Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Emmanuel Hannaux
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 13 - 14 (sequence 1)
- Language
- German
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13 14 EMMANUEL HANNAUX. Von G. Kutna. Nachdruckverboten. Ein bescheidener Mann, von geklärter Einfachheit, eine Büste geschaffen. Im Luxembourg, in den Museen ein Schaffender in stiller Begeisterung ist Emmanuel von Nancy, Puy und anderen Galerien Frankreichs be- Haimaux, der Gestalter reiner Nacktheit und edler linden sich Marmorarbeiten von ihm; aueh ist er Be- Mensehlichkeit. „Ich liebe die Kunst, ich liebe das Nackte", ist sein ganzes Programm, und dieser Liebe gibt er bildnerischen Ausdruck. So geht er geraden Sinnes der Schönheit nach, voU Ehrerbietung vor der Natur, fromm und beherzt in seiner Liebe. Das Läuternde, Veredeln de, das dem Nackten innewohnt, ist bei ihm noch tiefer wirksam durch Schwermut und Versonnenheit, die wie ein Poesiehauch aus tiefver - senkter Seele hervordringen. Der Menschenleib ist ein Zeugnis vom Adel des Lebens, und die Menschenseele ist dichterische Andacht; uns aber mahnt es zur Weltfrommheit. Des Menscfien nackte Herrlichkeit schafft Hannaux, von hellenischem Geist , hellenischer Dich - tung angezogen, klar und formenrein. Fern von Grübelei und Tiefsinn, ohne Vieldeutigkeit und gedankliche Beziehung sind seine Gebilde; nur der Sinnen weit Formen und Schönheit sind ihnen eigen, Anschauung des Raumes vermitteln sie kunstgemäss, quellendes Leben in bildsamer Klarheit. Und dieser Griechenjünger fühlt sich als Jude, heimisch und eingewurzelt im Judentum. An solchen Männern leidet die Judenheit bitteren Mangel, an Menschen mit unbefangener Sinnenanschauung und mit Treue, die natürlich und unbedacht ist, nicht lukrativ und dekorativ, nicht Programm und Dogma. Seine Erfolge hat das nicht behindert. In seiner Heimatstadt Metz, aus der auch seine Frau stammt, die als Professor der Mathematik an einem Pariser Lyzeum wirkt, stehen in verschiedenen Kirchen Bildwerke von seiner Hand. Von Mgr. Dupont des Lorges, dem Bischof von Metz, den die Juden von Metz im deutsch-französischen Kriege als Deputierten aufstellten, hat er EM. HANNAUX Poet und Sirene. (Musee du Luxembourg, Paris.) Em. Hannaux. sitzer der verschiedensten Medaillen und Ehren - legionär. Tn Hannaux' Büsten ist eine diskrete Lebendigkeit ausgeprägt; aus der dekorativen Formung des weich behandelten Marmors blickt die Persönlichkeit, auf sich selber fussend, hervor. Er hat deren eine grosse Anzahl geschaffen und in ihnen Geist und Edelsinn hervorragender Persönlichkeiten in Dauer form festgehalten. Neben Männern der Akademie, wie Henri Weil, Hartwig Perembourg, hat er Stiftern und Wohltätern Denkmäler in Erz und Marmor geschaffen. So Richard Wallace (Wallace Collektion, London) Baronin James Rotschild (Hospital Picpus, Paris), Baronin Hirsch (ATew York), Mad. Coralie Cahen (Altersheim in }feuilly), die edle, hilfsbereite Frau, die in Krieg und Frieden Kranke gepflegt, Gefangenen durch ihre Beziehungen zur Kaiserin Augusta die Freiheit erwirkt und das Altersheim für Juden in Neuilly ins Leben gerufen hat. In den Marmorgruppen des Künstlers regt sich ideales Dasein in zwanglos schöner Bewegung; passive Zuständlichkeit und regsame Spannkraft geben einen anziehenden künstlerischen Kontrast. Lebenskräfte durchziehen fühlbar ein schlummerndes Dasein; der Körper lagert, von der Schwere gebannt, und die modellierte Lebensform verhüllt ein vielfältig Verlangen nach Bewegung. Sie zuckt noch halbwach in den Händen und Fingern; sie rühren an die Leier (Orpheus) wie nach Klängen langend; sie fassen den Krug in mattem Tasten (Danaide) und sind von Spiel und Regsamkeit beseelt (Poet und Sirene), gehen wie Wellen auf und nieder, kommen wie Wellenschlag aus sinnendem Traumesdasein. PARIS.