Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Berlin [Nachricht]
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 67 - 68 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 6S lichkeit von der Alliance ausgegangen und geleistet war. Man nahm die Aufklärung mit herzlicher Freude entgegen. Das jüngere Geschlecht erfuhr mit Genugtuung, dass die von den Vätern begonnene Arbeit nicht unterbrochen, sondern mit ebenso stillem wie grossem Eifer fortgesetzt worden ist. In den Vorträgen wurde auch rühmend der Jewish Colonisation Association gedacht, die durch Personalunion mit der Alliance verhunden ist und innerhalb der allgemeinen Aufgabe die besondere Riesenarbeit versieht, die Auswanderung aus Russland grosszügig zu organisieren. Endlich wurde betont, dass die Alliance Israelite Universelle es für ihre Pflicht hält, allen nationalistischen Bestrebungen gegenüber den universellen Charakter zu unterstreichen, und nicht zuzulassen, dass das jüdische Hilfswerk zerrissen und durch nationale Teilung entkräftet wird. Berlin. Am 18. Dezember v J. feierte unser Mitglied Justizrat Dr. Hermann Veit Simon das Fest der silbernen Hochzeit. Dem hervorragenden Juristen und treuen Glaubensgenossen wurden aus diesem Anlass die herzlichsten Bekundungen zuteil. Auch das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft fand sich mit einer Glückwunschadresse ein, die folgenden Wortlaut hatte: „HocQverelirter Herr Justizrat! Sie feiern heute ein Familienfest, das Fest der Silbernen Hochzeit. Wir bitten um die Erlaubnis, wir fordern es als unser Freundesrecht, mit Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin uns zu freuen, mit Ihnen beiden den Tag als einen Fest- und Freu den tag zu begehen. Wir haben Gelegenheit gehabt, Ihr öffentliches und Ihr stilles Wirken zu beobachten—wir haben gesehen, wie Sie in Ihrem ehrenvollen Berut zu immer höherem Ansehen gelangten, wie Sie durch Gaben des Geistes und ernstes wissenschaftliches Streben zu einer Zierde Ihres Standes wurden. Wir sind einander begegnet bei Ihrer steten Bereitwilligkeit, Ihr persönliches Können in den Dienst unserer Glaubensgemeinschaft und der dieser Gemeinschaft gewidmeten Werke zu stellen. Mit freudiger Bewunderung und mit herzinnigem Stolz haben wir wahrgenommen, wie Sie in der Fülle der Arbeit immer Müsse fanden für die Förderung und Hebung der Judenheit, die mit ungeteilter Anerkennung auf Sie blickt, wie Sie mit durchdringendem, aus aufrichtiger Liebe geborenem Verständnis an der Erfüllung grosser, auf Gegenwart und Zukunft zugleich gerichteter Aufgaben sich beteiligten. Auf das Grosse hat Ihr Streben sich gerichtet. Das neue Gebäude der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Wo immer das Recht der Judenheit in Frage kam, wo es werktätiges Eingreifen galt und wuchtige Verteidigung mit den Watten des Geistes und Wissens — da waren Sie zur Stelle, ein rüstiger und gerüsteter Kämpfer. Und für Ihre Liebe zu unserer Gemeinschaft hat es nichts Kleines, nichts Unbedeutendes gegeben. Wir haben kein Mandat, im Namen der Judenheit zu reden. Aber wir sind sicher, im Sinne der deutschen Judenheit zu handeln, wenn wir den heutigen Tag als Anlass benutzen, mit unseren Glückwünschen Ihnen, unserem hochgeschätzten Mitglied, den Ausdruck tiefgefühlter Anerkennung, Verehrung und Liebe darzubringen. Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Justizrat, unsere Grüsse und die Versicherung unserer verehrungsvolleni Ergebenheit." Justizrat Dr. Hermann Veit Simon gehört einer Reihe bedeutender jüdischer Organisationen an, so auch der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Hier wurde er im Jahre 1904 in das Kuratorium gewählt, dessen Vorsitzender er seit Beginn des Jahres 1906 ist. Von Uebernahme dieser Tätigkeit an war es sein Bestreben, der Lehranstalt ein eigenes Heim zu gründen, würdig der grossen Aufgabe, die die Lehranstalt in der Judenheit zu erfüllen hat. Sein Wunsch konnte, dank der Munifizenz hochherziger Glaubensgenossen, zur Erfüllung gelangen. Im Herbst dieses Jahres wird in der Artilleriestrasse der Prachtbau der Lehranstalt seine Tore denen öffnen, die dereinst Lehrer in Israel sein und Gottes Wort künden wrollen. Bei dem innigen Zusammenhang, der zwischen den erzieherischen Tendenzen der Alliance Israelite Universelle und allen Kulturwerken in unserer Glaubensgemeinschaft besteht, glauben wir der bildlichen Darstellung des Lehranstaltsgebäudes in diesen Spalten einen Raum anweisen zu dürfen. Görlitz. Herr Rabbiner Dr. Freund, einer der Senioren der Alliance Israelite Universelle und seit 35 Jahren ihr eifriger, pflichtgetreuer und sorglicher Vertreter, hat am 30. Dezember v. J. sein fünfzigjähriges Jubiläum als Rabbiner der Synagogen gemeinde Görlitz gefeiert. Das Central-Comite in Paris und das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft haben dem um die Sache der Alliance hochverdienten Manne, der von seiner Gemeinde geliebt und auf Händen getragen wird, der seine Gemeinde selbst erzogen hat, Glückwunschadressen überreichen lassen. Rabbiner Dr. Freund steht im 78. Lebensjahre. Er ist am 3. August 1829 in der Posenschen Stadt Schmiegel geboren, wo sein Vater ein allseitig angesehener