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Ost und West · 1903-12-01 · Heft 12 (Dezember 1903) · p. Seite 861 - 862

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 12 (Dezember 1903)
Article
Berühmte jüdische Weltreisende
Date
1903-12-01
Page
Seite 861 - 862 (sequence 2)
Language
German
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861 Dr. Adolf Kohut: Berühmte jüdische Weltreisende. 862 den Jahren 1861—1864, als Derwisch verkleidet, durch Aragonien und Persien bis nach Bochara und Samarkand und kehrte dann mit sehr wertvollen geographischen, ethnographischen und linguistischen Ergebnissen nach seinem Vaterlande zurück. Von seinen Werken, welche eine ganze Bibliothek ausmachen, seien hier nur genannt: „Reisen in Mittelasien", „Geschichte Bocharas", „Der Islam im 19. Jahrhundert", „Sittenbilder aus dem Morgenlande", „Der Ursprung der Magyaren", Russlands Machtstellung in Asien." Der gröss.te Weltreisende, den bisher der jüdische Stamm aufzuweisen hatte, war entschieden der geniale, aber so unglückliche Forschungs- und Afrikareisende Emin Pascha — sein eigentlicher Name war Eduard Schnitzer, geboren am 26. März 1848 in Neisse in Schlesien, ermordet am 23. Oktober 1892 in Afrika. Sein Leben und seine Werke sind jedem Gebildeten so allgemein bekannt, dass ich mich nicht eingehender über ihn auszulassen brauche. Als wissenschaftlicher Reisender gehört Emin Pascha zu jenen unvergesslichen Sternen, die in ewigem Glänze leuchten. Auch als Sprachforscher muss er rühmend genannt werden. Gewiss hatte er auch viele Fehler und Schwächen, aber die herrlichen Gaben seines Geistes, Herzens und Gemütes, seine uneigennützigen, grossartigen Arbeiten im Dienste der Kultur und Wissenschaft werden seinen Namen für alle Zeiten mit der Gloriole des Heldenhaften und Wunderbaren umgeben. Auch als Mensch war er eine der liebenswürdigsten Erscheinungen, und der Verkehr mit ihm war für jedermann angenehm und anregend. Wenn auf irgend jemand das bekannte Wort angewandt werden darf, so war er es: „Nehmt alles nur in allem, nimmer werdet ihr seinesgleichen schauen." Wie Vambery, so war auch Schnitzer ein Konvertit, aber die pietätvolle Liebe zu seinen Eltern und zu seiner Familie überhaupt in allen Lagen seines Lebens legen von seinem jüdischen Herzen ein rühmliches Zeugnis ab. APHORISMEN. Von allen alten Völkern kennt man nur die Hebräer, die öffentliche Lehrsätze von ihrer Religion gehabt haben. Moses und Abraham haben den Glauben an einen einzigen Gott, die Quelle alles Guten, den Urheber aller Dinge, festgesetzt. Die Hebräer reden davon auf eine des höchstens Wesens würdige Art, und man ist erstaunt, Einwohner einer kleinen Erdgegend erleuchteter als das übrige menschliche Geschlecht zu sehen. Die Weisen anderer Nationen haben vielleicht manchmal ebensoviel gesagt, aber sie hatten nicht das Glück, dass man ihnen gefolgt wäre und ihre Lehren für Gesetze hätte gelten lassen. Indessen hatte Moses seinen Gesetzen die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele nicht einverleibt; sie war seinen Meinungen zwar gemäss und wurde unter der Hand gelehrt. — Moses hatte schon die schönen Begriffe von der Grösse und Güte Gottes vorgetragen, welche viele gesittete Nationen heutigen Tages annehmen. — G W. von Leibniz: Theodicee. * * * Der reine Monotheismus gleicht, wenn wir uns dieses Bildes bedienen dürften einer Festung, und wir Juden sind die Besatzung derselben. Feige wäre es von uns, wenn wir, der Uebermacht wreichend, freiwillig uns ergäben; erlangen aber die ausserhalb der Festung liegenden Scharen, d. i. der den reinen Monotheismus noch nicht anerkennende Teil der Menscheit, unter annehmbaren Bedingungen den Frieden von uns, so dürfen und müssen wir ihn schHessen, wenn wir dann nicht gerechterweise den Vorwurf der UnVersöhnlichkeit auf uns laden wollen. Wir können und müssen in diesem Falle die Verschanzungen und Bollwerke aullassen, um die draussen Stehenden in Frieden in unsere Mitte aufzunehmen. Und sind nicht alle Satzungen des Judentums ohne Unterschied nach dem Talmud selbst ein blosser „Zaun um das Gesetz", den wir bei der Ankunft des Messias, d. i. wenn die Völker den einigeinzigen Gott werden anerkannt haben, auflassen dürfen? Wer wird uns darum feige schelten? Eine Besatzung, die trotz der grössten Widerwärtigkeiten und trotz dem tausendfach überlegenen Feinde sie bekämpften, fast 4000 Jahre ungebeugt auf ihrem Posten stand, verdient wahrlich einen solchen Vorwurf nicht. Bis dahin aber verteidigen wir mannhaft unseren reinen angestammten Glauben und unsere Nationalität mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln. — J. Singer: Sollen die Juden Christen werden?

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