Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Görlitz [Nachricht]
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 69 - 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 70 Kaufmann war. Seine Mutter gehörte der Familie Sklower an, die in Breslau (Goldene Redegasse) die heute noch bestehende „Sklower Schul" gegründet und ausgestattet hat. Im Jahre 1842 kam Freund nach Lissa, wo er nach einjährigem Besuch des Gymnasiums die Maturitätsprüfung' bestand. Nach dem Wunsch der Eltern und der eigenen Neigung gemäss widmete er sich dem Habbinerberuf. In Lissa, wo damals Talmudgelehrte von grossem Euf lebten, geooss er talmudischen Unterricht, namentlich bei dem Dajan Reb Jacob Hamburger. Von Lissa ging Freund zum Besuch der Universität nach Breslau. Hier hörte er Philosophie bei Professor Braniss, exegetische Vorlesungen über das Alte Testament bei den Professoren Movers und Middeldorpf, arabisch und syrisch bei den Professoren Bernstein und Schmölders. Dabei wurden die Talmudstudien unter Leitung der bedeutendsten Gelehrten, u. A. des späteren Ostrowoer Rabbiners Dr. Freimann fortgesetzt. Das Rabbinerseminar war damals noch nicht eröffnet. Rabbiner Dr. Geiger nahm sich des jungen Kandidaten an, ausser unserem Jubilar des Dr. Brann, nachmaligen Rabbiners in Stolp, und des Dr. Friedeberg, späteren Rabbiners in Tilsit. Dr. Geiger hielt Vorlesungen über jüdische Literatur, nahm mit den jungen Männern die jüdischen philosophischen Werke durch und hielt sie zu homiletischen Uebungen an. Am 11. Nov. 185.3 promovierte Freund in Breslau. Seine Dissertation handelte („de rebus die resurrectionis") vom Auferstehungstage. Er veröffentlichte darin zum ersten Mal den Text eines in den Universitätsbibliotheken von Breslau und Leyden vorhandenen Manuscripts mit lateinischer Uebersetzuag4 und zahlreichen Anmerkungen über die jüdische Auffassung vom Leben nach dem Tode und von der Auferstehung. Noch vor der Promotion hatte Freund die Stelle eines ersten Lehrers an Rabbiner Dr. Freund-Görlitz. der Tiktinschen Religionsschule unter Direktor Dr. Samuelsohn angenommen. In dieser Stelle blieb er bis Ostern 1856, wo der jetzige Wiener Oberrabbiner Dr. Guedemann, damals Hörer an dem mittlerweile gegründeten Breslauer Rabbinerseminar, sein Nachfolger wurde. Im Sommer 1856 wählte ihn die Gemeinde Görlitz zum Rabbiner. Am 27. Dezember 1856 trat er das Amt an, das er bis zum heutigen Tage bekleidet. Anlässlich seines fünfzigjährigen Doktorjubiläums, am 11. November 190o, wurde sein Diplom erneuert. In dem Begleitschreiben sagte der Dekan der philosophischen Fakultät von ihm: „qui et dissertatione inaugurali cognitionem litterarum arabicarum historiamque comparativam religionum promovit et munera sua per multa lustra dignissime obiit" — er habe durch seine Inauguraldissertation die Kenntnis des arabischen Schrifttums erweitert, die vergleichende Religions- Wissenschaft gefördert und danach durch viele Lustren die Pflichten seines Amtes in würdigster Weise erfüllt. Im Jahre 1873 wurde Herrn Dr. Freund vom Magistrat in Görlitz unter Genehmigung des Provinzial-Schulkollegiums der jüdische Religionsunterricht an den städtischen höheren Knaben- und Mädchenschulen übertragen. An der Feier seines 25jähr. Amtsjubiläums am 27. Dezember 1881, ebenso an der Feier seines 70. Geburtstags im Jahre 1899 beteiligten sich die städtischen Behörden, das Ordensfest am 18. Januar 1900 brachte ihm den Roten-Adlerorden 4. Klasse. Dr. Freund gehört dem Ausschuss des Synagogengemeinde-Verbands Breslau-Liegnitz und dem Vorstand vieler gemeinnütziger Vereine an. Dass er treues Mitglied, ein Freund und Förderer der Alliance Israelite Universelle seit 32 Jahren ist, haben wir bereits erwähnt. Der 30. Dezember war für Dr. Freund und für seine Freunde und für die Gemeinde Görlitz ein Festun d Ehrentag. Berlin. Der grosse Philanthrop Jacob H. Schiff in New York, 965, 5th Avenue, feiert am 10. Januar d. J. den sechzigsten Geburtstag. Ehrungen aus der ganzen "Welt werden ihm an diesem Tage verdientermassen zuteil werden. Wir entbieten dem Förderer aller grossen humanitären Werke, dem treuen und unerschrockenen Glaubensgenossen herzinnigen Glückwunsch und glaubensbrüderlichen Gruss. * * Sit Paris. Herr Oscar S. Straus hat infolge seiner Ernennung zum Handeismmister der Vereinigten Staaten seine Demission als Mitglied des Central-Comites der A. 1. U. gegeben. Das Central-Comite hat beschlossen, an Herrn Straus für die wirksame Tätigkeit, die er stets zugunsten der Alliance, sowie überhaupt zugunsten aller Werke allgemein jüdischen Interesses entfaltet hat, ein Dankschreiben zu richten. Neue immerwährende Mitglieder: Berlin: Emanuel Bergmann, Stallschreiberstrasse 2?>a, Alfred Cohn, Behrenstrasse 48. Breslau: Isr.ael Sachs, Höfchenstrasse 97. Alle für das Berliner Lokal» Comite der A. L U. und für das Deutsche Bureau der A. I. V. bestimmten Geldsendungen beliebe man an den Sehatzmeister Herrn Benno Braun in Firma Joelsohn & Brünn, Berlin C. 19, Hausvoigteiplatz 12 zu adressieren, eventuell durch Keichsbank-Girokonto den Herren Joels«ihn & Brünn zu überweisen.