Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. Seite 99 - 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
Das auserwählte Volk
Date
1907-02-01
Page
Seite 99 - 100 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2583954-2583957-2588193--06850-2588280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

A. Wolff, London: Das auserwählte Volk. 100 E. PAVILL. GROSSVATER UND ENKELIN. Franzosen bei dem Generalgouverneur Marquis ot Lome erschien und von ihm gewisse Konzessionen zugunsten der französischen Nationalität forderte, erhielt sie von dem Vertreter der britischen Gewalt folgendes zur Antwort: „Wir Engländer herrschen über Franzosen in Kanada und auf Mauritius, über Spanier auf Trinidad und Gibraltar, über Italiener auf Malta, über Deutsche auf Helgoland, über Holländer in Südafrika, über Chinesen in ihrem eigenen Vaterlande, über Araber iu Asien, über Griechen auf Cypern, — ohne die zahllosen Millionen von Asiaten anderer Stämme zu erwähnen. Aber wo in der ganzen Welt gibt es den kleinsten Streifen Landes, wo englisch sprechende Menschen unter fremder Herrschaft lebten oder den Gesetzen eines fremden Gebieters gehorchten?" Also sprach Marquis of Lorne. Wie heisst es nun im 5. Buche Mosis (15,6)? „Du wirst über viele Nationen herrschen, keine aber wird dir gebieten". Eine andere Weissagung in demselben Verse lautet: „Du wirst vielen Nationen leihen, bei keiner aber wirst du entleihen." Das könnte sieh freilich auch auf Frankreich beziehen, das die halbe Welt zu Schuldnern hat. Aber weder England noch Frankreich denkt daran, die mit diesem Segen verknüpfte Forderung zu erfüllen: „Jedes siebente Jahr sollst du einen Schuldenerlass einführen. . . . Erlassen muss jeder Gläubige das Geld, das er seinem Nächsten geborgt". Es ist nicht bekannt geworden, dass jemand in England an die Vollstreckung dieser Vorschrift gedacht hätte. „Dein Geschlecht wird die Pforten seiuer Feinde besitzen", sprach G ott zu Abraham nach der Opferung Isaacs. Der erste beste jüdische Kommentator etwas älteren Datums wird gern klar machen, dass dieses Wort besagen wo'le: „Jeder Israelit, der seinen Willen dem Willen Gottes unterordnet, werde zum Lohn dafür die Herrschaft über alle Eingänge erhalten, durch die der ewige Feind, der Jezerhara, der Satan, der böse Geist, sich in die Seele der Menschen einzuschleichen sucht, um sie in seine Gewalt zu bekommen. Nicht so der praktische Engländer; für ihn bedeuten die „feindlichen Pforten" . . . Kohlenstationen, Inseln, befestigte Punkte, die er auf der ganzen Welt besitzt, in solcher Lage, dass sie die Eingänge zu ganzen Eeichen, Ozeanen, Weltteilen beherrschen, z. B. Gibraltar, Portsaid, Aden (Bab el Mandeb), Weihaiwei. Kann da jemand noch zweifeln, dass das britische Volk der Erbe aller dem Volke Israel verkündeten Weissagungen ist?... Noch eine Aehnlichkeit mit Israel weist England auf: Es feiert nämlich den Sabbath (das heisst natürlich den Sonntag) beinahe ebenso rigoros und ebenso solenn wie die Juden. Und dadurch zeichnet es sich vor allen anderen Völkern aus. Israel — das ist also England. Vor einigen Jahren veranstaltete der Morning Herald, eines der augesehendsten Londoner Tagesblätter eine öffentliche Diskussion über diese Frage. Eines der Mitglieder des hohen anglikanischen Klubs nahm das Wort zu folgenden Ausführungen: „Das von den Propheten angekündigte grosse und mächtige Reich muss in materiellem und nicht bloss in geistigem Sinne verstanden werden. Wenn aber nicht wir Engländer dieses Reich sind, wenn nicht wir es sind, die in der ganzen Welt unsere Kraft anspannen, um die Pläne der Vorsehung zu verwirklichen, wer ist es denn sonst? Alle Israel gegebenen Verheissungen von Allmacht, Reichtum, Kolonisation, Grösse und Glück, (die, wie gesagt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.