein Bürschlein, das spreizbeinig auf einem Eckstein sitzt, ein so naives Stück Leben, wie es, nur auf italischem Boden und in der göttlichen Nackheit des Südens wächst; die edle, fast tragisch anmutende Brunnenfigur eines Wasserträgers, der den Schlauch über der Schulter in ein nicht ange- HENRYK GLICENSTEIN Bar-Kochba. deutetes Becken entleert; und eine wunderschöne weibliche Brunnenfigur: ein nacktes Mädchen in scheuer, spröder Haltung sitzend, mit der Rechten fängt sie die Fülle des nach vorne flutenden Haares auf und scheint sich zugleich gegen die Sonne zu beschirmen; der Sockel mit den vier Tier- und Menschenma^iken au den Ecken, die mit dem Unterkiefer in Brunnenschalen übergehen , ist eine künstlerische Tat. Endlich die Gruppe der drei Vorläufer der russischen Freiheit, der Student zwischen dem Bauer und dem Arbeiter. Doch dieses Werk bedürfte einer eigenen Abhandlung. Ein echter Glicenstein ist auch das grosse Flachrelief eines Narziss, ausserordentlich malerisch und reizvoll in die Landschaft hineinkomponiert; der Knabe träumt, auf den Hirtenstab gelehnt, melancholisch in den Spiegel eines Quells, der durch das Motiv des trinkenden Hundes sichtbar gemacht wird. Von den sechs ausgestellten Büsten endlich mögen die einen dem genialen Porträt Gabriele d'Annunzios den Vorrang geben, andere der Büste des Dr. Ludwig Mond, die ein Pariser Kritiker eine herkulanische Ausgrabung genannt hat; wir bevorzugen gegen alles andere die ROM.