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Ost und West · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
7 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Date
1907-01-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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PsriwCesr: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 1. Januar 1907. YII. Jahrg. An unsere Leser! Titel und Register zum vorigen Jahrgange sind vorliegendem Hefte beigegeben, mit dem dei siebente Jahrgang unserer Zeitschrift beginnt. Soweit nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden zvir das Abonnement der seitherigen Abonnenten als verlängert betrachten. Verlag und Redaktion von „OST und WEST". DAS JAHR 1906. Ein Rückblick. Von M. A. Klausner. Das Schicksal hat uns nicht verwöhnt. Wenn uns ein Jahr kein besonderes Leid gebracht hat, so sprechen wir voller Dank von einem freundlichen Wandel des Geschicks, so sehen wir bereits die Morgenröte jener friedlichen Zeit, von der unsere Propheten gesprochen haben. Denn der Geist der Propheten, die in Sturm und Not nicht verzagten und selbst unter der Geissei des Unheils den Sieg der Gerechtigkeit in Gottes Namen vorschauend verkündeten, dieser Geist des unverwüstlichen Optimismus lebt auch in uns, wie er überhaupt das Leben unserer Gemeinschaft erhalten hat. „Die Geschichte", sagt Hegel, „ist der Fortschritt der Menschheit im Bewusstsein der Freiheit" Unsere Geschichte ist der Fortschritt der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, wie unsere Religion im wesentlichen die Offenbarung des Rechts ist, des Rechtes aller Kreatur untereinander und vor dem Schöpfer selbst. Dass dieser Fortschritt zur Gerechtigkeit so langsam ist, können wir beklagen; doch kann das unsern Stolz darüber nicht mindern, dass der Fortschritt unserer Gemeinschaft ein Vorbild ist für den Fortschritt der Menschheit und Menschlichkeit, dass in unserm Schicksal sich „der Fortschritt der Menschheit im Bewusstsein der Freiheit" spiegelt. Wenn ein Rückschlag in unserer Freiheit unser Empfinden auf das tiefste schmerzlich erschüttert, so beklagen wir zugleich das gemeine Menschheitslos. Finden wir dabei kein Mitgefühl bei unsern Menschenbrüdern — so ist das schlimmer für diese als für uns, und wir haben keinen Grund, die Erbarmungslosen zu beneiden. „Nicht ein Einzelner ist wider uns aufgestanden, uns zu verderben, sondern von Geschlecht zu Geschlecht erhoben sich Hasser, uns zu vernichten; doch der heilige Gott rettete uns aus ihrer Hand." Diese Worte, die wir am Passahabend sprechen, enthalten unsere Leidensgeschichte; sie bezeugen, dass Gerechtigkeit und Menschenliebe den Sieg noch nicht errungen haben; sie bezeugen zugleich unserer Väter und unsere Zuversicht in den Gott-Retter, der uns

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